Außergewöhnliche Festival-Momente aus der Region

Region  Wegen der Corona-Pandemie wurden alle großen Open-Air-Festivals abgesagt. Wir rücken das Thema eine Woche in den Fokus, sprechen mit Experten, Fans und Musikern. Zum Auftakt blicken wir auf fünf außergewöhnliche Konzertmomente in der Region zurück.

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Einfach alles hinter sich lassen, sich seine besten Freunde schnappen, verrückte Geschichten und Live-Musik erleben: Für viele Menschen sind Musikfestivals das, was für andere der lang ersehnte Sommerurlaub ist. Spätestens dann, wenn die Temperaturen steigen, starten viele Musikfans mit der Planung ihres Festival-Sommers. Die Auswahl ist so groß: Von Ende Mai bis September finden europaweit eine Vielzahl von Events verschiedener Größe und Musikrichtungen statt, jedes Jahr kommen neue dazu. Die Besucherzahlen, auch bei kleineren Festivals, sind steigend.

Doch in diesem Jahr ist alles anders: keine Live-Musik, kein Camping-Feeling, kein Festival-Bändchen. Der Sommer 2020 stellt Festival-Fans und die Musikszene auf eine harte Probe. Wegen der Corona-Pandemie wurden alle großen Veranstaltungen abgesagt - auch in der Region. Das Blacksheep-Festival, Haigern Live, das Würth-Open-Air und das Sunstorm-Festival finden nicht statt. Hart trifft das Verbot die Veranstalter, vor allem von weniger kommerziellen Formaten. Und besonders für kleinere Künstler bricht mit dem Konzert-Sommer eine wichtige Einnahmequelle weg. Für viele wird es schwierig, das Jahr finanziell zu überstehen. Der Druck auf die Branche ist groß - wirtschaftlich und emotional.

Worum es diese Woche geht

Wie geht es weiter? Werden Social-Distancing-Konzerte und -Festivals mit geringer Besucherzahl und Abstandsregeln erst einmal Normalität? Wie schwer ist es, ein Festival auf die Beine zu stellen? Und was macht eigentlich die Faszination eines Festivals aus? Eine Woche lang beschäftigen wir uns auf stimme.de mit diesen und weiteren Fragen. Wir blicken zurück auf die Festival-Historie in der Region, sprechen mit Branchenexperten, Musikern, Festivalveranstaltern sowie -liebhabern. Und Sie können Ihr Festival-Wissen bei unserem Quiz unter Beweis stellen. Zum Auftakt zeigen wir die fünf emotionalsten, kuriosesten und beeindruckensten Konzertmomente aus der Region.


1. Gonzo’s Friends beim Haigern Live 2019

Gonzo's Friends bei ihrem Konzert beim Haigern Live! 2019

Es ist ein besonderer und emotionaler Auftritt für Gonzo’s Friends beim Haigern Live 2019. Die in der Region bekannte Cover-Band spielt in Talheim ein zweieinhalbstündiges Konzert vor 8000 Zuschauern - knapp ein Jahr nachdem der Gründer und Namensgeber, der Hohenloher Musiker Josip "Gonzo" Krolo, im Mai 2018 verstorben war. Auf dem Haigern war Gonzo mit seiner Band eine feste Größe, sein Tod bewegte die Menschen in der Region. Die vierköpfige Begleitband entschied sich weiterzumachen. Das außergewöhnliche Konzert auf dem Haigern hat die Band Ende 2019 auch als CD veröffentlicht. "Gonzo ist eigentlich immer geistig anwesend, wenn wir zusammen spielen. Also auch bei dieser Live-Aufnahme und auch wenn er nicht selbst singt", sagt Stefan Breuer, Schlagzeuger von Gonzo’s Friends.


2. Passenger beim Blacksheep-Festival 2018 

Passenger beim Blacksheep-Festival
2018 trat der Brite Passenger beim Blacksheep-Festival in Bonfeld auf.

Ein Mann und seine Akustikgitarre. Nicht mehr und nicht weniger. Ohne Schnickschnack, ohne aufwendige Bühnen- und Lichtshow gelingt es dem Musiker Passenger beim Blacksheep-Festival 2018 die Besucher in seinen Bann zu ziehen. Intensive Gefühle und politische Statements verpackt der Brite als Headliner auf der Schlossparkbühne in kleine, feine Popsongs. Auch seinen Nummer-eins-Hit „Let Her Go“ hat er im Gepäck. „Wir könnten nass werden“, orakelt der Musiker mit einem Augenzwinkern. Aus der Ferne ist Donnergrummeln zu hören, Blitze zucken durch den Himmel. Doch das Wetter spielt beim ausverkauften Festival-Samstag mit. Der Regen beginnt erst kurz nach dem Auftritt.


3. Knorkator beim Gaffenberg-Festival 2000

Knorkator beim Gaffenberg-Festival
Auf dem Gaffenberg-Festival in Heilbronn stand die Berliner Band Knorkator 2000 auf der Bühne.

Einen skurrilen Auftritt liefert die Rockband Knorkator beim Gaffenberg-Festival 2000 ab. Die Berliner sind bekannt für ihre provozierenden Shows, die immer zwischen pathetischem Größenwahn und infantilem Blödsinn pendeln. In Heilbronn wird Gemüse per Häckselmaschine zerkleinert und ins Publikum geschossen. Und der stark tätowierte Frontmann Alf Ghanistan - lediglich spärlich bekleidet mit einer Unterhose - wischt seinen Allerwertesten mit einem Handtuch ab, um selbiges einigen Gästen anschließend ins verdutzte Gesicht zu schlagen. Knorkator sind keine Unbekannten in der Region, unter anderem stehen sie 2015 beim Sunstorm-Festival in Nordheim als Headliner auf der Bühne, 2008 spielen sie ein Konzert im Stereo Total in Heilbronn.


4. Helge Schneider beim Gaffenberg-Festival 2013

Helge Schneider beim Gaffenberg-Festival
Helge Schneider beim Gaffenberg-Festival 2013 in Heilbronn.

Gern gesehener Gast auf dem Gaffenberg-Festival ist Helge Schneider. Zuletzt tritt der Komiker und Multiinstrumentalist aus Mühlheim an der Ruhr 2013 in Heilbronn auf. Seine Mischung aus charmant-anarchischer Anmaßung, astreinem Jazz und handfestem Schabernack sorgt für viele Lacher beim Publikum. Immer führt er mit witzigen Moderationen durch den Abend: "Schön hier in Gaffenberch. Bei Heilbronn. Die schönste Stadt der Welt, wenn man mit wenig zufrieden ist. Oder gar nichts", kalauert Schneider bei seinem Auftritt 2013. "Kleiner Scherz", korrigiert er anschließend mit Ruhrpott-Humor. Mit dabei hat Schneider wie immer vorzügliche Musiker, 2013 sind das Schlagzeuger Willi Ketzer, Tenorsaxofonist Scott Hamilton und Jazzbassist Ira Coleman.


5. Cro beim Würth-Open-Air 2017

Cro beim Würth-Open-Air
Cro bei seinem Konzert auf dem Würth-Open-Air 2017.

Eine temporeiche Gute-Laune-Show liefert der Stuttgarter Rapper Cro beim Würth-Open-Air 2017. 90 Minuten lang witzelt und flirtet sich der Mann mit der Pandamaske durch’s Programm, greift zunächst sogar selbst zur Gitarre und lässt danach noch Funkenregen sprühen. Im Gepäck hat er einige neue Songs, aber auch jede Menge bekannte Hits, die er teilweise deutlich souliger präsentiert. Und weil Cro eben der kleinste, gemeinsame musikalische Nenner ist, auf den sich Familien einigen können, sieht man an diesem Tag unter den 8000 Fans auch viele Mütter und Töchter, Väter und Söhne, die Arm in Arm mitsingen. Das Handy-Lichtermeer darf am Ende natürlich nicht fehlen.



Ranjo Döring

Ranjo Doering

Autor

Ranjo Doering arbeitet seit 2015 bei der Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als Redakteur bei der Hohenloher Zeitung ist er seit 2018 im Kulturressort tätig. Seine Schwerpunkte sind Musik, Film, Theater und Kabarett.

Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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