Große Kreisstädte rücken nach rechts

Bad Rappenau/Eppingen  Bundestagswahl in Bad Rappenau und Eppingen: Die AfD holt in einzelnen Wahlbezirken fast ein Viertel der Stimmen.

Von Alexander Hettich und Simon Gajer
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In Bad Rappenau und Eppingen hat die AfD bei der Bundestagswahl überdurchschnittliche Ergebnisse eingefahren. In der Fachwerkstadt liegt die Partei bei den Zweitstimmen vor der SPD auf Rang zwei, in manchen Wahlbezirken stimmte jeder vierte Wähler für die AfD. In Bad Rappenau liegt die Partei mit 17,6 Prozent nur 0,9 Prozentpunkte hinter der SPD. Vertreter der etablierten Parteien rechnen nun auch bei den nächsten Kommunalwahlen mit Konkurrenz aus dem rechtskonservativen Lager.

AfD-Hochburg

Eppingen zählt zu den AfD-Hochburgen in der Region. Holte die Partei im Wahlkreis Heilbronn 16,4 Prozent der Zweitstimmen, waren es in der Fachwerkstadt 18,1 - ein halber Prozentpunkt mehr als die SPD. Das heißt: Platz zwei hinter der CDU. In der Nordstadt holte die AfD fast 26 Prozent der Zweitstimmen. "Für Eppingen schäme ich mich ein bisschen", sagte Eppingens SPD-Sprecher Hartmut Kächele angesichts des AfD-Ergebnisses. Das Resultat der Sozialdemokraten findet er "enttäuschend", aber nicht unbedingt überraschend. Seine Partei habe die Position des "Kanzlers der kleinen Leute" geräumt, zu wenig die Karte Gerechtigkeit gespielt. Dass die SPD in die Opposition will, hält Kächele für richtig. "Zur Besinnung kommen und klare Kante zeigen", müsse die Devise sein.

AfD tritt bei Kommunalwahl an

"Erfreut und stolz" zeigte sich Jürgen Koegel. Der AfD-Wahlkreiskandidat lebt in Eppingen-Adelshofen, war dort früher Ortsvorsteher und gehörte auch schon für die Freien Wähler dem Gemeinderat an. Von der AfD im Bund erhofft sich Koegel eine "starke Opposition". Für die Kommunalwahl 2019 kündigt er schon mal eine eigene AfD-Liste an. Ob er selbst kandidiere wird, lässt er offen.

Jamaika-Koalition

Georg Heitlinger vom FDP-Ortsverband zeigt sich zufrieden mit dem Abschneiden der Liberalen. Das AfD-Abschneiden empfindet er als Wermutstropfen: "Da bekam man schon beim Auszählen schlechte Laune." Heiltinger rechnet mit einer Jamaika-Koalition im Bund: "Die müssen sich jetzt zusammenraufen."

"Keine Wunschoption"

Eine Jamaika-Koalition ist für den Bad Rappenauer Kommunalpolitiker Robin Müller keine Wunschoption. Kritik übt der GAL-Stadtrat an der SPD, die für eine große Koalition nicht zur Verfügung steht: Man brauche einerseits einen starken Oppositionsführer. Anderseits aber sagt Müller: "Man darf sich dem Wahlergebnis aber nicht verweigern." Neuwahlen als letzte Option brächten vermutlich kein deutlich anderes Ergebnis. Er hatte erwartet, dass sich mehr Wähler für die grüne Politik begeistern lassen. "Entsetzt" sei er über das Abschneiden der AfD. Es gebe andere Möglichkeiten, wenn man mit der bisherigen Politik unzufrieden sei.

Rappenauer Ergebnis

Überrascht ist Robin Müller, wie die AfD in Bad Rappenau abschnitt. Er erkenne nicht, dass die Not in der Stadt so groß sei. Zumal auch niemand zu den Grünen komme, um darüber zu reden. In Treschklingen erhielt die AfD fast 24 Prozent der Zweitstimmen, in Wollenberg 22 Prozent. Zum Vergleich: In den Stadtteilen mit Flüchtlingsunterkünften kam die AfD auf weniger Stimmen: Fürfeld 18,1 Prozent, Bonfeld 17, 3 Prozent. Ein Weg, um die AfD-Wähler zurückzugewinnen: Man müsse den Menschen aufzeigen, dass es Möglichkeiten der Mitbestimmung gebe. "Wir müssen versuchen, die Leute zu motivieren, mitzumachen", sagt Robin Müller.

Wahlkampf vor Ort

Erwin Wagenbach, CDU-Stadtverbandsvorsitzender und Stadtrat, hatte zwar mit Verlusten seiner Partei gerechnet. "Aber dass die AfD so stark wird, hatten wir nicht auf dem Schirm." Mit dem Direktkandidaten Alexander Throm habe er viele Stadtteile besucht, doch das hätten die Wähler nicht honoriert. Den Erfolg der AfD in der Stadt kann Wagenbach nicht nachvollziehen. Im Stadtverbandsvorstand werde man über das Ergebnis diskutieren und überlegen, wie man damit umgehe.

 

 

 

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