Wenn ein Münzwurf die Wahl entscheidet: Kurioses zur Wahl

Wahl  Bundestagswahl hier, Bundestagswahl dort? Noch immer nicht genügend Informationen übers Wählen gesammelt? Wir haben sieben kuriose Fakten über die Stimmabgabe zusammengetragen.

Von Jens Dierolf und Torsten Büchele
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  1. Hohenloher NPD-Hochburg
    Foto: Peter Hohl
    Auf etwa ein Prozent der Stimmen könnte die NPD bei der Bundestagswahl am Sonntag kommen. Das Sammelbecken renitenter Rechtsabbieger hat aber schon einmal bessere Zeiten erlebt. Auch in der Region. Aus purem Protest gegen die Bundesregierung wählten die Bewohner aus dem hohenlohischen Verrenberg bei der Landtagswahl 1968 die NPD mit über 34 Prozent zur stärksten Kraft. Brisant: Kurz zuvor war Verrenberg in einem Fernsehbeitrag des WDR-Magazins „Monitor“ als brauner Sumpf des Südwestens dargestellt worden.  Dessen Bürger stemmten sich angeblich gegen jeglichen Fortschritt wie Flurbereinigung, Kanalisation und Gewerbeansiedlung. Die überzogene Darstellung heizte die Stimmung zusätzlich an, bis am Wahlabend die braune Suppe brühwarm auf dem Tisch stand. Der Bürgermeister löffelte sie nicht aus, sondern trat zurück.
  2. Bekenntnis zum Wahlbetrug 
    Giovanni di Lorenzo
    Foto: archiv/dpa
    Öffentlich überführt: Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur bei der Wochenzeitung „Die Zeit“, ist Deutsch-Italiener, besitzt beide Pässe – und ging damit bei der Europawahl 2014 zweimal wählen. Zuhause im Wahllokal und im italienischen Konsulat. Warum auch nicht, wie er in Günther Jauchs Talkshow freimütig zugab. Weil‘s illegal ist. Auch in einer EU mit Gurkenkrümmungsverordnung gilt: ein Mann, eine Stimme. Alles andere ist Wahlbetrug. Dafür drohen bis zu fünf Jahre Haft. Der Staatsanwaltschaft ermittelte – und stellte das Verfahren wegen Geringfügigkeit ein. Di Lorenzo hätte auch noch Spanier, Franzose und Belgier sein müssen, um das Wahlergebnis ernsthaft zu gefährden. Und absichtlich wollte er ja nicht betrügen.
  3. Entscheid per Münzwurf
    Symbolbild: dpa

    Warum noch wählen gehen? Versprechen doch eh alle das Gleiche: weniger Steuern, mehr Bildung, Gerechtigkeit und so. Kann man auch gleich 'ne Münze werfen. In Iowa, USA, geht das tatsächlich: In den Vorwahlen der Demokraten zur Präsidentenwahl 2016 stand Hillary Clinton mit ihrem Gegenkandidaten Bernie Sanders in mehreren Wahlbezirken genau auf Fifty-Fifty. Clinton entschied sich für Kopf – und Bernie zahlte mit seiner Niederlage. Wahlentscheidend für Clinton war das nicht. Sie hätte die Vorwahl auch so gewonnen. Wie viele Kurzentschlossene am Tag der Präsidentschaftswahl sich per Münzwurf für Donald Trump entschieden haben, ist nicht überliefert. 
  4. Wenn Verlierer gewinnen
    Javits-Messezentrum New York
    Foto: dpa
    Amerika ist eh anders. Da wird schon mal der Verlierer zum Gewinner. Durch das Wahlmänner-System kommt es vor, dass Kandidaten bundesweit die Mehrheit der Stimmen erhalten– aber weniger Wahlmänner aus den einzelnen Staaten bekommen. Und die zählen am Ende. Falls noch jemand fragt, wie Donald Trump Präsident werden konnte: genau so. Und auch George W. Bush errang auf diese Weise den Sieg in der Wiege der neuzeitlichen Demokratie.
  5. Digitales Debakel
    Foto: Archiv/dpa
    2005 wurden zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl Wahlcomputer eingesetzt – und auch zum (bislang) letzten Mal. 2007 demonstrierte der Chaos Computer Club nämlich, wie leicht man die Maschinen in 60 Sekunden hacken kann. Zwar könne er eine Wahlurne noch viel schneller austauschen – in 30 Sekunden nämlich, wie der Vize-Vorsitzende des Wahlprüfungsausschuss versicherte. Ein Austausch der Urne allerdings ließe sich nur schwer vertuschen. Hackerangriffe hingegen geschehen heimlich. Deshalb gilt der Wahlcomputer in der Öffentlichkeit seither als das gefährlichere Mittel der Wahl. 2009 erklärte das Bundesverfassungsgericht die erneute Kandidatur der Computer für verfassungswidrig. Dabei blieb es: Bis heute regiert im Wahllokal die konservative Koalition aus Bleistift und Papier.
  6. Feinheiten des Wahlrechts
    Symboldbild: dpa
    Wer gewählt werden will, hat bessere Chancen, wenn er vorher in eine Partei eintritt. Nach Adam Riese verdoppeln sich die Aussichten also, wenn man sich gleich zwei Parteibücher zulegt. Aber da hat jemand die Hochrechnung ohne den Gesetzgeber gemacht: Wer mehreren Parteien angehört, darf gar nicht antreten. Und wer nur einer Partei angehört, darf auch nicht für eine andere kandidieren. Das war im Jahr 2005 geschehen, als WASG-Mitglieder auf PDS-Listen antraten. 2007 verschmolzen die Gruppierungen zur Linkspartei.
  7. Vertrauen in eine tiefere Stimme
    Symbolbild: dpa
    Studien übers Wählen gibt es hunderte. Schließlich wollen Wahlkampfmanager genau wissen, wie sie ihren Kandidaten ins beste Licht rücken können. Eine Studie brachte dabei Überraschendes zutage. Casey Klofstad von der Universität in Miami hat in einem Experiment nachgewiesen, wem Frauen und Männer vertrauen: Kandidaten mit einer tiefen Stimme. Für ihr Experiment hat die Forscherin die Stimmen bei der Aufforderung der Kandidaten manipuliert, ihnen das Vertrauen zu schenken. Ergebnis. Die tiefere Stimme wird als kompetenter und vertrauenswürdiger empfunden.  

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