Neckar-Zaber: SPD schrumpft auf die Größe der Kleinen

Neckar-Zaber  Eberhard Gienger wird den Wahlkreis Neckar-Zaber weiterhin im Bundestag vertreten. Auch wenn er deutliche Einbußen hinnehmen muss. Zweiter Vertreter für den Wahlkreis in Berlin wird künftig Marc Jongen von der AfD sein. Auch FDP und Grüne freuen sich über Zuwächse.

Von Christian Gleichauf

In dieser Grafik finden Sie alle Gemeinde-Ergebnisse aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber. Klicken Sie auf den Button links oben, um eine Partei auszuwählen. In allen Gemeinden war die CDU stärkste Partei. Hinweis: Die Farbgebung bezieht sich nicht auf die Stärke der Parteien untereinander. Sie stellt dar, wo die Parteien ihre besten und ihre schlechtesten Ergebnisse geholt haben. Dunklere Färbungen stehen für bessere Ergebnisse. Dadurch lässt sich nicht auf die Anzahl der Zweitstimmen schließen. Mit einem Klick auf die Gemeinden sehen sie das vorläufige Endergebnis. 

 

Das außergewöhnlich gute persönliche Wahlergebnis von 2013 kann Eberhard Gienger diesmal nicht wiederholen. Um 13 Prozent bricht der Anteil der Erststimmen ein. 53,2 Prozent waren es beim letzten Mal, nun nur noch 40. Der CDU-Abgeordnete aus Bietigheim-Bissingen bleibt allerdings mit klarem Abstand der direkt gewählte Vertreter des Wahlkreises Neckar-Zaber für die nächsten vier Jahre.

AfD-Mandat über die Landesliste

Und Gienger wird nicht der einzige Mandatsträger aus seinem Wahlkreis im Bundestag sein. Auch Marc Jongen hat das Ticket nach Berlin gelöst. Überdurchschnittlich viele Stimmen kann der baden-württembergische Landessprecher der AfD allerdings nicht für sich gewinnen. Mit 12,58 Prozent liegt er allenfalls auf dem Niveau des Landesschnitts.

Der Bundestags-Abgeordnete Eberhard Gienger (CDU, Mitte) beobachtet gespannt die ersten Hochrechnungen im Fernsehen. Seine Wahlveranstaltung fand in Kleinbottwar statt. Foto: Lisa Reiff

Überraschenderweise ist die AfD im Wahlkreis Neckar-Zaber auch bei den Zweitstimmen hinter FDP und Grünen. Doch der dritte Platz auf der Landesliste ist für Jongen eine sichere Bank. Allerdings hat der aus Südtirol stammende Partei-Vordenker, der in Karlsruhe wohnt, keine besondere Verbindung in den Wahlkreis.

Marc Jongen: „Wir sind hochzufrieden, da wir alle Ziele erreicht haben. Wir wollten ein zweistelliges Ergebnis und drittstärkste Kraft werden. Das ist uns gelungen. Dass ich im Wahlkreis den dritten Platz geholt habe, freut mich außerdem.“

Tiefstwerte für die SPD

Einen neuen Tiefstwert musste der SPD-Kandidat Thomas Utz hinnehmen. Trotz eines engagierten Wahlkampfs konnte der 28-Jährige keine 20 Prozent der Erststimmen einsammeln. „Nach acht Jahren Großer Koalition haben viele Wähler die inhaltlichen Unterschiede nicht mehr gesehen“, meint Utz.

Noch schlechter sieht das Zweitstimmenergebnis der Sozialdemokraten im Wahlkreis aus, die mit 16,4 Prozent so schlecht abschloss wie noch nie. Unter zwölf Prozent für die SPD in Hessigheim, Cleebronn und Mundelsheim, das sind Werte, die man bei der einst so stolzen Volkspartei bislang selten gesehen hat. Damit reiht sich die SPD hier in die Riege der ehemals kleinen Parteien ein.

FDP knapp hinter der SPD

Großer Gewinner bei den Zweitstimmen ist die FDP. 14,7 Prozent für die Liberalen, damit sind sie wieder drittstärkste Kraft im Wahlkreis – mancherorts sogar auf dem zweiten Platz deutlich vor der SPD, wie etwa in Flein (19,8 Prozent). Persönlich wenig davon profitieren konnte allerdings Kandidat Marcel Distl. Der 24-Jährige aus Freiberg am Neckar bekam nur 8,8 Prozent der Erststimmen.

Distl ist sowohl mit seinem persönlichen Abschneiden als auch dem FDP-Ergebnis im Bund sehr zufrieden. „Das zeigt, dass man aus der politischen Mitte heraus bei Wahlen gewinnen kann.“ Ein Dämpfer für Distl ist die Tatsache, dass die AfD in den Bundestag eingezogen ist. „Aber das muss man akzeptieren.“ 

Externe Grünen-Kandidatin überrascht

Obwohl sie nicht im Wahlkreis wohnt, schneidet Grünen-Kandidatin Catherine Kern aus Öhringen überraschend gut ab. Mehr als zwölf Prozent der Erst-, mehr als 13 Prozent der Zweitstimmen sind ein sehr gutes Ergebnis gegen den allgemeinen Trend. „Mein Ziel, 15 Prozent der Erststimmen zu holen, habe ich knapp verpasst“, sagt Kern. 

Ziel erreicht Walter Kubach hat sein persönliches Ziel nicht erreicht. Der Linke-Kandidat hat bei den Erststimmen keine fünf Prozent geholt. Das Ergebnis liegt bei 4,6 Prozent. Bei den Zweitstimmen reichte es zu etwas mehr als fünf Prozent.

Die kleinen Parteien ohne Bedeutung

Die kleinen Parteien spielten kaum noch eine Rolle. Harald Kubitzki für die Freien Wähler hat immerhin noch 1,7 Prozent geholt. Bei den Zweitstimmen kommt aber keine Partei mehr über die Ein-Prozent-Marke.

Außergewöhnlich ist die Wahlbeteiligung. Mit 81 Prozent liegt sie noch einmal deutlich über der bereits guten Marke von 2013. Spitzenreiter ist hier übrigens Talheim, wo 86 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gegangen sind, knapp gefolgt von Flein.

 

 

 

 

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