Stolz und prosperierend: So präsentierte sich Wimpfen im Mittelalter. Verkehrsgünstig an der Neckarhandelsstraße gelegen, mit eigener Gerichtsbarkeit, entwickelte sich der Flecken so prächtig, dass man ihm schon 965 das Marktrecht erteilte. Schon damals gliederte sich die Stadt in zwei Teile: Wimpfen am Berg und die Siedlung im Tal. Heute ist Hohenstadt dritter Ortsteil.Wimpfens Aufstieg begann mit der Errichtung der Stauferpfalz, einer großen Burganlage, in der Kaiser Friedrich Barbarossa vermutlich im Jahr 1182 Hof hielt und Recht sprach. Mit ihrer Länge von rund 215 Metern und 88 Metern an ihrer breitesten Stelle, ist sie heute die größte erhaltene Kaiserpfalz nördlich der Alpen.Ratsverfassung - Nach dem Niedergang der Staufer wurde Wimpfen um das Jahr 1300 herum zur Reichsstadt. In der Folge ließen sich zahlreiche Händler nieder. Davon profitierten die Bürger ebenso, wie von den fruchtbaren Feldern rund um die Stadt.Fortschrittlich war Wimpfen damals. So setzten die Einwohner damals sogar eine Ratsverfassung durch, die lange Zeit als beispielhaft galt und ihnen schon Mitte des 14. Jahrhunderts einen Schultheißen bescherte, dessen Amt auf die Stadt überging – und nicht unter der Kuratel eines Grundherrn stand.Und auch zwei Jahrhunderte später bewiesen die Wimpfener ihre freie Haltung, in dem sie ihren Marktflecken zur Hochburg der Reformation machten und ihn 1577 offiziell für lutherisch erklärten. Doch während andernorts der Glaubenskrieg für Not und Elend sorgte, blieben die Wimpfener davon verschont. Schlecht erging es ihnen erst durch den 30-jährigen Krieg.Geplündertundbesetzt - Wie die umliegenden Orte auch wurde die Stadt besonders nach der größten und blutigsten Schlacht vor ihren Toren im Jahr 1622 mehrfach geplündert und besetzt. Häuser und Felder wurden abgebrannt, Hunger, Krankheiten und Seuchen rafften die Bevölkerung dahin, so dass 1648 nach Kriegsende die Bevölkerung auf ein Zehntel geschrumpft war. An den verheerenden Folgen hatte die verwüstete Stadt rund 150 Jahre lang zu leiden. In diese Zeit fiel wohl auch die Entstehung des Spitznamens.Sammetärmel - Dezimiert und verarmt war die Bevölkerung der einstigen blühenden Reichsstadt, jedoch nicht ohne Stolz. Denn als Wimpfener war man wer. Das galt insbesondere für die Ratsherrn, die nach dem Krieg keines ihrer kostbaren samtenen Gewänder mehr besaßen. So sollen sie sich eines Tages getroffen und dabei überlegt haben, mit welcher Kleidung man wohl das einstige Prestige wieder herstellen könne. Samt war knapp. Also beschlossen sie, dass es wohl auch Mäntel aus Stoff täten – sofern man diese mit Samtärmeln versehe. Denn die, so die Überlegung der Räte, seien das einzige, was die Bürger sehen, wenn man sich vom Balkon des Rathauses aus zeige.Talemer Rothüte - Was den Berglern ihre samtenen Gewänder, das waren den Talemern ihre roten Hüte. Denn der Flecken Wimpfen im Tal gehörte zwar zur Stadt, hatte aber seine eigene Verwaltung – und seinen eigenen Rat. Sichtbares Zeichen der Lokalhonoratioren waren deren rote Barette, die sie zu offiziellen Anlässen trugen. Diese Tradition hat sich übrigens bis ins 19. Jahrhundert hinein gehalten. Alte Wimpfener können sich auch noch an einen der ersten Faschingsumzüge nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern, an dem die Talbewohner stolz mitmarschiert sind – mit roten Papierhüten. Bis ein heftiger Regenguss die Pracht zunichte machte. Die Hüte weichten auf und die Talemer waren dem Spott der Bergler ausgesetzt.Hohenstädter Dobel - Spott und Hohn hatten die Wimpfener auch lange Zeit für die Hohenstädter Dobel übrig. Auf die linkischen, ungeschickten Bewohner des Nachbardorfes blickten die Städter herab. Bis die Nachbarorte die Bezeichnung Dobel zur Zeit, als die Stadt hessisch war, auf ganz Wimpfen ausdehnten. Denn Hessen, soviel war klar, sind blind und unwissend. Das wiederum trugen die Wimpfener mit großem Humor. Noch heute kennen sie das von Zahnarzt Alfred Englert kreierte Lied: „Wir sind die Wimpfener Dobel. Lustig und immer fidel. Erst trinken wir das Tal leer, dann fall’n wir übern Berg her. Hat kein Tropfen mehr die Stadt, gibt’s noch Wein in Hohenstadt.“ Von unserer Redakteurin Ulrike Kübelwirth
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Bewehrter Reichsadler mit Petrusschlüssel

Das Wimpfener Wappen zeigt einen rot bewehrten schwarzen Reichsadler auf goldenem (gelbem) Grund mit einem waagerechten silbernen (weißen) Schlüssel im Schnabel. Beide Symbole sind bereits um 1250 auf den ersten staufischen Siegeln zu sehen. Der Adler steht bis zum 14. Jahrhundert für die Abhängigkeit Wimpfens vom Kaiser und dem Heiligen Römischen Reich. Danach ist er Symbol für die Reichsstadt. Der Petrusschlüssel steht für die ehemalige Herrschaft des Bischofs von Worms und soll daran erinnern, dass die Staufer Wimpfen auf dessen Grund erbaut hatten. Bemerkenswert ist, dass das Wappen durch die Jahrhunderte nur minimale Änderungen erfuhr. Etliche Darstellungen in Büchern, an Gebäuden und auf Gegenständen weisen nur in der Position des Schlüssels leichte Abweichungen auf. Auch die Farben Schwarz-Gold sind geblieben.
Im 19. Jahrhundert, nachdem Wimpfen hessisch geworden war, führte die Stadt ein anderes Wappen: In der vorderen Schildhälfte war ein halber Adler am Spalt dargestellt, in der hinteren der gekrönte hessische Löwe mit dem Wormser Schlüssel in den Pranken. red