Wechselvoll zeigt sich die Geschichte Gemmingens. Ursprünglich eine römische Siedlung, wurde der Ort erstmals 769 im Lorscher Codex erwähnt. Die Herren von Gemmingen tauchen ab 1235 in den Geschichtsbüchern auf. Sie brachten nicht nur zahlreiche hohe Würdenträger hervor, sondern verhalfen dem Ort auch zu einem gewissen Wohlstand. Doch wie so vielen Flecken in der Region, setzte vor allen der 30-jährige Krieg, der von 1618 bis 1648 tobte, Gemmingen und seinem heutigen Ortsteil Stebbach schwer zu.Plünderungen, Brandschatzungen, Vergewaltigungen und Morde waren an der Tagesordnung und führten schließlich dazu, dass die Ortschaft beinahe entvölkert war: Nur wenige hatten den Krieg überlebt. Deshalb übernahmen ins Land gerufene Einwanderer aus der Schweiz, dem Piemont und aus Wallonien die herrenlos gewordenen Bauernhöfe und Gutshöfe der Adligen. Ihnen fiel die schwere Wiederaufbauarbeit zu, die der zwischen 1688 und 1697 tobende Pfälzische Erbfolgekrieg gleich wieder zunichte machte. Ein buntes Völkergemisch war es, das in der Kraichgaugemeinde zusammenwuchs, zusammenarbeitete, sich Sorgen, Nöte und Ängste teilte. Dazu gehörte in früheren Zeiten auch die Angst vor wilden Tieren, die den Gemmingern ihren Spitznamen einbrachte.
Optische Täuschung mit großem Erzählpotenzial – Den Nachbarn zu vornehm

Gemminger Bärenfänger Wie viele alte Überlieferungen, beginnt auch die Gemminger Geschichte mit einer wilden Zecherei im Wirtshaus, wo Bauern und Knechte nach getaner Arbeit heftig Bier, Wein und Schnaps zusprachen. Ob es nun neue Wirtshausgäste waren, die den Zechern erzählten, dass sich im Ort wilde Bären herumtrieben, oder ob sie es selbst waren, die auf dem Heimweg einen Bären in einem Baum sitzen sahen – fest steht in jedem Fall, dass die gut Angeheiterten sich darin einig waren, die gefährliche Bestie in jedem Fall unschädlich machen zu wollen. Also bewaffneten sich die wackeren Gemminger und begaben sich auf die Suche. Nach langem Herumirren sahen sie das Untier auf einem Baum und hieben mit ihren Stöcken lange auf den Bären ein, bis sie – mittlerweile wohl wieder etwas nüchterner – feststellten, quasi einem Bären auf den Leim gegangen zu sein. Ein optische Täuschung mit großem Erzählpotenzial, das über Generationen hinweg bei den Nachbarn für Erheiterung sorgte.
Stebbacher Kübelscheißer Aborte – so bezeichnete man noch vor rund 50 Jahren die Toiletten in ländlichen Gemeinden – gab es in früheren Zeiten nur als Erker in Burgen und vornehmen Stadthäusern. Bauern verrichteten ihre Notdurft am Misthaufen oder im Viehstall. Als vornehmer galt es, sein Geschäft in ein Plumpsklo über einer eigens zu diesem Zweck ausgehobenen Grube oder in einen Kübel zu verrichten. Entgegen bäuerlicher Gepflogenheiten sollen die Stebbacher genau das getan haben – und sich so den Spott ihrer Nachbarn zugezogen haben.
Eine weitere Erklärung für den Uznamen könnte aber auch die Stadt Mosbach liefern, deren Bewohner Kiwwelschisser sind. Wie so viele auf dem Land, nutzten die Mosbacher im 19. Jahrhundert ihre Exkremente zum Düngen ihrer Felder und Weinberg. Weil die Menschen ja nun nicht jeden gefüllten Nachttopf einzeln auf ihre Stückle und Äcker bringen konnten und wollten, waren vor der Stadt riesige Holzkübel aufgestellt, in denen die menschlichen Hinterlassenschaften erst gesammelt wurden, bevor man mit ihnen düngte. Eine Methode, die damals im ganzen Land gebräuchlich war und erklären könnte, wie auch die Stebbacher zu ihrem Spitznamen gekommen sind. Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth
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Rebstock und Pflugschar als Wappenzier

Das Wappen von Gemmingen zeigt ein in der Mitte gespaltenes Schild. Links ist auf einen grünen Dreiberg ein schwarzer Pfahl mit grünem Rebstock und drei blauen Trauben auf silbernem (weißem) Grund dargestellt.
In der rechten Hälfte is eine goldene (gelbe) Pflugschar auf rotem Grund zu sehen.
Die Wappenfiguren – Pflugschar und Weinstock – weisen auf den in Gemmingen lange Zeit vorherrschenden Acker- und Weinbau hin. Beides ist seit dem 19. Jahrhundert in Gerichts- und Gemeindesiegeln belegt. Gemmingen war bis zum Jahr 1806 ein ritterschaftlicher Besitz der gräflichen Familie von Neipperg und der Familie von Gemmingen-Gemmingen.
Die Farben des Wappens wurden im Jahr 1901 vom Generallandesarchiv Karlsruhe festgelegt. 1910 hat ihnen der Gemeinde schließlich „ein für alle Mal“ zugestimmt.
Die farblich zweigeteilte Flagge, die in ihrer Mitte das Gemminger Wappen trägt, wurde der Gemeinde am 2. Mai 1969 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen. Die Ortsfarben sind gelb und rot. red