Schulen bereiten sich auf den Start vor

Region  Der erste Schultag nach den großen Ferien ist immer spannend. Im Corona-Jahr haben sich die Verantwortlichen in den Schulen viele Gedanken machen müssen, um einen möglichst reibungslosen Start zu gewährleisten.

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Die Schulen brauchen viel Absperrbänder, um die Laufwege zu markieren. Foto: Mario Berger

Die Schule geht los. Nicht nur die Erstklässler fiebern diesem Tag entgegen. Der Schulstart ist jeden Herbst ein ganz besonderer Termin, aufregend für alle, die daran beteiligt sind. Die Schüler fragen sich, welche Lehrer sie bekommen, wie der Stundenplan wird, neben wem sie sitzen. Und kommt vielleicht ein netter Neuer in die Klasse?

Für die Schulleiter ist spannend, ob die Lehrerversorgung ausreichend ist, um all das Gewünschte und Gewohnte anbieten zu können. Und auch für viele Lehrer bringt der neue Tag einen Stellen- oder Aufgabenwechsel, auf jeden Fall aber einen neuen Stundenplan mit sich.

Keine Ferienruhe im Gebäude

Rainer Süßmann, stellvertretender Schulleiter der Georg-Wagner-Schule in Künzelsau,  ist einer von vielen Mitgliedern der Schulleitung, die schon in den Ferien viele Tage im Schulgebäude verbringen, um alles klar zu machen für die Rückkehr ihrer Schützlinge. Mit der Besonderheit, dass in diesem Jahr nicht sommerliche Stille im Gebäude herrscht, sondern durch die Lernbrücke schon Schüler anwesend sind. Immerhin 40 haben das Angebot in Künzelsau angenommen. Und auch viele Lehrer sind schon zurück. Denn es sind ausschließlich eigene Lehrer, die das Angebot in Künzelsau machen.

Puzzlearbeit 

Stundentafeln sind auch in Nicht-Corona-Jahren eine nervenaufreibende Sache für die Schulleiter. In diesem Jahr ist es x-fach schwieriger, weil noch viel mehr Dinge als ausreichend Lehrerstunden und Krankheitsvertretungen berücksichtigt werden müssen. Unter der Prämisse, dass sich die Jahrgänge wenig durchmischen und begegnen sollen, wird das Konstrukt noch komplizierter. Und störungsanfälliger.

Räumliche Trennung

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Rainer Süßmann. Foto: privat

Nicht machbar war für Künzelsau der um eine halbe Stunde zeitlich versetzte Schulbeginn für einen Teil der Schüler. „Das hätte die Schülerbeförderung zu kompliziert gemacht auch mit Blick auf den Nachmittagsunterricht“, erklärt Süßmann. Dafür hat die – große – Schule einen ganz anderen Vorteil: Durch die zwei räumlich voneinander getrennten Gebäude am Berg und am Kocher können die Schülerverkehre auch bei gleichzeitigem Beginn kontrolliert und entzerrt werden. Auch wurden mehr Eingänge aktiviert.

Drei grundlegende Bereiche, nämlich für die Grundschüler, die Fünft- und Sechstklässler und die Stufen sieben bis zehn wurden definiert. Rund 400 Schülern in etwa 20 Klassen mit der Hälfte der insgesamt knapp über 70 Lehrer sind im Gebäude am Berg.

Laufwege markieren, über Bäcker nachdenken

Viel rot-weißes Kettenband („Das haben wir uns geleistet“) kommt in den Tagen vor dem Schulbeginn zum Einsatz, um die Laufwege zu markieren. Wo läuft wer? Wer nutzt was? Abstände wurden vermessen, Räume definiert. Einen Tag, sagt Rainer Süßmann, treffe er sich mit Schulleiter Florian Frank und einem weiteren Kollegen, um vor Ort alles zu begutachten und zu beurteilen, was zuvor auf dem Papier definiert wurde. „Zu dritt sieht man hoffentlich mehr, was funktioniert und was nicht“, sagt Süßmann. Seine Schule hat das große Glück, dass nur ein oder zwei Kollegen nicht für Präsenzunterricht zur Verfügung stehen. „Viele kommen freiwillig.“ Süßmann weiß aber auch, dass bei einigen Kollegen die Angst vorhanden ist, sich zu infizieren.

Falls sich Schüler oder Lehrer infizieren

Was passiert, wenn sich ein Schüler oder Lehrer infiziert, das hat die Schule vor den Sommerferien schon durchexerzieren müssen. „Das ist jetzt schon unser Vorteil, dass wir wissen, was dann kommt“, bleibt Süßmann relativ gelassen. Er weiß, dass es Sache der Fallermittler ist zu entscheiden, welche Gruppen wie lange in Quarantäne müssen. Und er weiß, dass es funktioniert, Präsenzunterricht für die einen und digitales Angebot für die anderen zu machen. „Wir kennen aber auch die Grenzen und wissen, dass es vielleicht nicht unbedingt zum Termin im Stundenplan sein kann, sondern dass vielleicht am Nachmittag eine Stunde nachgeholt werden muss, wenn der Lehrer in der ersten Stunde in einem Klassenzimmer ohne Kamera ist und in der zweiten digitales Angebot machen soll.“

Viele zusätzliche Endgeräte angeschafft

Unterricht streamen, Videokonferenzen für Klassen eins bis zehn – an der Schule wurde schon viel gemacht und probiert. „Wir haben einen sehr digital affinen Schulleiter und ein Kollegium, das mitzieht“, freut sich Süßmann. Und einen Schulträger, der eine sehr große Anzahl Endgeräte für die Schule bestellt hat. „Die müssen aber auch noch eingerichtet werden“, erklärt Süßmann, dass nicht sofort alle zusätzlichen Geräte für Lehrer und Schüler bereitstehen.

Was hat Corona in der Schulfamilie verändert? Geduld und Gelassenheit habe das Virus gelehrt, meint Süßmann. Jeder habe erfahren, dass man völlig neue Dinge ausprobieren müsse. Und nicht immer klappt das auf Anhieb. Ihm ist wichtig, im Gespräch mit den Schülern und den Eltern zu sein, um zu merken, was die Familien bewegt. Seine große Sorge: Dass das Virus gleich zu Beginn ein Ankommen und Kennenlernen für die Neuen an der Schule, also die Erst- und Fünftklässler, unmöglich macht. Und sein Wunsch: Dass möglichst bald wichtige Dinge wie eine gemeinsame Weihnachtsfeier oder Klassenfahrten möglich sind. Denn auch das, weiß der erfahrene Pädagoge, sind wichtige Dinge für ein gutes Zusammenleben und die soziale Entwicklung der Schüler. 


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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