Landtagswahl 2021

Wahlcheck zur Landtagswahl mit Andreas Stoch, SPD

Heilbronn  Im Vorfeld der Landtagswahl in Baden-Württemberg präsentieren sich Spitzenpolitiker in Heilbronn beim Wahlcheck mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer. Am Donnerstag war der Spitzenkandidat der SPD, Andreas Stoch, zu Gast.

Email

Auch in diesem außergewöhnlichen Landtagswahlkampf setzt die Heilbronner Stimme die Tradition der Wahlchecks mit Spitzenpolitikern fort. Innerhalb von neun Tagen werden an sechs Abenden sechs Spitzenkandidaten jeweils 90 Minuten lang Rede und Antwort stehen. 

Beim dritten Stimme-Wahlcheck vor der Landtagswahl am 14. März war am Donnerstag SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch zu Gast. Im Gespräch unter der Pyramide der Kreissparkasse Heilbronn mit Chefredakteur Uwe Ralf Heer kritisierte er das Corona-Management der Landesregierung. Bei sinkenden Infektionszahlen müssten die Beschränkungen schrittweise zurückgenommen werden. „Wir brauchen eine mutigere Perspektive, was die Öffnungen angeht“, sagt Stoch mit Blick auf den Einzelhandel und die Gastronomie.

Der Live-Stream mit Andreas Stoch, SPD ist nun beendet und hier als Video verfügbar.

Der nächste Wahlcheck findet am Montag mit dem Spitzenkandidaten der AfD, Bernd Gögel, statt. Die Veranstaltung kann nach Anmeldung im Livestream verfolgt werden.

 

Sie möchten unser Youtube-Video ansehen?

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellung kann Ihnen diese Datenvisualisierung nicht angezeigt werden.

Hier können Sie eine Änderung Ihrer Einstellungen vornehmen, um sich die Grafik anzeigen zu lassen.

Datenschutzeinstellungen ändern

Bitte beachten Sie, dass durch die Einwilligung des Dienstes Cookies gesetzt werden können. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.


Andreas Stoch beim Stimme-Wahlcheck: Locker im Ton, hart in der Sache

Beim Stimme-Wahlcheck in Heilbronn fordert der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch klare Öffnungsperspektiven für Handel und Gastronomie. Zahlreiche verbale Seitenhiebe gegen die politischen Konkurrenten

Gut gelaunt, locker und volksnah präsentiert sich Andreas Stoch, der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 14. März, beim Stimme-Wahlcheck am Donnerstagabend in der Kreissparkasse Heilbronn. Stoch ist im Gespräch mit Stimme-Chefredakteur Uwe Ralf Heer bemüht, das verbreitete Klischee vom abgehobenen, realitätsfernen Politiker zu widerlegen. Er suche stets den Kontakt zu den Menschen, was in Corona-Zeiten natürlich schwer ist, um zu zeigen: "Wir sind ganz normale Menschen."

Statt Politik vom Schreibtisch aus zu machen - "das kann nicht funktionieren" - arbeitet Stoch schon mal einen Tag lang als Erntehelfer mit, um zu erleben, was die Menschen an der Basis wirklich bewegt. "Die Leute öffnen sich und teilen ihre Sorgen mit", hat der Heidenheimer mit solchen Aktionen gute Erfahrungen gemacht.

Mitfiebern im Heidenheimer Stadion

Man glaubt dem Juristen, der nicht aus einem Akademiker-Haushalt kommt und als Student in der Metallindustrie gejobbt hat, dass er am Wochenende im Stadion mit seinem Lieblingsklub 1. FC Heidenheim mitfiebert und in der Halbzeitpause mit den Fans eine Bratwurst isst. Doch der "harmoniebedürftige" Sozialdemokrat, dem seine Arbeit nach eigener Aussage viel Spaß macht, legt Wert darauf, dass er seine Standpunkte bei Bedarf auch vehement vertreten kann. Das zeigt er im Gespräch mit Moderator Heer, in dem er auch nicht an verbalen Seitenhieben auf die politische Konkurrenz spart.

Menschen brauchen ein Licht am Ende des Tunnels

Am aktuellen Management der Corona-Pandemie etwa stört Stoch so einiges. Sei in der ersten Phase der Pandemie im Frühjahr 2020 vieles richtig gemacht worden, laufe es seit Herbst in die falsche Richtung. "Die Menschen haben das Gefühl, sie sehen das Licht am Ende des Tunnels nicht", sagt Stoch und fordert bei weiterhin sinkenden Infektionszahlen die schrittweise Rücknahme der Einschränkungen und Lockerungen der Corona-Maßnahmen. "Wir brauchen jetzt eine mutigere Perspektive, was die Öffnungen angeht", findet der Sozialdemokrat.

Erst der Handel, dann die Gastronomie

Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die gesamte Landesregierung seien hier zu mutlos. Stoch plädiert für eine schrittweise Wiederöffnung des Einzelhandels ab Anfang März, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 35 liege. Diese Perspektive müsse jetzt schon aufgezeigt werden, damit der Handel sich vorbereiten könne. Auch eine Wiederöffnung der Gastronomie, die hervorragende Hygienekonzepte erarbeitet habe, kann sich der SPD-Politiker ab Mitte März vorstellen. Und auch Urlaub in Hotels mit Schnelltests. Stoch: "Wir haben Möglichkeiten, das Risiko zu minimieren". Risiko null werde es nie geben. Bereits vor einigen Tagen hatten die drei Bürgermeister von Tübingen, Schwäbisch Gmünd und Schorndorf in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel gefordert, den Einzelhandel wieder zu öffnen.

Ausgangssperren müssen weg

Die Ausgangssperren im Land sind Stoch zufolge nicht mehr haltbar. "Die wurden eingeführt bei Inzidenzen von 200", betont er. Daher müssten sie jetzt zurückgenommen werden, da sie nicht mehr verhältnismäßig seien, sagt er und verweist auf das entsprechende Urteil des Verwaltungsgerichtes Mannheim. "Die Landesregierung wird noch einige Niederlagen kassieren", ist sich Stoch sicher.

Kein gutes Haar lässt der SPD-Spitzenkandidat an Landessozialminister Manne Lucha von den Grünen. "Ich halte den Minister für überfordert", sagt Stoch über dessen Management der Corona-Krise. Das Stuttgarter Sozialministerium sei viel zu klein, um eine solche Pandemie bewältigen zu können. Hier sei eigentlich das Innenministerium gefordert.

Und die Landesregierung müsse sich fragen lassen, warum die zur Verfügung gestellten Hilfsgelder für die Wirtschaft im Jahr 2020 "nicht mal zur Hälfte abgeflossen sind".

Harte Kritik an Kultusministerin Eisenmann

Auch die CDU-Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann kommt nicht gut weg. Der ehemalige Kultusminister Stoch wirft der amtierenden Kultusministerin vor, nicht genug mit den Verantwortlichen des Bildungswesens gesprochen zu haben und sich nicht ausreichend auf die zweite Corona-Welle vorbereitet zu haben. "Was hat die Frau eigentlich getan seit März 2020?" fragt Stoch rhetorisch und verweist auf viele eigene Gespräche mit Eltern- und Lehrervertretern. Die Lehrer würden im luftleeren Raum arbeiten und für die Schüler seien die geschlossenen Schulen eine große psychische Belastung.

Amüsiert reagiert Stoch auf Eisenmanns Vorschlag beim Stimme-Wahlcheck am Dienstag, die Meisterausbildung künftig kostenlos anbieten zu wollen. "Das steht seit Monaten in unserem Wahlprogramm", sagt er und findet Eisenmanns Vorstoß "fast schon süß".

Koalitionsspiele

Mit wem will der Jurist und Fußball-Fan nach der Wahl koalieren, will Moderator Uwe Ralf Heer wissen. Eine Deutschland-Koalition aus CDU, FDP und SPD schließt Stoch aus. "Die CDU ist intern zerstritten", sagt er. Die Partei habe ihren Nimbus als Volkspartei verloren, findet der 51-Jährige mit Blick auf Umfragen, die die Union bei 27 Prozent sehen. Allein, dass die CDU den Heilbronner Thomas Strobl schon zum zweiten Mal nicht als Spitzenkandidaten haben wollte, sage viel über den Zustand der Partei aus. Denkbar ist für Stoch eine Koalition aus Grünen, FDP und SPD. Die SPD liegt den Umfragen zufolge bei elf Prozent, was dem Heidenheimer natürlich nicht reicht. "Ich hätte gerne mehr, wir kämpfen um jede Stimme." Stoch weist auf den schwachen Bundestrend der SPD hin und auf die Beliebtheit des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. "Wir fischen im gleich Bach wie die Grünen, nämlich um die Mitte-Links-Wähler", sagt er. Es brauche die SPD für eine gute Regierung im Land. Kretschmann habe in den letzten fünf Jahren keine Gestaltungskraft mehr gezeigt, findet der SPD-Spitzenkandidat.

Wie hat Ihnen der Wahlcheck gefallen? Waren Sie live dabei? Schreiben Sie uns Ihr Feedback an wahlcheck@stimme.de

 


Spitzenpolitiker bei Stimme-Wahlchecks

An sechs Abenden fühlt Chefredakteur Uwe Ralf Heer den Spitzenkandidaten 90 Minuten lang auf den Zahn – aufgrund der Corona-Pandemie allerdings ohne Zuschauer in der Kreissparkasse Heilbronn. Alle Wahlchecks werden live von stimme.tv übertragen.

Nach Susanne Eisenmann (CDU), Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Andreas Stoch (SPD) folgen am Montag, 22. Februar, Bernd Gögel (AfD) und Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag, 23. Februar. Den Abschluss der Stimme-Wahlchecks bildet Sahra Mirow (Die Linke) am Mittwoch, 24. Februar. Alle Veranstaltungen beginnen um 19 Uhr. 


 Foren mit Kandidaten aus der Region

Neben den sechs Wahlcheck-Foren mit den Spitzenkandidaten gibt es Foren mit Kandidaten aus der Region. Im Gespräch mit Stimme-Redakteuren tauschen die Kandidaten Positionen aus. Jeder kann die Debatten im Livestream auf Stimme.de verfolgen und vorher Fragen formulieren.

Den Auftakt machen am Freitag, 19. Februar, 19 Uhr, die Kandidaten des Wahlkreises Heilbronn. Susanne Bay (Grüne), Thomas Strobl (CDU), Michael Seher (AfD), Rainer Hinderer (SPD), Nico Weinmann (FDP) und Marlene Neumann (Die Linke) diskutieren in der Boxx im Theater Heilbronn.

Am Donnerstag, 25. Februar, 19 Uhr, treffen im selben Format Michael Preusch (CDU), Erwin Köhler (Grüne), Rainer Podeswa (AfD), Jens Schäfer (SPD), Georg Heitlinger (FDP) und Emma Weber (Die Linke) aus dem Wahlkreis Eppingen aufeinander.

Tags darauf am Freitag, 26. Februar, 19 Uhr, folgt die Diskussion zum Wahlkreis Neckarsulm mit Isabell Huber (CDU), Armin Waldbüßer (Grüne), Carola Wolle (AfD), Klaus Ranger (SPD), Alexander Hampo (FDP) und Jasmin Ellsässer (Die Linke).

Auch für den Wahlkreis Hohenlohe wird es am Dienstag, 2. März, 19 Uhr, ein Forum geben. Eingeladen sind Arnulf von Eyb (CDU), Catherine Kern (Grüne), Anton Baron (CDU), Patrick Wegner (SPD), Uwe Wirkner (FDP) und Simon Brecht (Die Linke).

Leser fragen Fragen, gerne auch an einzelne Kandidaten, können vorab per Mail an redaktionsmarketing@stimme.de eingereicht werden. Die Moderatoren bringen eine Auswahl in die Debatte ein. 

 

 


Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

Kommentar hinzufügen