Verkehrsprobleme überlagern alles andere

Heilbronn  Sicherheit, Wohnen und vor allem Verkehr: Das waren die dominierenden Themen bei der Lokaltour Extra mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer in Heilbronn. Auch die geplante Fußgängerbrücke über die Gleise beim Hauptbahnhof bewegte die Teilnehmer.

Von Alexander Hettich
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Mehr als 50 Interessierte waren am Freitagabend zum Finale der Lokaltour-Extra-Reihe in die Frankenbacher Gaststätte „Zum Reegen“ gekommen, die Mehrzahl von ihnen amtierende Heilbronner Stadträte oder Kandidaten für die Kommunalwahl. Ihr Eindruck aus dem Straßenwahlkampf: Die Heilbronner scheinen vor der Abstimmung am 26. Mai nicht sonderlich auf Krawall gebürstet zu sein.

„Das Buga-Feeling strahlt in die Stadt hinein“, sieht Rainer Hinderer, Vorsitzender der Heilbronner SPD-Ratsfraktion, eine „insgesamt positive Stimmung“. Sein CDU-Pendant Thomas Randecker konstatiert aus Gesprächen am Wahlstand: „Auf lokaler Ebene fehlen die ganz großen Themen.“ 

Debatte um Staus und Gratis-ÖPNV

Es gibt sie freilich doch. Zuvorderst der „katastrophale Verkehr“, den Fred Steininger von Pro Heilbronn als größtes Problem ausmachte. In den Stoßzeiten stauten sich die Autos „über Kilometer“ in den äußeren Stadtteilen. „Die Frankenbacher atmen die Abgase ein“. Aber was tun gegen den Verkehrsinfarkt? Für Steininger ist die Verlängerung der Saarlandstraße überfällig.

Wer etwa kostenlosen Nahverkehr fordere, „der muss auch sagen, wer das bezahlen soll“, betonte Herbert Burkhardt, Fraktionschef der Freien Wählervereinigung. Er zitierte eine Berechnung, der zufolge die Stadt jährlich 25 Millionen Euro ausgeben müsste, wollte sie  einen kostenlosen Stadtbus für alle ermöglichen. Die Zahl wollte Holger Kimmerle von den Heilbronner Grünen nicht stehen lassen.  Einen Gratis-Samstag beim ÖPNV reiße keine derart großen Löcher in die Kasse. „Es geht darum, den Leuten den öffentlichen Nahverkehr schmackhaft zu machen.“  Tarife und Taktung, das sind auch für Martin Schäffner von der FDP die wichtigsten Hebel. 

Mehr Investitionen in Bus und Bahn, günstigere Tickets  - das forderte Konrad Wanner (Die Linke). Er sieht Wohnen, Mobilität und Arbeitsplätze als einen Themenkomplex. „In Heilbronn für 500 bis 700 Euro eine Wohnung zu finden, das ist ein Spießrutenlauf.“ Also zögen die Menschen an die Peripherie. Die Folge: Staus. „Wenn wir das nicht lösen“, so Wanner, „dann fliegt uns die Stadt um die Ohren.“

„Großer Nachholbedarf bei Renovierung der Schulen“

Doch die Heilbronner treibt auch anderes um als volle Straßen und verspätete Bahnen. „Die Renovierung der Schulen ist für mich ein großes Thema“, sieht der Bundestagsabgeordnete und FDP-Kreisvorsitzende Michael Link „enormen Nachholbedarf“. Melanie Libetta (SPD) rückte  die „Qualität der Betreuung“ in den  Fokus. Junge Leute beschäftige außerdem die Frage, wie die Innenstadt lebendig erhalten werden kann. Dass die Kommunalpolitik sich hier schwer tut, einen  Ansatz zu finden, räumte ihr Parteifreund Niklas Anner ein. Lebendiger Handel sei vor allem Sache der Privatwirtschaft. Aber: „Man muss dafür sorgen, dass die Stadt attraktiv bleibt.“

Sicherheit in den Fokus gerückt

Das Thema Sicherheit stellte  Bernd Fischer von der AfD neben „Wohnraum und Infrastruktur“ in den Mittelpunkt. „Wenn der Ordnungsdienst Zehn-Euro-Strafzettel ausstellt, anstatt Leute aufzuhalten, die mit Drogen handeln, dann läuft etwas falsch“, erkennt er einen Brennpunkt in der Innenstadt. Mit derben Worten belegte Fischer  Gruppen, die das Areal um das Rathaus unsicher machten  - und handelte sich damit vielstimmigen Widerspruch ein.  Ilona Werner (CDU) mahnte, in der Debatte „den Anstand zu wahren“, während Isabell Steidel von den Grünen vorschlug, „Sozialarbeiter in die Stadt zu schicken“, anstatt ganze Gruppen „von oben herab“ zu behandeln. Thomas Randecker von der CDU forderte einen jährlichen Ordnungs- und Sicherheitsbericht von der Stadtverwaltung, „damit wir die Fakten auf dem Tisch haben“. 

Brücke am Bahnhof: Luxus oder Notwendigkeit?

Auch die Fußgänger- und Radwegbrücke beim Hauptbahnhof, im Volksmund „Blitz“ genannt, beschäftigte die Runde. CDU-Kandidat Peter Blessing sieht darin „ein Luxusprojekt“, das wenigen nütze, während vor allem die Heilbronner Stadtteile westlich des Neckars im Verkehr ertränken.  SPD-Stadtrat Rainer Hinderer entgegnete, von der Brücke profitierten 3000 Menschen, die einmal im Neckarbogen lebten. Eine inhaltliche Brücke fand sich an diesem Abend bei vielen Themen, beileibe nicht bei allen. Die Kommunalwahl in Heilbronn bleibt spannend. Dabei ist eine wichtige Orientierungshilfe offenbar der Stimm-O-Mat, den die Heilbronner Stimme erstmals online anbietet, um Positionen der Kandidaten zu verdeutlichen – fast alle in der Lokaltour-Runde hatten die Fragen durchgespielt. 

 

Stimm-O-Mat für die Gemeinderatswahl in Heilbronn
Für die Stadt Heilbronn bietet die Heilbronner Stimme außerdem den Stimm-O-Mat an. Damit finden Nutzer heraus, mit welchen Kandidaten sie politisch am ehesten übereinstimmen, indem sie sich zu 24 Thesen positionieren.

 

 


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