Wenn’s „schneicht“, dann „finkelts“

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Wenn es in feinen Flocken schneit, dann „finkelt“ es für die Ellhofener. Ihre Nachbarn nahmen diesen ortstypischen Ausdruck zum Anlass, die Bewohner der Weinsberger-Tal-Gemeinde zu Finken zu machen. Foto: dpa

Von unserer Redakteurin Ulrike KübelwirthDer Spitzname, der den Bewohnern der Gemeinde im Weinsberger Tal zugedacht wurde, ist heute wieder in aller Munde. Schließlich hat sich vor noch nicht allzu langer Zeit ein Verein nach ihm benannt: die Theaterfinken.Obwohl es durchaus naheliegend wäre, dass die Ellhofener Finken ihren Uznamen dem gleichnamigen Vogel zu verdanken haben, stand das gefiederte Tierchen keineswegs Pate als es um die Titulierung ging. Zumindest dann, wenn man einer alten Überlieferung Glauben schenkt, die von Generation zu Generation weitergegeben worden ist.Ellhofener Finken Demnach haben die Ellhofener Finken vielmehr mit einem Naturereignis zu tun – und mit ihrem Dialekt. Denn immer dann, wenn sich der Winter mit dem für ihn so typischen Wetter ankündigte, und es in dem Flecken in kleinen Flocken zu schneien begann, dann haben die Altvorderen der Geschichte zufolge gesagt: „Guck, drauße finkelts.“ All ihre Nachbarn hingegen haben in diesem Fall davon gesprochen, dass es drauße „schneicht“ – und die Ellhofener deshalb zu Finken gemacht.Ein„freyer Ort“ Doch nicht nur ihr Dialekt war es, der die Einwohner der Weinsberger-Tal-Gemeinde von denen ihrer Nachbargemeinden unterschied. Denn im Gegensatz zu deren Bewohnern galten die Ellhofener für lange Zeit als äußerst privilegiert.Geschichtlich überliefert ist, dass Ellhofen schon im 18. Jahrhundert als „freyer Ort“ galt. So waren die Bewohner des Ortes beispielsweise von der Zahlung „ordentlicher Steuern“ entbunden. Damit lebten sie laut Chronik „freyer als anderswo“. Das setzt sich auch in vielen anderen Bereichen fort.So durfte jeder Bürger seinen eigenen Wein öffentlich ausschenken, ohne Umgeld – die heutige Getränkesteuer – zu bezahlen. Jeder Ellhofener hatte das Recht, ein Handwerk seiner Wahl zu betreiben, ohne dafür einer Zunft beitreten zu müssen. Und jeder durfte Gäste beherbergen – was dazu führte, dass es noch im Jahr 1784 in dem Flecken „keine einzige Schildwirtschaft“ gab.Aus dem Gemeindewald erhielt jeder „ein Karch voll Holz“, und in den zwei vorhandenen örtlichen Fischwassern durften die Bewohner des Ortes jederzeit frei fischen. Auch von den sonst üblichen Jagd- und Frondiensten waren sie befreit.Grundrente Als Gegenleistung dafür verlangte das Chorherrenstift Öhringen allerdings die damals übliche „Grundrente“, welche die Versorgung der Geistlichen Chorherren sicherte. Wer das Land des Stifts bewirtschaftete, der zahlte Pacht. Die Abgaben, die Teil des Feudalsystems waren, mussten teils in Naturalien, teils aber auch monetär entrichtet werden. Über diese in ihren Augen äußerst ungerechte Belastung klagten die Einwohner Ellhofens sehr.  

Spitzname hat nichts mit gefiederten Freunden, sondern mit ortseigenem Dialekt zu tun

Fahrplantipps

   
In Ellhofen befindet sich ein Halt der Stadtbahnlinie S4 in Richtung Öhringen, Heilbronn, Eppingen und Karlsruhe. Zudem gibt es einen Halt im Gewerbegebiet Weinsberg-Ellhofen. Verbindung zu den Gemeinden im Weinsberger Tal und ins Gewerbegebiet stellt eine extra Regionalbuslinie her. Mit der Stadtbahn ist man schnell in Weinsberg, wo es weitere Regionalbuslinien und Anschluss auf den Regionalzug in Richtung Schwäbisch Hall und Crailsheim gibt. Auch Heilbronn erreicht man schnell. Von dort aus bestehen Verbindungen nach Stuttgart oder Mannheim. red

Petrus-Schlüssel auf blauem Grund

Wenn’s „schneicht“, dann „finkelts“-2

Das Wappen der Gemeinde im Weinsberger Tal zeigt zwei silberne, schräg gekreuzte Schlüssel mit auswärts gedrehten Bärten auf blauem Grund. Der Schlüssel – Attribut des heiligen Petrus – taucht im Gemeindesiegel erstmals im Jahre 1844 auf.

Die im Ellhofener Wappen dargestellten Schlüssel können deshalb sowohl auf Petrus als Mitpatron der evangelischen Ortskirche zum Heiligen Kreuz, Sankt Peter und Genovefa – das Bauwerk wird erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt – als auch auf das Stift Öhringen hinweisen, das in dem Flecken seit dem elften Jahrhundert Rechte besaß und ebenfalls dem heiligen Petrus geweiht war.

Als offizielle Wappensymbole der Gemeinde sind die Schlüssel jedenfalls noch relativ jung. Erst im Jahr 1938 werden sie dazu bestimmt. Und auch die Wappenfarben – Blau und Weiß – wurden dem Ort erst 1938 von der württembergischen Archivdirektion vorgeschlagen. Als Farben Ellhofens zieren sie heute auch die Ortsflagge.

Wappen und Flaggenfarben erhielt die Gemeinde 1963 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.