Kommentare zum Ergebnis der Bundestagswahl

Region  CDU und SPD wurden gerupft, die AfD hat extrem zugelegt. Unsere Kollegen kommentieren das Ergebnis in den drei Wahlkreisen der Region.

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WAHLKREIS HEILBRONN

Signal

Von Iris Baars-Werner

Iris Baars-Werner

Der Wahlkreis Heilbronn wird nach viel Zittern vermutlich mit vier Abgeordneten in Berlin vertreten sein. In früheren Jahren war die möglichst große Anzahl von Mandaten aus dem Raum Heilbronn hier Anlass für Freude. Je mehr regionale Stimmen, umso besser für die Region. Dieses Mal sind die Wahlbürger eifriger als sonst zur Wahlurne gegangen – doch vom Stimmenzuwachs hat zuvorderst die Partei profitiert, deren prominenteste Exponenten nicht selten mit extrem hetzerischen, rassistischen und völkischen Parolen auffallen – die AfD. Sie ist in der Stadt und den umgebenden Landkreisgemeinden inzwischen nur noch etwa 2400 Stimmen von der SPD entfernt. Von früheren Anhängern der beiden ehemals großen Volksparteien und den einstigen Nichtwählern kamen viele Stimmen für die Rechten. Das ist ein Signal , das muss diese Parteien aufrütteln. 

Alexander Throm und Josip Juratovic haben beachtliche Erststimmenergebnisse erzielt. Throm aus dem Stand und trotz einer massiv einbrechenden CDU, Juratovic mit jahrelanger intensiver Wahlkreisarbeit und gegen den SPD-Trend. Dem fleißigen SPD-Mann ist zu wünschen, dass die endgültige Wahlrechnung gut ausgeht.

>>So wurde im Wahlkreis Heilbronn gewählt

 

WAHLKREIS NECKAR-ZABER

Schwäche

Von Reto Bosch

Reto Bosch
Reto Bosch

In einer sich dramatisch verändernden politischen Landschaft bleibt Eberhard Gienger (CDU) im Wahlkreis Neckar-Zaber die Konstante. Er muss starke Einbußen hinnehmen, sichert sich aber mit einem großen Vorsprung erneut das Direktmandat. Das liegt an der konservativen Struktur der Region, das liegt aber auch an der erschreckenden Schwäche der SPD. Deren Kandidat, Thomas Utz, hat sich als politisches Talent erwiesen, sicher in der Argumentation, eloquent, überzeugend. Der 28-Jährige liegt über dem Zweitstimmenergebnis seiner Partei, bei Marcel Distl (24) und der auffällig starken FDP ist es umgekehrt. Aber: Es verdient Respekt, wenn junge Menschen politisch wirken.

Catherine Kern von den Grünen ist im Wahlkreis wenig bekannt, die Öhringerin hat dafür ein ordentliches Ergebnis eingefahren. Seit 2005 wird Neckar-Zaber zum ersten Mal wieder von zwei Abgeordneten vertreten. Dr. Marc Jongen startete für die rechtspopulistische AfD von einem sicheren Listenplatz. Er muss nun beweisen, dass der Wahlkreis für ihn mehr ist als ein Vehikel in den Bundestag. Und seine politische Arbeit wird endlich zeigen, wo er im Spektrum der AfD zwischen gemäßigten und national-völkischen Kräften zu verorten ist. 

>>So wurde im Wahlkreis Neckar-Zaber gewählt

 

WAHLKREIS SCHWÄBISCH HALL-HOHENLOHE

Zäsur

Von Ralf Reichert

Ralf Reichert

Das Ergebnis dieser Bundestagswahl wird die Menschen noch lange beschäftigen, denn sie ist eine Zäsur : auch im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe. Christian von Stetten hat für die CDU zwar zum fünften Mal in Folge das Direktmandat gewonnen, aber mit dem bis dato schlechtesten Ergebnis. Das muss ihm zu denken geben, zumal er auch bei den Zweitstimmen knapp unter dem Tiefpunkt von 2009 liegt. Minus 11,8 Prozentpunkte hier, minus 12,3 Prozentpunkte dort: Die Verluste sind erdrutschartig.

SPD-Frau Annette Sawade ist bei der Erst- und Zweitstimme unter die 20-Prozent-Marke gerutscht: Auch für die Sozialdemokraten ist das ein Fiasko, noch nie haben sie im Wahlkreis so schlecht abgeschnitten. Für Sawade heißt es jetzt, Abschied zu nehmen. Listenplatz 19 reicht nicht zum Wiedereinzug in den Bundestag. 

Während die beiden Volksparteien schwer gerupft wurden, hat die AfD die politischen Kräfteverhältnisse in Schwäbisch Hall-Hohenlohe extrem verschoben. 14,6 Prozent bei den Zweitstimmen: Das ist ein enormer Zuwachs und liegt über den Ergebnissen im Land und im Bund. Bei der Erststimme schaffte Stefan Thien aus dem Stand 13,5 Prozent. Bei den etablierten Parteien müssen bei solchen Werten die Alarmglocken schrillen. Keiner kann jetzt zur Tagesordnung übergehen. Auch Harald Ebner nicht, der das Ergebnis von 2013 verbessern konnte und sein Mandat verteidigt hat. Der Youngster Valentin Abel hat die FDP in Hohenlohe reanimiert und ist der liberale Hoffnungsträger der Zukunft.

Drei statt zwei Abgeordnete: Im Wahlkreis ticken nicht nur deshalb die Uhren jetzt ganz anders.

>>So wurde im Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe gewählt


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