Wir können für schlechte Kinderstuben nichts

Heilbronn - Das Heilbronner Weindorf zählt zu den beliebtesten Festen der Region. Es hat aber auch Schattenseiten. Vor allem am Wochenende kommt es nachts mitunter zu negativen Randerscheinungen. Die Veranstalter schauen dem Treiben nicht tatenlos zu.

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Bernhard Winkler

Foto: Archiv/Veigel


Heilbronn - Das Heilbronner Weindorf zählt zu den beliebtesten Festen der Region. Es hat aber auch Schattenseiten. Vor allem am Wochenende kommt es nachts mitunter zu negativen Randerscheinungen. Die Veranstalter schauen dem Treiben nicht tatenlos zu. Beim Alkoholmissbrauch handle es sich aber um ein allgemeines gesellschaftliches Problem, so Heilbronn-Marketing-Chef Bernhard Winkler im Gespräch mit Kilian Krauth.

Was tun Sie gegen Exzesse?

Bernhard Winkler: ... die es im übrigen innerhalb des Dorfes nicht gibt, sondern höchstens in der Sülmer City und anderen Randbereichen − aber auch nur wochenends, bei gutem Wetter und von wenigen Unverbesserlichen.

Trotzdem, was tun Sie dagegen?

Winkler: Wir leuchten Randbereiche mit Scheinwerfern aus. Außerdem haben wir Securitykräfte engagiert, die je nach Bedarf verstärkt Flagge zeigen. Natürlich haben wir auch die Polizei um entsprechende Präsenz gebeten. Sicherheitshalber wird am Kiliansplatz auch eine weitere Rotkreuz-Station aufgestellt.

Anwohner klagen immer wieder über Scherben und Uringestank.

Winkler: Seit wir vor über 25 Jahren einen Sammeldienst eingerichtet haben, gibt es vergleichsweise wenige Scherben. Den Rest kehren die Männer vom Betriebsamt auf. Es gibt Absperrungen und fünf gut platzierte WC-Stationen. Für die schlechten Kinderstuben mancher Leute können wir nichts. Wer sich daneben benimmt, muss mit Bußgeld rechnen. Für Nachtschwärmer kooperieren wir mit Lokalen wie Green Door, Baroccoco, Musik-Park und laden zu After-Weindorf-Partys.

Kernproblem ist Alkoholmissbrauch.

Winkler: Aber weniger durch Wein. Etliche Randgruppen bringen ihre harten Sachen im Rucksack mit und suchen nur eine Plattform, um sich auszuleben. Leider gibt es keine rechtliche Möglichkeit, dies zu verbieten. Wir haben das prüfen lassen.

Achten Sie wenigstens an den Ständen darauf, dass kein Wein an Minderjährige ausgeschenkt wird?

Winkler: Jeder Betrieb hat dazu klare Anweisungen, außerdem hängt in jedem Stand ein entsprechendes Schild. Das Problem ist die Kontrolle. Was will man machen, wenn ein 18-Jähriger seinen jüngeren Kumpels Nachschub besorgt? Außerdem kann man im Gedränge nicht alles 100-prozentig ausschließen.

Strafe und Verbote sind das Eine, Aufklärung wäre auch ein Weg. Ein Wine-in-Moderation-Programm wie in Öhringen haben Sie aber nicht.

Winkler: Offiziell nicht, aber viele dieser Maßnahmen greifen auch bei uns. Außerdem ist die Polizei im Sinne der Aufklärung mit ihren Jugendschutzeinsatzteams, kurz Jet, unterwegs. Die gehen gezielt auf junge Menschen zu. Aber mal ehrlich: Wir können doch im Weindorf nicht ein allgemeines gesellschaftliches Problem lösen. Manche kommen ja schon betrunken in die Stadt.

Es gibt aber auch hausgemachte Probleme. Zum Beispiel Aggressionen durch völlig überfüllte Stadtbahnen wie im Vorjahr.

Winkler: Durch eine unglückliche Verkettung gab es bei der letzten Bahn tatsächlich Probleme. Diesmal setzt der HNV generell Doppelwagen ein, außerdem gibt es neue Sonderbuslinien. Wir appellieren aber an alle: nicht erst mit der letzten Bahn nach 1 Uhr heimfahren!


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