Kreisparteien in Hohenlohe zum Wahlausgang: Einsichten und Aussichten

Hohenlohe  Wie bewerten die hiesigen Parteichefs den Ausgang der Bundestagswahl? Wir haben nachgefragt bei den Spitzen von CDU, SPD, FDP, Grünen, AfD und Linken.

Von unserem Redakteur Ralf Reichert
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CDU

Christian von Stetten (l.) und Harald Ebner bleiben im Bundestag. Kommen sie sich durch eine Jamaika-Koalition noch näher? Abwarten. Hier steigen sie − am 14. September − in das Elektroauto des CDU-Politikers, das er dem Grünen-Abgeordneten für zwei bis drei Wochen überlassen hat. Testweise. Bei einem Wahlforum in Ilshofen hatte von Stetten dies versprochen.

Foto: privat

"Am wichtigsten war, dass unser Abgeordneter ein sehr gutes Ergebnis erzielt hat", sagt CDU-Kreisvorsitzender Arnulf von Eyb. Bei den Erststimmen musste Christian von Stetten zwar Federn lassen, er gewann aber souverän das Direktmandat und lag auch vor Kollegen aus Nachbar-Wahlkreisen. Die AfD hat viele CDU-Wähler abgefischt. Von Eyb bleibt gelassen: "Wenn diese Partei in den Bundestag einzieht und zur Kanzlerinnen-Jagd aufruft, werden die Menschen schnell feststellen, dass sie keine echte Alternative ist." Die AfD habe sich dumpfe Ängste zunutze gemacht. "Wir müssen den Menschen sagen, dass sich ein Flüchtlingstreck wie vor zwei Jahren nicht wiederholen wird und dass die Gefahr, die sie sehen, so nicht besteht." Von Eyb glaubt nicht, dass die "extreme Polarisierung" der AfD auf Dauer gutgehen wird. "Das wird erheblich krachen." Dass die SPD eine Große Koalition bereits ausgeschlossen habe, sei verantwortungslos: "Sie haben ja jahrelang mitregiert." Und Jamaika? "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass am Ende etwas Vernünftiges herauskommt."

SPD

Keine Große Koalition mehr? "Ich finde das richtig," erklärt Hans-Jürgen Saknus, Vize-Chef der Kreis-SPD. "Eigentlich waren wir im Maschinenraum und haben das Boot nach vorne gebracht, Merkel hat viel okkupiert." Seine These: "Nicht wir sind nicht mehr erkennbar, sondern die CDU muss sich überlegen, ob sie es noch ist." Jetzt gelte es, gute Oppositionsarbeit zu leisten. Allerdings ohne die bisherige Abgeordnete Annette Sawade. "Das ist fatal", meint Saknus. "Damit geht für uns als SPD der ländliche Raum verloren." Die Partei hat viele Stimmen eingebüßt. Was nun? "Noch mehr Politik für die Menschen machen. Fragen: Wo kriselt es, wo kracht"s?" Die Rechtspopulisten hätten viel "Hetze und Aggression" entfacht und "Angst gepredigt". Die Frage sei: "Ist sie berechtigt?" Und die AfD? "Sie werden sich früher oder später zerlegen."

FDP

Dass die AfD-Fraktion "Probleme bekommt", glaubt auch FDP-Kreischef Michael Schenk - "weil da Personen drin sind, die ganz am rechten Rand stehen". Für die FDP sagt er: "Erwartungen im Wahlkreis voll erfüllt" - und auf Bundesebene übertroffen. "Wir hoffen, dass uns Valentin Abel erhalten bleibt", so Schenk. "Er wird nächstes Mal auf der Landesliste weiter vorne stehen." Nun blickt alles auf Jamaika. Was ist für ihn nicht verhandelbar? "Das Zuwanderungsgesetz." Grüne und CSU zusammenzubringen, sei schwerer als FDP und Grüne. Wird es klappen? "Darauf würde ich nicht wetten." Eine Minderheitsregierung? "Das schließe ich nicht aus."

Grüne

Jamaika: "Das wird für alle eine ziemliche Zerreißprobe", sagt Grünen-Kreissprecher Willi Griese. "Der gesamte Umweltbereich" dürfe aus seiner Sicht auf keinen Fall preisgegebenen werden, also "Verkehr, Energie, Landwirtschaft". Mit dem Abschneiden seiner Partei ist Griese zufrieden, am meisten freut ihn, dass Harald Ebner Abgeordneter bleiben wird. Was sagt er zur AfD? Ihr "Auftreten" werde dafür sorgen, dass "ihre Wählerschaft zurückgehen wird".

AfD

Deren Kreischef Udo Stein erklärt: "Ich sehe uns bei der nächsten Wahl noch stärker." Das aktuelle Ergebnis sei "phänomenal", Stein schielt Richtung 30 Prozent - "wie in Österreich, da wollen wir hin". Freilich ohne Frauke Petry, die der Fraktion einen Korb gab. Das muss einem doch zu denken geben? "Ich bin persönlich von ihr enttäuscht." Aber: "Wir haben Inhalte, und die wollen wir umsetzen, ob mit oder ohne Frau Petry, ist egal." Stört ihn nicht die zunehmend rechte Ausrichtung? "Wir sind in der Zwischenzeit ja schon so weit rechts, dass wir links wieder "rauskommen", meint er scherzhaft. "In einer jungen Partei wird es immer Personen geben, die aus der Reihe tanzen werden. Wir haben eine gesunde Streitkultur." Auch die Grünen hätten "gewisse Häutungsprozesse" hinter sich.

Linke

Silvia Ofori, Kreissprecherin der Linken, sagt: " Unser Ergebnis ist okay." Am meisten beschäftigt sie aber der AfD-Aufstieg: "Das ist ganz schlimm." Sie schätzt: "Es können nächstes Mal durchaus noch mehr Rechte ins Parlament kommen." Die SPD will nun in die Opposition, das könnte eine gewisse "Annäherung" an die Linke zur Folge haben. Kommt Jamaika? Ofori: "Für die Grünen wäre das zerstörerisch." Kommentar "Zusammenhalten"

 

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