Wahlkreis Heilbronn: Grüne Bay gewinnt

Landtagswahl  Die Grüne Susanne Bay hat den Wahlkreis Heilbronn vor CDU-Kandidat Alexander Throm gewonnen. Die AfD kommt auf 18,2 Prozent.

Von unserer Redaktion

Folgende Kandidaten ziehen in den Landtag ein:

Bay, Susanne, Heilbronn    GRÜNE    
Hinderer, Rainer, Heilbronn    SPD    
Weinmann, Nico, Heilbronn    FDP    
Dr. Podeswa, Rainer, Beilstein    AfD

 

Susanne Bay gewinnt mit 27,1 Prozent erstmals für die Grünen im Wahlkreis Heilbronn das Direktmandat. Sie verbessert ihr Ergebnis gegenüber 2011 um 5,6 Prozentpunkte. Für Alexander Throm (CDU) endet nach nur einer Legislaturperiode die Zeit als Landtagsabgeordneter. Die Christdemokraten haben mit nur noch 22,7 Prozent  (-14,3) zum ersten Mal seit 1996 nicht mehr die Nase vorn.

Mit 15 Prozent fährt Rainer Hinderer (SPD) erneut nach Stuttgart, obwohl auch er 11,4 Prozentpunkte einbüßt. Mit Nico Weinmann hat der Wahlkreis Heilbronn nach Paul Meyle (1964) erstmals wieder eine liberale Stimme in Stuttgart. Seine 10,2 Prozent reichen ihm für den Einzug in das Landesparlament. Aus dem Stand holt die AfD 18,2 Prozent. Damit gehört ihr Kandidat Dr. Rainer Podeswa dem neuen Landtag an.

Die Linken erreichen mit Ayse Boran 2,9 Prozent (- 0,2). Andreas Hoffer holt für Alfa 1,3 Prozent. Unter der Ein-Prozent-Marke bleiben Die Partei, ÖDP, NPD und die Republikaner.   

 

Stimmung auf dem Tiefpunkt beim bitteren Tag für die Heilbronner CDU

 

Schockstarre im großen Ratssaal des Heilbronner Rathauses, als um 18.25 Uhr die Ergebnisse der ersten fünf Wahllokale des Wahlkreises Heilbronn über die Großleinwand flimmern. Die Grünen führen, die AfD liegt vor der CDU und der SPD. Stadtrat Gerd Kempf (SPD) bläht die Backen auf, als er die Werte analysiert. Ex-Bürgermeister Harald Friese (SPD) schüttelt fassungslos den Kopf. Der Gesichtsausdruck von SPD-Stadträtin Marianne Kugler-Wendt wird zunehmend verbitterter. Sie sagt: „Es gab schon schönere Tage in meinem Leben.“ Der erste und einzige CDU-Stadtrat, der im Rathaus später auftaucht, ist Klaus Hackert: „Das war vorauszusehen“, sagt er trocken. 

Im großen Ratssaal ist es ruhig wie selten bei einer Wahl zuvor. Die Ergebnisse aus den Wahllokalen treffen jetzt im Minutentakt ein. Stadtrat Gottfried Friz (FDP) wird bei jeder Einblendung frohgelaunter und klopft seinem Kollegen Michael Link keck auf die Schulter. Christine Strobl, die Frau des CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl, kommt und macht gute Miene zum bösen Spiel. Lang bleibt sie nicht. 

19.15 Uhr. Die 127 Wahllokale sind ausgezählt. Nach Heidelberg ist Heilbronn die zweitschnellste Auszählkommune im Land. Oberbürgermeister Harry Mergel verkündet das vorläufige Endergebnis. Jetzt beginnt das große Zittern für Rainer Hinderer (SPD) und Nico Weinmann (FDP). Zu diesem Zeitpunkt hat Alexander Throm (CDU) das Rathaus schon wieder verlassen. Mit einem Blumenstrauß macht sich OB Mergel auf ins K3, wo die Grünen ihren historischen Wahlsieg feiern. In einer ersten Reaktion bedauert er die Ergebnisse von Throm und Hinderer („…das haben beide nicht verdient.“) und bewertet das AfD-Resultat: „Das macht mir Sorge. Wir müssen nach den Ursachen forschen.“

Nur eine Minute später als im Rathaus kommt das erste Ergebnis auch im Landratsamt Heilbronn an. Wie bereits zur Landtagswahl 2011 hat Jagsthausen seine 1070 Stimmen als schnellste Kommune ausgezählt. Mit 28,5 Prozent liegen hier die Grünen deutlich vor der CDU mit 22,0 Prozent. Anschließend dauert es einige Minuten, bis die nächsten Ergebnisse aus Pfaffenhofen, Roigheim und Güglingen eintrudeln. Hier geben sich Grüne und CDU abwechselnd die Klinke in die Hand. Per Beamer werden die aktuellen Zahlen der 42 Kommunen aus den Wahlkreisen Eppingen und Neckarsulm an die Wand geworfen, bis auch die letzte Meldung gegen 20 Uhr eintrifft.