Wie sinnvoll ist der Gelbe Sack?

Region  Vor 30 Jahren wurde der erste Gelbe Sack geschnürt. Kaum ein anderes Müllsammelsystem ist heute so umstritten. Dabei soll der Sack auch helfen, die erhöhte Recyclingvorgabe für Verpackungsmüll zu erreichen.

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Was gehört in den Gelben Sack? Viele Verbraucher sind sich trotz der Beschriftung nicht sicher. Die Fehlwurfquote liegt bei 30 Prozent.

Kaum ein Müllsammelsystem ist so umstritten wie der gelbe Sack. Er kann sogar zum Dauerärgernis werden: Etwa dann, wenn sich Berge von gelben Müllsäcken vor den Abfuhrterminen in der Heilbronner Innenstadt stapeln. Oder wenn die dünnen Tüten reißen, Joghurtbecher, Wurstpackungen und mehr vom Wind in der Umgebung verteilt werden oder wilde Tiere anlocken.

Gelber Sack, Gelbe Tonne, Wertstofftonne, Recyclinghof: Die Region ist ein Beispiel für unterschiedliche Sammelsysteme. Während die Bewohner im Heilbronner Landkreis ihre vorsortierten Leichtverpackungen zum örtlichen Recyclinghof oder zu Sammelcontainern bringen, besteht das Holsystem mit Gelbem Sack und Gelber Tonne in der Stadt Heilbronn nach wie vor. Seit Jahresbeginn ersetzt der gelbe Sack im ganzen Hohenlohekreis nun die Tonne für Leichtverpackungen und Altpapier.

Ein Rückblick: Nach der Gründung des Grünen Punkts hielten der Gelbe Sack 1991 und später die Gelbe Tonne Einzug in das deutsche Mülltrennungssystem. Es war auch das Jahr, in dem die Verpackungsverordnung in Kraft trat. Dadurch gab es nicht nur erstmals ein Erfassungssystem für Verpackungsmüll. Hersteller und Händler wurden auch in die Pflicht genommen, für ihre in den Kreislauf gebrachten Verpackungen aufzukommen. Als erstes Duales System war der „Grüne Punkt“ für das Sammeln und Verwerten der Verpackungen zuständig. Seit 2003 kamen weitere Sammelsysteme hinzu. Heute gibt es insgesamt elf privatwirtschaftliche Betreiber, einer davon, die Recycling Dual GmbH, kam neu dazu und hat noch keinen Marktanteil. Die Dualen Systeme organisieren das bundesweite Einsammeln, Sortieren und Verwerten des Inhalts aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne durch Entsorgerfirmen.

Seit der Verpackungsverordnung 2009 sind Hersteller und Händler von Verpackungen verpflichtet, sich an einem dieser Dualen Systeme zu beteiligen. Je nach Verpackungsmenge und -material entrichten sie deshalb sogenannte Lizenzentgelte dafür, dass sie ihre Verpackungen in den Verkehr bringen. Und der Verbraucher bezahlt die Abholung und Entsorgung des Joghurtbechers an der Supermarktkasse mit. Der restentleerte, vom Aludeckel befreite Becher sollte dann übrigens auch in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne wandern – oder je nach Region in die Wertstofftonne.

Höhere Recyclingquote für Verpackungsmüll

2019 ersetzte das Verpackungsgesetz die Verpackungsverordnung und hob auch die Recyclingquote für Verpackungsmüll wesentlich an. Kunststoffverpackungen müssen, statt wie vorher zu 36 Prozent, bis 2022 nun zu 58,5 Prozent zu neuen Rohstoffen oder neuen Formteilen verarbeitet werden – nach dieser werkstofflichen Verwertung wird übrigens auch der Gelbe Sack an sich gerecycelt.

Um die erhöhten Recyclingquoten zu erreichen, biete der Gelbe Sack eine bessere Sammelqualität als die gelbe Tonne, davon ist Axel Subklew, Sprecher der Initiative „Mülltrennung wirkt“, überzeugt. „Zum einen gibt es beim Gelben Sack wegen seiner Transparenz eine bessere Sichtkontrolle. Das geht bei der Tonne nicht. Zum anderen ist der Sack dafür konzipiert, dass die Müllwerker schnell an seinem Gewicht merken, ob in ihm ausschließlich restentleerte Verpackungen entsorgt wurden.“ Mit dem Gelben Sack die neue Recyclingquote anstreben – das sei auch der Grund gewesen, warum das Duale System Grüner Punkt entschied, dass der Gelbe Sack seit diesem Jahr die Tonne für Altpapier und Leichtverpackungen im ganzen Hohenlohekreis ersetzt, teilt Nadine Würth von der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis auf Nachfrage mit.

Der Naturschutzbund Nabu kritisiert jedoch, dass die Abfallmenge über den Gelben Sack geringer sei. „So lassen sich weniger Abfälle sammeln als über die Wertstofftonne. Nicht-Verpackungen landen dadurch zu oft im Restmüll und somit direkt in der Verbrennung“, argumentiert Dr. Michael Jedelhauser, Referent für Kreislaufwirtschaft beim Nabu. „Es stimmt zwar, dass das Risiko von Fehlwürfen bei der Wertstofftonne oder Gelben Tonne höher ist, während sie sich bei den transparenten Säcken deutlich leichter identifizieren lassen. Allerdings lassen sich die Fehlwürfe mit einer umfassenden Abfallberatung und Informationsarbeit und gegebenenfalls durch Stichprobenkontrollen der Tonneninhalte deutlich reduzieren.“ 

Tonne oder Sack – was spricht für eine bessere Umweltbilanz? Der Nabu plädiert für die Sammlung mit der Wertstofftonne. Denn „darin können auch die stofflichen Nicht-Verpackungen wie beispielsweise Plastikspielzeug oder Bratpfannen gesammelt und somit höhere Sammelmengen erzielt werden“, sagt Michael Jedelhauser.

Warum fällt die richtige Mülltrennung immer noch schwer?

Ein knappes halbes Jahr ist vergangen, seit es den Gelben Sack im Hohenlohekreis gibt. Er werde dort mittlerweile gut angenommen, sagt Nadine Würth. „Die Rückfragen der Hohenloher beziehen sich überwiegend auf die Themen richtige Befüllung und Bereitstellung zur Abfuhr.“

Denn was gehört in den gelben Sack und die gelbe Tonne? Damit tun sich viele Verbraucher auch heute, 30 Jahre später, noch immer schwer. Warum genau, fragt sich auch Axel Subklew. „Eigentlich ist es einfach: Wir sammeln im Gelben Sack gebrauchte und restentleerte Verpackungen, die nicht aus Papier, Pappe, Glas oder Karton sind.“ Beispielsweise Milchkartons, Nudeltüten, Shampooflaschen oder Senftuben. Und doch fischen die Mitarbeiter in den Sortieranlagen noch immer kuriose Dinge aus den Gelben Säcken und Tonnen: Planschbecken, die Gelbe Tonne an sich und sogar tote Katzen. Bei rund 2,6 Millionen Tonnen Materialien, die in Deutschland über die Gelben Säcke und Tonnen gesammelt werden, liegt der Anteil der nicht richtig entsorgten Abfälle bei durchschnittlich 30 Prozent. „Das erschwert uns nicht nur den Sortier- und Recyclingprozess, sondern auch, die Recyclingquote zu erfüllen“, sagt Axel Subklew. Deshalb sei es wichtig, dass „wir weiter permanente Aufklärungsarbeit leisten und viele Mythen um die Mülltrennung aufklären". Denn: „Recycling ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und kann jährlich rund 3,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen.“


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kam im November 2019 aus Weinheim zur Heilbronner Stimme. Nach einem Jahr in der Lokalredaktion ist sie seit 2021 in der Jugendredaktion.

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