Immer auf der Suche nach mehr Gerechtigkeit

Treffen am Lieblingsplatz: Josip Juratovic (SPD) versteht sich als Arbeiter für die kleinen Leute

Von unserem Redakteur Jürgen Paul

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Wann immer es sein voller Terminkalender erlaubt, genießt Josip Juratovic die Ruhe auf dem Michaelsberg über Gundelsheim.Foto: Ralf Seidel

Heilbronn - Hier oben, auf "seinem" Michaelsberg hoch über Gundelsheim, liegt für Josip Juratovic "ein Stück Paradies". Auf seinem Stückle findet der Heilbronner SPD-Bundestagsabgeordnete den Ausgleich zum stressigen Politikerjob. Natur, Stille, Aussicht − mehr braucht Juratovic nicht, um den Kopf wieder frei zu bekommen.

Lust und Last

Das sagt einiges aus über den gebürtigen Kroaten, der seit 2005 im Bundestag sitzt. Bescheidenheit zeichnet Josip Juratovic aus, der große Auftritt ist seine Sache nicht. Deswegen ist ihm Wahlkampf nicht nur Lust, sondern auch Last. "Es gibt Menschen, die gerne Versprechungen hören", sagt der Gundelsheimer. Das bereitet ihm Sorge. Juratovic hat sich deshalb vorgenommen, auch im Berliner Politikbetrieb authentisch zu bleiben und unbequeme Wahrheiten auszusprechen. "Langfristig lohnt sich das", ist er überzeugt.

Die eigene Vita ist ihm dabei Hilfe und Verpflichtung zugleich. Der ehemalige Fließbandmitarbeiter und Betriebsrat bei Audi, der seit seinem Eintritt in die SPD 1982 die klassische Ochsentour in der Partei durchlaufen hat, versteht sich auch als Politiker als Arbeiter im besten Sinne. Im Akademikerparlament will er als "erster und einziger Fließbandarbeiter" die Interessen des kleinen Mannes vertreten. Dass er rhetorisch vielen Kollegen nicht das Wasser reichen kann, ficht Juratovic nicht an. "Wenn jemand was zu sagen hat, ist es egal, wie sprachgewandt er ist", sagt er und betont, dass auch der politische Gegner zuhört, wenn er sich im Plenum zu Wort meldet.

Dies tut Josip Juratovic vor allem dann, wenn es um seine Leib- und Magenthemen Arbeit, Soziales und Europa geht. Mit Verve prangert der 54-Jährige dann die Ungerechtigkeit an, die sich "in jede Pore unserer Gesellschaft" eingeschlichen habe. Etwa, wenn junge Leute nur noch befristete Anstellungen bekommen, die ihnen eine Lebensplanung unmöglich machten. Oder wenn hart arbeitende Menschen nicht von ihrem Lohn leben können. In Europa sieht Juratovic nichts weniger als die Demokratie bedroht. "Wir brauchen eine europäische Vision und eine Wirtschaftsstrategie für Europa, wenn wir den Frieden erhalten wollen."

Am liebsten ist der Mann, der bei seinen Entscheidungen "permanent nach mehr Gerechtigkeit" sucht, in seinem Wahlkreis Heilbronn unterwegs. Dort setzt sich der gläubige Familienvater für Ausbildung ein, geht in Schulen, um jungen Menschen Mut zu machen, damit er nicht weiterhin Sätze wie "Ich werde Hartzer" hören muss. Um Chancen und Perspektiven geht es Juratovic auch bei seinem Einsatz für eine bessere Infrastruktur in der Region. A6- und Schleusenausbau, Frankenbahn − diese Themen stehen auf seiner Agenda, wenn er am 22. September wieder in den Bundestag gewählt werden sollte.


 

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