TV-Duell: Chance verspielt

Bundestagswahl  Kommentar des Stimme-Chefredakteurs Uwe Ralf Heer zum TV-Duell: Merkel wehrt die schwachen Attacken von Schulz ab. Der SPD gelingt kein Befreiungsschlag.

Von Uwe Ralf Heer

Die Erwartungen an das TV-Duell wurden im Vorfeld fast schon dramatisch überhöht. Warum eigentlich? Was sollte der gestrige Abend tatsächlich bringen, wenn vier Moderatoren zwei Kandidaten befragen? Eine lebendige Diskussion wohl kaum. Etwas Neues, gar Überraschendes? Auch nicht. Und so war es wie stets vor den vergangenen Bundestagswahlen: Eine Kanzlerin, die unaufgeregt antwortet und routiniert Fakten präsentiert. Auf der anderen Seite ein SPD-Herausforderer, der sich müht, jedoch so gut wie nie ins Schwarze trifft.

Die SPD setzte alles darauf, dass das Duell bei den ebenso konstanten wie niedrigen Umfragewerten einen Wendepunkt markiert. Schulz sollte attackieren und die Kanzlerin in die Ecke drängen. Doch der Kandidat verzettelte sich und rutschte einige Mal auf dem glatten Duell-Parkett aus. Das begann mit seiner ungefähren Aussage bei der Flüchtlingsthematik. Und eine schwer nachvollziehbare Pirouette vollführte Schulz bei der Türkei. Urplötzlich auf den jahrelangen Anti-Türkei-Kurs der CDU einzuschwenken, und jetzt auch das Ende der EU-Beitrittsverhandlungen zu fordern, war inkonsequent. Zumal er im Gegenzug das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei nicht aufkündigen will. 
Sein Scharmützel um die Maut kostete dann noch viel zu viel TV-Zeit, lief aber ins Leere. Damit verzockte er seine letzte Karte, die soziale Gerechtigkeit, die deshalb nicht mehr zur Sprache kam.
Merkel dagegen parierte ohne großes rhetorisches Feuerwerk. Aber dass sie als Kanzlerin einen Kurs des Machbaren fährt, wurde beim Thema EU, Türkei und Automobilskandal deutlich. Mehr noch: Merkel war insgesamt deutlich souveräner als in früheren Wahlduellen.

Am Ende war es wie erwartet: Das völlig überfrachtete Duell war weder wahlentscheidend noch der von den Sozialdemokraten erhoffte Befreiungsschlag.

 


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