Das kulturelle Leben an Schulen geht weiter

Region  Engagierte Lehrer zeigen: Es kann auch unter Pandemiebedingungen Aktionen geben, die über Mathe- und Sprachenunterricht hinausgehen. Auch Jugendhäuser sind offen, und der Unterricht an Musikschulen läuft.

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Am Justinus-Kerner-Gymnasium laufen auch in Corona-Zeiten besondere Musik-Projekte. Foto: privat

Schulbetrieb unter Pandemiebedingung heißt: Maske auf an weiterführenden Schulen, jahrgangsübergreifende Aktionen sind tabu. Damit stehen die Schulchöre und -ensembles erst einmal vor dem Aus. Aber Lehrer wollen ihren Kindern trotzdem mehr bieten als Unterricht in Fächern wie Mathe, Deutsch oder Englisch. Das kommt an. Ein gutes Beispiel dafür ist das Justinus-Kerner-Gymnasium in Weinsberg, wo zwei Lehrer Instrumentalklänge und Gesang der Schüler aufnehmen und zusammenschneiden. Die ganze Schule klingt, das ist das Motto.

Musik lenkt von den Sorgen ab

Am Justinus-Kerner-Gymnasium in Weinsberg läuft die Musik-AG in neuer Form, sehr zur Freude der Schülerinnen Josephine Pscheor, Michelle Pscheor, Rebekka Pauler und Selina Schweizer. Einig sind sich die Gymnasiastinnen, dass die Musik-AG Spaß mache - auch in einer kleinen Gruppe. Es wäre zwar toll, könnten sich wieder alle zum Musizieren treffen, erzählen die Jugendlichen, aber in kleinen Gruppen sei es immer noch besser, als ganz allein ein Instrument zu spielen. Die Arbeitsgemeinschaft biete eine Möglichkeit, trotz der Beschränkungen durch Corona mit anderen in Kontakt zu bleiben. Beim Musizieren konzentriere man sich ganz auf die Musik. Das lenke von den den Sorgen ab, die viele in diesen Zeiten haben, betont die Gruppe.

Justinus-Kerner-Gymnasium hat Großes vor

Ein besonderes Musikprojekt bietet das Justinus-Kerner-Gymnasium in Weinsberg an
Ein Hygienekonzept muss sein: Bei der Aufnahme trennen Scheiben die Musikerinnen voneinander. Ein Mundschutz für die Streicher ist ebenfalls Pflicht. Foto: privat

Das Justinus-Kerner-Gymnasium hat im Musikalischen Großes vor, dank der beiden engagierten Lehrer Frederike Gunesch und Adrian Lewczuk. Eigentlich verantworten die beiden die acht Musik-AGs, die in der üblichen Form wegen Corona aber nicht mehr stattfinden dürfen. In den Sommerferien machten sie sich Gedanken, was stattdessen möglich ist. Klar für beide war: "Wir müssen das Schuljahr mit einer klaren Ansagen beginnen", erzählt Frederike Gunesch.

Ansage in diesem Fall heißt: Sie nehmen ein Stück auf. 100 Kinder und Jugendliche machen mit. Egal ob Gesang oder Instrumentalbegleitung: Alles nehmen die beiden Lehrer auf, coronakonform kommen immer nur einzelne Gruppen zusammen. Mal sind es drei Neuner, die singen. Dann etwas mehr Zehner. Am Ende wird das Stück mit Videos untermalt und veröffentlicht, schon zu Weihnachten soll es einen Vorgeschmack geben. "Das ganze Schulhaus soll musizieren", verspricht Adrian Lewczuk. 

Die Kinder sind mit Begeisterung dabei, und darüber freuen sich die beiden Kollegen. "Wir wollen Gemeinschaft demonstrieren", sagt Frederike Gunesch. Die Kinder bräuchten ein Ziel vor Augen, das über die Klassenarbeiten und Notengebung hinausgeht.

Dass dies möglich ist, dafür dankt Direktor Jürgen Kovács auch der Stadt Weinsberg als Schulträger. Gemeinderat und Stadtverwaltung investierten in die digitale Ausstattung, sie kauften die professionellen Mikros und Kopfhörer. Mehr als Unterricht zu bieten, ist allen wichtig. "Wir versuchen, beim Schulleben den Puls hochzuhalten." Die Schach-AG findet online statt, Italienisch- und Französisch-Sprachzertifikate werden jahrgangsstufenweise aufrechterhalten. Die Robotik-AG gibt es für Fünfer im ersten Halbjahr, für die Sechser im zweiten Halbjahr. Ganz wichtig: Neuner helfen als "Digitale Helden" anderen bei Fragen rund ums Internet.

Für Bad Friedrichshaller Schulleiterin ist Schule mehr als eine Lernfabrik

Sehr stolz auf ihre Lehrer ist auch Edeltraud Smolka, die das Bad Friedrichshaller Friedrich-von-Alberti-Gymnasium leitet. Klar, die großen Gruppen wie der Lehrer-Eltern-Schüler-Chor und die vielen Ensembles liegen derzeit auf Eis. Aber: Zur Normalität an einer Schule gehört für die Schulleiterin gerade auch das Miteinander. „Schule ist mehr als eine Lernfabrik.“ Kollegen leisteten deshalb „einen großen Mehraufwand“, um den Kindern tatsächlich mehr zu bieten. Die Federführung liege bei Teresa Heinzmann, unterstützt wird sie von Cornelius Fauth und Judith Zöhrer. „Ich bin tief beeindruckt“, betont Edeltraud Smolka.

Drei Gymnasien bereiten ein Theaterstück vor

Gesangschöre gibt es derzeit nicht mehr am Alberti-Gymnasium, dafür aber Sprechchöre. Außerdem können sich die Kinder daheim beim Singen aufnehmen, Lehrer schneiden die Aufnahmen zu einem großen Stück zusammen. Ein Theaterstück ist im Werden, an dem das Elly-Heuss-Knapp- sowie das Theodor-Heuss-Gymnasium aus Heilbronn beteiligt sind. In der Vorweihnachtszeit gibt es in Bad Friedrichshall einen „musikalischen Adventskalender“, freut sich Edeltraud Smolka. Per QR-Code können sich die Gymnasiasten die Videos anschauen, die aus der Fachschaft Musik kommen. Auch über die Lernplattform Moodle laufe einiges.

An der Musikschule werden alle Instrumente unterrichten

Zeitvertreib abseits der Schule ist möglich, dazu gehört beispielsweise die Musikschule Neckarsulm. Dort findet weiterhin Einzel- und Gruppenunterricht statt – „konsequent gemäß der Corona-Verordnung des zuständigen Ministeriums unter Beachtung der in der Stadt geltenden Regeln und unter regelmäßig kontrollierter Einhaltung unseres Hygieneplans“, sagt Jochen Hennings, Musikdirektor und Schulleiter der städtischen Einrichtung. „Zusätzlich haben wir Gruppen verkleinert und die Aufenthaltsdauer, zum Beispiel bei Gruppenproben, zeitlich begrenzt.“

Alle Instrumente können gespielt werden, allerdings gelten differenzierte Regeln. „So müssen die Beteiligten am Blas- und Gesangsunterricht größere Abstände einhalten, Trennwände benutzen und im rechten Winkel zueinander stehen.“ Unterricht findet also statt, es gibt aber eine Kehrseite: „Wir bedauern, dass sich wegen der Pandemie soziale Kontakte reduzieren“, betont der Schulleiter. „So können unsere großen Ensembles und Orchester momentan nicht zusammenkommen und auch nicht auftreten.“ Er weiß: „Dies ist ein herber Verlust für die nach Gemeinschaft und sinnhaftem Tun strebenden jungen Menschen.“

Die Jugendhäuser sind geöffnet

Die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn aus Eppingen ist mit Jugendhäusern und Schulsozialarbeiten stark im Landkreis Heilbronn und in der Stadt vertreten. „Die Jugendhäuser sind während des Teillockdowns offen“, sagt Tobias Dobler (Fachbereichsleitung in der Kommunalen Kinder- und Jugendförderung). Man wolle Kindern und Jugendlichen einen Ort bieten, "an dem sie ihre Sorgen und Nöte loswerden können, Hilfe und Unterstützung finden sowie Abwechslung von ihrem durch Schule bestimmten Alltag zu bekommen". Er betont: "Wir sind sehr glücklich über die Möglichkeit, die Arbeit in dieser Art und Weise anbieten zu können, da die Erfahrungen aus dem ersten Lockdown gezeigt haben, dass all dies für die Jungen Menschen sehr wichtig und nur eingeschränkt im digitalen Raum möglich ist.“

Trotzdem: Auch Jugendhäuser sind im Internet präsent. Jede Einrichtung könne über die Plattform Discord digitale Angebote machen, damit junge Menschen zu den Angeboten vor Ort dazu geschaltet werden können.

Hygiene ist wichtig, auch in den Jugendhäusern. „Die Angebote finden mit einem strengen Hygienekonzept statt", erklärt Tobias Dobler. Kommen dürften nur kleine Gruppen von höchstens zehn Personen mit Voranmeldung. Genutzt werden nur Räume, in denen genug Abstand möglich ist. Zudem gilt eine Maskenpflicht.

Jugendhilfe aus Eppingen kooperiert mit Schulen

Das reicht der Jugendhilfeeinrichtung aus Eppingen nicht. „Um trotzdem für möglichst viele Junge Menschen da sein zu können, sind unsere Mitarbeiter auch aufsuchend unterwegs und halten so den Kontakt mit den Jugendlichen im öffentlichen Raum", sagt der Fachbereichsleiter Tobias Dobler. Zudem kooperiert die DJHN teilweise mit Schulen. "Es werden Angebote für Klassen in den Mittagspausen gemacht." Das ist zum Beispiel in Bad Wimpfen, Eppingen oder Güglingen der Fall.


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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