Die Heilbronner Stadtteile Klingenberg, Sontheim und Horkheim eint ein eher seltener Fakt: Während vielerorts die Herkunft der Spitznamen völlig im Dunkeln liegt und nicht mehr nachvollzogen werden kann, sind für diese drei Orte die Entstehungsgeschichten überliefert. Und zumindest zwei erzählen davon, welch rebellischen Geistes die Bewohner der heutigen Heilbronner Stadtteile anno dazumal gewesen sein müssen. Von der Obrigkeit jedenfalls hielten sie recht wenig.Klingenberger Krautscheißer Egal, welche der beiden Geschichten stimmt, in jedem Fall haben die Klingenberger ihren Uznamen ihrem Pfarrer zu verdanken. Und das kam so: Der ersten Überlieferung zufolge soll der Geistliche eines Sonntags bei seiner Predigt ordentlich vom Leder gezogen und besonders die jungen Leute des Ortes mächtig beschimpft haben. Denen müssen die mahnenden Worte offenbar so sehr missfallen haben, dass sie eines Nachts den Pfarrgarten heimsuchten und dabei sämtliche Kohlköpfe klauten. Anstelle seines gepäppelten Krauts fand der Pfarrer am nächsten Morgen nur noch viele Haufen menschlicher Hinterlassenschaften vor. Ein Thema für seine nächste Predigt, bei der er die Klingenberger von der Kanzel herab als „Krautscheißer“ titulierte.Auch in der zweiten Geschichte spielt der Pfarrer, der auf dem großen Kirchacker jede Menge Kohl angebaut hatte, eine Hauptrolle. Als es im Mittelalter wieder einmal zu einer großen Hungersnot gekommen war, wandten sich seine gottesfürchtigen Schäfchen an ihn, und baten ihn darum, seinen erntereifen Kohl doch unter den hungerleidenden Menschen des Ortes zu verteilen. Ein Ansinnen, das der Gottesmann weit von sich wies. Das brachte die arme Bevölkerung dermaßen auf, dass sie sich eines Nachts auf den Acker schlich. Die Klingenberger schnitten in einer Gemeinschaftsaktion von jedem Kohl einen Deckel ab, höhlten die Krautköpfe aus und verzehrten das Innere des Gemüses. Nach getanem Werk hinterließen sie dem kaltherzigen Geistlichen noch eine Botschaft. Als „lieben Gruß an den Herrn Pfarrer“ füllten sie im Nachgang ihres nächtlichen Mahls alle Kohlköpfe wieder auf – mit verdautem Kraut – und versahen jeden einzelnen wieder mit den zuvor abgeschnittenen Deckeln.Horkheimer Dachreiter Was macht man, wenn man es partout nicht einsieht, Abgaben zu zahlen? Man flüchtet. Das zumindest hat wohl ein Horkheimer anno dazumal getan. Der Bauer hat sich der Überlieferung zufolge von den Steuereintreibern zu Unrecht verfolgt gefühlt. Um sich ihnen zu entziehen, ergriff er die Flucht und landete schließlich auf dem Dach. Dort stand er und verharrte stundenlang wie eine Statue in der Pose eines Reiters. Erst die Feuerwehr setzte dem ein Ende. Sie spritzte so lange Wasser auf den Bauern, bis sich dieser doch dazu entschloss, herunterzukommen.Sontheimer Saureiter Ein Sontheimer Metzger – so heißt es – sei gerade dabei gewesen, eine Sau zu schlachten, als das Tier in seiner Todesangst versuchte zu entkommen. Ganz so einfach wollte es der Schlachter dem Schwein aber doch nicht machen. Deshalb versuchte er, das Tier noch irgendwie aufzuhalten – was damit endete, dass der Metzger schließlich auf dem Rücken der Sau landete. Die ergriff ihre Chance, gab so richtig Gas und ritt mit dem Schlachter auf dem Buckel einmal durch das ganze Dorf. Dies war die Geburtsstunde der Sontheimer Saureiter.Von unserer RedakteurinUlrike Kübelwirth
Spitznamen von Klingenberg, Horkheim und Sontheim verweisen auf rebellische Bürger
Fahrplantipps
In Klingenberg verkehrt die Stadtbuslinie 1 in enger Taktfolge und bietet eine Anbindung an die Innenstadt. An den Haltestellen gibt es Umsteigemöglichkeiten auf die Stadtbahn oder Regionalzüge. Auch die Nachtbuslinie N1 fährt noch spät in der Nacht nach Klingenberg. Außerdem gibt es zwei Regionalbuslinien, die im Halbstundentakt Klingenberg ansteuern und in die Innenstadt fahren. In der Gegenrichtung bestehen Verbindungen ins Zabergäu.
In Sontheim fahren viele Stadtbuslinien zum Klinikum, in die nördlichen Stadtteile und zu wichtigen Zielen, wie Harmonie, Rathaus und Hauptbahnhof. Stadtbusse verbinden auch die beiden Hochschulstandorte in Heilbronn miteinander. An den Haltestellen Hauptbahnhof und Harmonie gibt es Umsteigemöglichkeiten auf die Stadtbahnen und Regionalzüge. Zudem verkehren zwei Regionalbuslinien, mit denen man von Montag bis Samstag die Innenstadt erreicht. In der Gegenrichtung fahren die Regionalbuslinien ins Zabergäu bis nach Brackenheim.
Stadtbusse fahren abwechselnd von Horkheim und Sontheim über die Innenstadt in die nördlichen Stadtteile und die Böllinger Höfe. Horkheim und Sontheim werden zudem vom Frühwagen an die Innenstadt angeschlossen. Auch die Nachtbuslinie N2 verbindet in den Nächten von Freitag auf Samstag und Samstag auf Sonntag die Innenstadt mit Horkheim und Sontheim. red
Reichsadler mit Brustschild in Rot-Silber-Blau

Das Heilbronner Stadtwappen zeigt einen schwarzen Reichsadler mit roter Zunge und einem Rot-Silber-Blau geteilten Brustschild. Die Herkunft dieser Farben bis bis heute nicht abschließend geklärt. Erstmals nachgewiesen wird die aktuelle Reihenfolge – Rot-Weiß-Blau wie auf der Stadtflagge – im Jahr 1560. In manchen Siegeln des 17. und 18. Jahrhunderts enthielt der Brustschild keine Farben, sondern nur die auf den Stadtnamen hinweisenden Großbuchstaben HB.
Der Reichsadler als Symbol der Reichsunabhängigkeit ist seit 1265 auf den Siegeln der Stadt belegt. Er erschien immer auf goldenem Schildgrund. Erstmals nachweisbar ist das Tier in einem Wappenfenster der Heilbronner Kilianskirche aus dem Jahr 1487.
Das heutige Design der Wappengrafik stammt aus der Feder des Heraldikers Alfred Dochtermann und ist auf das Jahr 1948 datiert; die endgültige Gestaltung von dem Heilbronner Grafiker Adolf Willi Sauter, der 1949 das Wappen nach Dochtermanns Entwurf gestaltete. Am 14. Juli 1949 beschloss der Heilbronner Gemeinderat die Annahme dieses Designs. kü