Vor allem die Kinder vermissen ihren Sport

Hohenlohe  Im Teil-Lockdown sind die Möglichkeiten für die Vereine begrenzt, ein Übungsprogramm anzubieten. Es bleiben nur Individualtraining oder Online-Angebote.

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Da war die Laune trotz Corona noch gut: Die Turner der KTV Hohenlohe starteten mit einem Sieg in die kurze Saison der 3. Bundesliga. Jetzt ist wieder Pause. Foto: privat

Eigentlich wäre am vergangenen Sonntag, dem sogenannten Totensonntag, beim TSV Künzelsau eine große Feier über die Bühne gegangen. "Die Kinder sind immer heiß darauf", sagt der TSV-Vorsitzende Erwin Bergmann über die Kinder- und Jugendjahresfeier, die in der Eberhard-Gienger-Halle geplant war. "Da zeigen sich sämtliche Abteilungen ihren Eltern und Großeltern." Doch das fiel im zweiten Corona-Lockdown leider flach.

Die Stimmung ist nicht gut

"Gerade für Kinder sollten die Bestimmungen mehr gelockert werden", findet Bergmann, hat aber gleichzeitig wenig Hoffnung, dass sich daran zeitnah etwas ändert. "Die Stimmung ist nicht gut", berichtet er aus dem Innenleben des Vereins, "viele sagen, das ist kein Zustand." Gerade wenn man körperlich nichts tue, sei das doch schlecht fürs Immunsystem, argumentiert der TSV-Vorsitzende.

Während der Großteil des Angebots im Mehrspartenverein ruht, darf in der Tennishalle einer der Plätze belegt werden, allerdings nur von zwei Spielern. Die Turner haben zwei- bis dreimal die Woche ein einstündiges Skype-Training, "damit sie bei Kräften bleiben". Und die Leichtathleten trainieren im Wald, immer halbstundenweise können die Trainer hier jeweils einen Sportler unter ihre Fittiche nehmen. Auch Reha-Sport dürfte theoretisch stattfinden, doch hier üben die Teilnehmer, die sich zur Risikogruppe zählen, erst einmal Verzicht.

Was allen bleibt: "Jeder macht etwas für sich, wenn er denn von der Couch hochkommt", sagt Bergmann. Das falle ohne festen Termin vielen schwerer. Er zitiert Turn-Legende Eberhard Gienger: "Die schwerste Übung ist, die Sportschuhe anzuziehen." Dafür fehle dann leider momentan oft die Motivation.

Kunstturner brechen Saison ab

Erwin Bergmann ist auch Vizepräsident der Kunstturnvereinigung (KTV) Hohenlohe. "Die Saison ist beendet und annulliert", sagt er über das Turnteam der Herren, das in der 3. Bundesliga antritt. In der eigentlich geplanten Kurzsaison absolvierte man zwei Wettkämpfe, der dritte wurde dann schon wieder abgesagt. Die Damen durften im Herbst zu keinem einzigen Wettkampf antreten. "Das ist schon schwer", sagt Bergmann.

Natürlich falle es den Sportlern auch auf diesem Niveau nicht leicht, sich zu motivieren, wenn man nicht einmal trainieren könne, höchstens vielleicht "zu Hause ein paar Liegestützen" machen. "Da kann man nur die Kraft erhalten, nicht die Bewegungsläufe, die muss man oft üben." Umso schwerer werde dann nach der langen Pause der Start fallen. Ein schwacher Trost: "Es betrifft alle", auch die Kontrahenten.

Gemeinschaft bleibt auf der Strecke

"Der Verein ist mehr als nur der Sport", stellt für den TSV Niedernhall Ralf Herrmann aus dem Vorstandstrio fest. Es gehe um Gemeinschaft, den Austausch untereinander, man wolle sich treffen. "Da bleibt aktuell viel auf der Strecke." Auch der TSV hat zum zweiten Mal in diesem Jahr seinen Sportbetrieb weitgehend eingestellt. Im Sommer, als man zwischenzeitlich wieder loslegen durfte, "waren wir sehr euphorisch". Der Verein hatte auch ein funktionierendes Hygienekonzept entworfen. Und jetzt? "Wir müssen es akzeptieren", sagt Herrmann.

Als Alternative gibt es in einigen Abteilungen zumindest Online-Sport: In der Kleinkindgruppe wird ein "WhatsApp-Broadcast" mit wochenweisen Sportaufgaben angeboten. "Sie vermissen den Sport sehr", berichtet Herrmann über die Kleinsten im Verein. Im Leistungs- und Förderturnen laden die Trainerinnen zweimal in der Woche über die Videotelefonie-Software Zoom zu Übungen ein.

Die Fußballbambini in der SGM Mittleres Kochertal werden mit kurzen Trainingsvideos bei Laune gehalten. Und die Taucher "können wenigstens in kleinen Teams" in den hiesigen Baggerseen oder in der Jagst noch ihren Sport ausüben. "Alle hoffen, dass wir uns bald wieder real treffen können", sagt Herrmann. Trotz der Einschränkungen habe man vorher wenigstens gemeinsam trainieren können. "Wenn auch das Après-Training ausfallen musste."


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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