Weindorf wird verlängert

Heilbronn - Das Heilbronner Weindorf kommt ins Schwabenalter. Zum 40. Fest haben sich die Veranstalter einige Neuerungen einfallen lassen. Anders als in den Vorjahren wird das Fest nicht donnerstags, sondern freitags eröffnet.

Von Kilian Krauth
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Bernhard Winkler (links) und Karl Seiter mit neuem Plakat: Die Marktplatz-Ansicht fotografierte Roland Schweizer. Neu sind auch die Stielgläser.Foto: Dittmar Dirks

Heilbronn - Das Heilbronner Weindorf kommt ins Schwabenalter. Zum 40. Fest haben sich die Veranstalter einige Neuerungen einfallen lassen. "Ganz wichtig, damit niemand zu früh oder zu spät kommt!", so Bernhard Winkler von der Heilbronn Marketing GmbH (HMG): "Es gibt geänderte Öffnungszeiten."

Anders als in den Vorjahren wird das Fest nicht donnerstags, sondern freitags eröffnet: und zwar am 10. September um 16 Uhr. Dafür wird das Weindorf auf zwei Wochenenden ausgedehnt. Rund ums Rathaus wird also bis Sonntag, 19. September, gefeiert.

Seit 1977 schlossen die Stände pünktlich zum Wochenende stets am zweiten Freitag: aus Rücksicht auf Anwohner, aber zum Unverständnis vieler Besucher, wie Karl Seiter als Vorsitzender des Verkehrsvereins erklärt. Zum Jubiläumsfest wolle man den immer wieder vernommenen Rufen nach einer Verlängerung nachkommen, dazu zählt auch der wochentags von 22.30 auf 23 Uhr verschobene Zapfenstreich. Doch die neuen Öffnungszeiten gelten nur versuchsweise. Erst nach Auswertung der Erfahrungen wird im Herbst über die künftige Terminierung des Traditionsfestes gesprochen.

Gestaltungslinie

Für Gesprächsstoff sorgen dürfte auch die neue Gestaltungslinie, deren Grundmodul im Stile einer Briefmarke vielfältig verwendbar ist. Es findet sich bereits auf Plakaten, Anzeigen, Fahnen, Gutscheinheften, Postkarten, Regio-Mail-Briefmarken und nicht zuletzt auf den neuen, größeren Stielgläsern. Allein für die 50 000 Gläser fallen nahezu 100 000 Euro an; der Stückpreis von knapp zwei Euro entspricht dem Pfand. Die Kosten für andere Materialien und für die Entwicklung der neuen Gestaltungslinie liegen bei 30 000 Euro.

Der Eichstrich des Böckling-Glases aus der Serie "Madeleine 41" liegt zwar nach wie vor bei 0,1 Liter, doch das Volumen überschreitet ein Viertel: So sollen sich die Weinaromen besser entfalten. Die Veranstalter kommen damit einem Wunsch ambitionierter Weinzähne entgegen. Handfeste 0,1-Schoppen wird es aber weiterhin geben.

Wettbewerbe

 An 17 Ständen werden 281 verschiedene Weine und 18 Sekte angeboten, davon sind 40 bereits ab 1,40 Euro pro Zehntel zu haben. Die teuerste Flasche ist ein Eiswein zu 39 Euro − für 0,375 Liter. Nach Angaben der HMG dürften an den zehn Festtagen insgesamt eine Million Zehntel verkauft werden. Nachdem etliche Betriebe bereits in den Vorjahren neue Häuschen aufgestellt hatten, tauschen heuer die Lauffener Weingärtner ihren mit Schnitzereien versehenen Ausschank durch einen modernen aus.

Dies nur am Rande: Im Rathaus-Innenhof gibt es ein neues WC, am Kiliansplatz eine neue DRK-Station.

Rund ums Rathaus werden an 17 Ständen auch alkoholfreie Getränke und Speisen angeboten. Hier reicht die Palette von der klassischen Bratwurst über schwäbische Spezialitäten bis hin zu italienischer Pasta mit Trüffel, Käse und Süßwaren.

Aus dem Rahmenprogramm ragen der Theatermarkt sowie Wettbewerbe für die Gestaltung und den besten Trollinger heraus. Nicht zuletzt werden ein neuer Herbstritter und ein neuer Weinzahn gekürt.

Die Veranstalter raten zu Bus und Bahn. Es gibt auch Sonderfahrten.

Fürst Hohenlohe kehrt dem Fest den Rücken

Ein Stand auf dem Heilbronner Weindorf ist für viele Wengerter das höchste der Gefühle. Nicht so für Kraft Prinz zu Hohenlohe-Oehringen. Sein Weingut zieht sich aus dem größten Weinfest der Region zurück. Selbst für den langjährigen Verwalter Siegfried Röll kam die Entscheidung überraschend. Aber nach der Umfirmierung zur GmbH habe sich der Inhaber aus betriebswirtschaftlichen Gründen zum Ausstieg entschlossen, sagte Röll der Heilbronner Stimme. Der 46-jährige Erbprinz ist derzeit im Urlaub.

Stress pur

 Röll kommentiert den Abschied mit „einem weinenden und lachenden Auge. Der persönliche Einsatz war schon gewaltig.“ Im täglichen Arbeitsablauf bedeute ein so langes Fest für einen kleineren Betrieb „Stress pur“. Der gebürtige Bretzfelder betont aber: „Wir scheiden nicht im Zank und wünschen den Heilbronnern alles Gute.“

Nachfolger

Man bedauere, aber respektiere die Entscheidung – „auch wenn wir keine Begründung bekamen und nicht wissen, ob sie richtig ist“, gibt Weindorf-Sprecher Karl Seiter zu verstehen. Für Dieter Waldbüßer von der Weinkellerei Hohenlohe, mit der sich der Fürst seit 2002 einen Stand teilte, kam dessen Aus aus heiterem Himmel. „Wir sind mit Heilbronn sehr zufrieden und haben uns auch im Handel gut platziert.“ 2010 werde man den Stand an der Lohtorstraße zunächst allein betreiben, 2011 soll dann die Nachbar-WG Heuholz einsteigen. Eine Anfrage der Gemeinschaft Hohenloher Selbstmarkter ist nach Angaben der Heilbronn Marketing GmbH (HMG) „zu spät“ eingegangen.  kra


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