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Große Emotionen im Großen Ratssaal bleiben aus

Heilbronn  Als Oberbürgermeister Harry Mergel um 14.46 Uhr gestern im Großen Ratssaal das vorläufige Endergebnis der Heilbronner Gemeinderatswahl verkündet, ist die Stimmung merkwürdig verhalten. Die Enttäuschung über die niedrige Wahlbeteiligung war groß.

Von Carsten Friese und Helmut Buchholz

Große Emotionen im Großen Ratssaal bleiben aus
"Der Gemeinderat wird bunter." Mit diesen Worten verkündet Oberbürgermeister Harry Mergel (links) das Wahlergebnis. Ihm zur Seite stehen Statistikchef Stephan Hegemann und Wahlleiterin Monika Baumann.Fotos: Andreas Veigel

Kein Jubel ist zu hören, kein Freudenschrei, sachlich-ernst sind viele Mienen, einige Kommunalpolitiker klatschen in dem im Vergleich zu Vorgängerwahlen spärlich gefüllten Saal verhalten.

Dass Grünen-Fraktionschefin Susanne Bay ihrem Fraktionskollegen Alexander Habermeier kurz um den Hals fällt, ist schon als großer Ausbruch der Emotionen zu werten. Die Grünen sind ein Wahlsieger, haben nun fünf statt vier Sitze im großen Ratsrund. Vertreter von Linken und Bunter Liste sind gar nicht vor Ort, als der neue Gemeinderat feststeht. FDP-Spitzenmann Nico Weinmann kommt erst, als die anderen schon gehen. Politikerverdrossenheit? Oder liegt es daran, dass Zwischen- und Endergebnisse erstmals bei einer Kommunalwahl auch per Internet und Smartphone abrufbar sind?

Verschiebungen

Die Heilbronner Bürger haben gewählt und das Parlament bunter gemacht. Zwischen den etablierten sieben Parteien und Wählervereinigungen gibt es nur kleine Verschiebungen um maximal ein, zwei Sitze. Neu in den Gemeinderat ziehen aus dem Stand die Alternative für Deutschland (AfD) mit zwei Sitzen und die Bunte Liste ein. "Ich bin begeistert", sagt Fritz Kropp, Neu-Stadtrat der AfD. Man wolle mehr Transparenz im Rat, bei einigen Themen "wachrütteln". Was er zu Kritik sagt, viele AfD-Stimmen seien reiner Protest? "Das gibt es doch bei jeder Wahl", antwortet der Diplom-Kaufmann trocken.

Relativ früh standen kurz nach 13 Uhr die groben Machtverhältnisse im neuen Parlament fest. Spannung kommt nur noch auf, als mit weiteren Wahlbezirken ein Sitz zwischen Pro Heilbronn und FDP hin- und herwechselt. Ein Kunststück schafft die SPD, bei der alle bisherigen Stadträte auch wieder im neuen Parlament vertreten sind. "Never change a winning team", sagt eine gut gelaunte Sibylle Mösse-Hagen.

Kommunalwahl bedeutet aber auch, abgewählt werden zu können. CDU-Rätin Roswitha Löffler ist am Anfang da. Als sich anbahnt, dass sie nicht mehr im Stadtparlament sein wird, verlässt sie das Ratsrund. Das gleiche Schicksal erlebt Heiko Auchter. Pro Heilbronn hat nur noch einen Sitz, er ist draußen. "Es gilt den Wählerwillen zu akzeptieren", sagt er gefasst. Immerhin: In seinem Wohnort Klingenberg hat Pro das beste Resultat eingefahren. "Danke an die Klingenberger", lobt Auchter.

Unangefochtener Stimmenkönig der Wahl ist erneut Thomas Strobl (CDU, 28 304 Stimmen). Wegen wichtiger politischer Gremienarbeit in Stuttgart kann er nicht in Heilbronn sein. Ehefrau Christine ist da, hält per Smartphone Kontakt. "Er freut sich riesig", sagt sie. "Wir wissen, was wir an ihm haben", lobt CDU-Stadtchef Alexander Throm.

Trend

Die Wahlbeteiligung von 39,3 Prozent − die schwächste seit 1949 − ist für viele enttäuschend. "Alle demokratischen Parteien sind bei dieser Zahl Verlierer", fasst Malte Höch (Freie Wähler) zusammen. Man müsse über neue Formen der öffentlichen Beteiligung nachdenken. Das sieht auch Oberbürgermeister Harry Mergel so. Mit einem stärkeren Miteinander und mehr Bürgerbeteiligung wolle man versuchen, den überall verbreiteten Trend "spürbar zu verändern".

Vielleicht werden dann wieder mehr Emotionen im Ratssaal erlebbar. Auch Bürgeramtsleiterin und Wahlleiterin Monika Baumann hätte bei ihrer Premiere im Großen Ratssaal davon eigentlich ein bisschen mehr erwartet.

 

 

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