Polit-Aufsteiger will Intercity nach Heilbronn holen

Treffen am Lieblingsplatz: Ulrich Schneider kandidiert im Wahlkreis Heilbronn erneut für die Grünen

Von unserem Redakteur Carsten Friese

Polit-Aufsteiger will Intercity nach Heilbronn holen
Ulrich Schneider in der Pfeffer-Tagbar im Heilbronner Fleischhaus. Als erster grüner Abgeordneter aus der Region zog er 2011 in den Bundestag ein.Foto: Andreas Veigel

Ob er ein typischer Grüner ist? Ulrich Schneider muss kurz überlegen. Die gehobene Pfeffer-Tagbar im historischen Fleischhaus hat er sich als seinen Lieblingsplatz für das Kandidatenporträt ausgesucht. Weil er hier besonders gern ist, das gute Essen und "den tollen Kaffee" genießt und das Lokal als "Oase mitten in Heilbronn" schätzt.

"Ich bin ein pragmatischer, linker Grüner" stuft der Bad Rappenauer sich ein, einer, dem "ideologische Verbohrtheit fremd ist". In der Regel fährt er mit dem Zug von Heilbronn nach Berlin. Daheim in Bonfeld steht sein zwölf Jahre alter Saab, mit dem er im Jahr 2012 maximal 8000 Kilometer unterwegs war. "Wenn man auf dem Land lebt, kommt man ohne Auto nicht aus", sagt er. In Berlin dagegen, der Schaltzentrale der Politik, wo er eine Wohnung in Kreuzberg hat, nutzt der Parlamentsnovize das Car-Sharing.

Im Dezember 2011 kam Ulrich Schneider quasi über Nacht als Nachrücker in den Bundestag − als erster grüner Abgeordneter aus dem Wahlkreis Heilbronn. Jetzt ist sein Ehrgeiz geweckt, er will über die Landesliste (Platz 12) dieses Mal direkt ins Parlament einziehen. Der 40-Jährige ist zuversichtlich: 13 Prozent für die Grünen in Baden-Württemberg würden wohl reichen.

Berufspolitiker war vor Jahren eigentlich nicht das Ziel des Volkswirts, der gern schwimmt und Rad fährt und im Wahlkampf 2013 Radtouren mit Bürgern einführte. Ein Traumurlaub? Ein, zwei Wochen am Meer, mit vielen Büchern, Biographien oder historischen Inhalten.

Das politische Credo des früheren Eventmanagers und Geschäftsführers des Kirchentags dreht sich viel um gleiche Rechte. Bildungsgerechtigkeit, Mindestlöhne, in der Gesundheitspolitik eine Bürgerversicherung für alle statt einer Zwei-Klassen-Medizin führt er an. Die Verkehrsprobleme in der Region Heilbronn sind für ihn "drängend". Neben dem A 6-Ausbau will er den Bahnanschluss Heilbronns an den Fernverkehr forcieren. "Wenigstens einen Intercity oder Interregioexpress im Zwei-Stunden-Takt" müsse man neben einem besseren Takt der Frankenbahn hinbekommen. Auf Kritik, die Grünen seien eine Partei der Steuererhöher, reagiert Schneider gelassen. Ehrlichkeit sei ihm wichtig. Man müsse überall in die Infrastruktur investieren, ein Teil müsse über höhere Steuern kommen. "Die oberen zehn Prozent" der Einkommensskala wolle man belasten, nicht Facharbeiter oder die Mittelschicht. Er selbst, rechnet er vor, müsse etwa 700 Euro Steuern mehr im Jahr bezahlen.

Bekenntnis

Offenheit lebt der Ledige auch an anderer Stelle vor, er bekennt sich zu seiner Homosexualität. "Sie können ruhig schreiben, dass ich schwul bin", sagt Schneider. Er ist überzeugt, "dass man damit keine Wählerstimmen verliert".

Er sieht eine Chance auf Rot-Grün als neue Bundesregierung, weil viele Wähler noch nicht endgültig entschieden seien. Schneider will mitgestalten, etwas bewegen. Und der erste grüne Wahlkreisabgeordnete der Region in Berlin bleiben.


 

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