Schritt zur Normalität oder unnötiges Risiko?

Meinung  Die aktiven Fußballer und Zuschauer freuen sich, dass auf den Sportplätzen wieder der Ball rollt. Doch sind angesichts von steigenden Coronazahlen nicht jedwede Menschenansammlungen zu vermeiden? Unsere Autoren haben sich diese Frage ebenfalls gestellt und sind geteilter Meinung.

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Pro: Der Fußball hat bewiesen, dass er es kann

Von Stephan Sonntag

Die Fußball-Bundesliga hat die Blaupause für den gesamten deutschen Sport geliefert. Innerhalb kürzester Zeit gelang es der Deutschen Fußball Liga (DFL) in einer absoluten Ausnahmesituation, ein tragfähiges Konzept für den Spielbetrieb zu entwickeln und damit die Saison 19/20 regulär zu beenden. Damit nahm der Fußball nicht nur hierzulande, sondern europaweit eine Vorreiterrolle ein.  

Die Grundlagen des DFL-Konzepts wurden zum Leitfaden für andere Sportarten und natürlich auch für die unteren Fußball-Spielklassen. Bei den ersten Pflichtspielen auf württembergischer Ebene im Landes- und Bezirkspokal haben die teilnehmenden Vereine bereits bewiesen, dass sie anhand der Leitlinien tragfähige und praxistaugliche lokale Hygienekonzepte entwickeln können. Ebenso haben die Fußballfans in der Region demonstriert, dass sie gewillt sind, die Regeln zu befolgen, um ihren Lieblingssport live verfolgen zu dürfen. 

Im Vergleich zu den Hallensportarten hat der Fußball zudem den Vorteil einer Freiluftveranstaltung, bei der das Infektionsrisiko per se schon geringer ist. Für den Fall einer Ansteckung auf- oder abseits des Platzes ist durch die Meldepflicht der Anwesenden gewährleistet, dass Infektionsketten schnell und vollständig nachvollzogen werden können.

Befolgen weiterhin alle Beteiligten die Regeln werden die Fußballplätze ganz sicher nicht zu Corona-Hotspots, sondern bleiben Orte des spannenden Zeitvertreibs in schwierigen Zeiten.


Contra: Risikominmierung ist die oberste Maxime

Von Andreas Öhlschläger

Ein Fußballplatz ist keine Großschlachterei. Die bisherige Geschichte des Lebens mit dem Coronavirus sorgt nicht für panisches Vorsichtsgeschrei, wenn es darum geht, die Gefahren des Fußballspielbetriebs zu bewerten. Aber so lange es keinen Impfstoff gibt, muss Risikominimierung die oberste Maxime sein, muss es vorrangig ums gesamtgesellschaftliche Interesse gehen, nicht um den Spaß des Einzelnen und nicht um Siege, Niederlagen oder Tabellenstände.

Das gilt für jeglichen Sportbetrieb, bei dem es zu vielen direkten Körperkontakten kommt. Wären die Infektionszahlen extrem niedrig, könnte man auf den Sportplätzen der Republik Vollgas geben. Aber der Trend der Coronavirus-Fallzahlen geht in die falsche Richtung. Also darf es keinen Leichtsinn geben.

Es ist richtig, Zukunftsperspektiven zu entwickeln und Spielplankonzepte umzusetzen. Aber es wäre ein grober Fehler, nicht schnell und konsequent zu handeln, sollten die Risiken sich als zu groß erweisen. Der Sport, bei den Profis wie den Amateuren, darf nie zur Virenschleuder werden. Nicht für die Aktiven im Wettkampfbetrieb. Und nicht für die Zuschauer am Rand.

Wenn sich die von vielen Experten angekündigte zweite Corona-Welle in der Statistik verfestigt, muss Schluss sein. Sonst wird es wegen des Sportbetriebs doch noch Massenausbrüche geben, wie man sie aus der Großschlachterei kennt. 

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

Andreas Öhlschläger

Andreas Öhlschläger

Sportredakteur

Andreas Öhlschläger ist seit 2000 Sportredakteur bei der Heilbronner Stimme.

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