AfD: Erklärungen scheinen mitunter ganz einfach

Region  Im Plattenwald und in Amorbach hat die AfD im regionalen Vergleich überdurchschnittlich stark abgeschnitten − woran liegt das? Unsere Kollegin hat sich in den beiden Orten umgehört.

Von Lisa Reiff
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Einen Tag nach der Wahl war es im Bad Friedrichshaller Stadtteil Plattenwald schwer, Stimmen zum Wahlausgang zu finden.

Foto: Lisa Reiff

Nirgendwo sonst in der Region hat die AfD so viele Stimmen bekommen wie im Bad Friedrichshaller Stadtteil Plattenwald. Haben die Wähler die Partei aus Protest gewählt, oder stehen sie tatsächlich hinter ihren Forderungen?

Zur Antwort auf die Frage bekommt man am Europaplatz im Plattenwald oft nur Schweigen. Viele wollen sich zum Wahlergebnis nicht äußern. Die AfD bekam hier 36,5 Prozent der Erst- und 36,8 Prozent der Zweitstimmen.

"Die lehnen alles ab"

"Ich schätze, die lehnen eben alles kategorisch ab", meint Michael Schedel (40). Ein bisschen Protest könne ja vorkommen. "Aber dass die AfD jetzt im Bundestag sitzt - und so stark vertreten ist, das ist schon ein anderes Kaliber." Schedel wohnt im Plattenwald und gab seine Stimmen der SPD. Sein Nachbar habe die AfD gewählt, weil er gegen die Regierung protestieren wollte.

"Wo soll man denn da nicht stinkig werden?", fragt eine 38-jährige Mutter. Sie wohnt mit ihrer Familie seit fünf Jahren im Plattenwald. Dass die AfD gerade hier so erfolgreich ist, wundert sie: "Hier leben doch 50 Nationen."

Sie selbst habe nicht gewählt - und wenn sie gewählt hätte, dann auf keinen Fall die CDU. Dass Angela Merkel weiterhin regieren kann, findet sie nicht gut. "Unsereins geht zu zweit arbeiten, und es bleibt trotzdem nichts übrig." Für die Flüchtlinge dagegen würde man Häuser bauen, und ihnen Kindergeld geben für Kinder, die gar nicht in Deutschland sind.

Thema Flüchtlinge beschäftigt

Rimantas Stankevicus wohnt auch im Plattenwald. Der 53-Jährige stammt aus Litauen und darf in Deutschland nicht wählen. Eine Erklärung für den AfD-Erfolg versucht er trotzdem zu geben: "Ich bin nicht überrascht. Merkel ist die beste, die wir haben. Aber die CDU hat mit den Ausländern einen schweren Fehler gemacht."

Flüchtlinge würden heute so viel Geld bekommen wie sie wollten. Früher, als die Leute aus Russland und Italien kamen, sei das anders gewesen. Stankevicus sagt: "Ich arbeite als Schreiner und habe kein Handy. Aber ich sehe überall Flüchtlinge mit Handys - und das sind gute Modelle."

Leute gehen aufgebracht weiter

Auch in Amorbach, wo die AfD 28,4 Prozent der Erst- und 30,3 Prozent der Zweitstimmen bekommen hat, wollen sich viele Menschen nicht äußern - weil sie kein Deutsch verstehen oder weil sie das Wahlergebnis nicht interessiert und aufgebracht weitergehen.

Johann Kiruschin (28) aus Amorbach sagt: "Ich habe vorher nicht gewählt. Dieses Mal habe ich nur aus Protest gewählt." In Amorbach seien viele Russen unterwegs, da profitiere die AfD, weil sie auch russische Politiker in der Partei habe. Für Kiruschin gibt es nur ein Problem: "Es sind viel zu viele Flüchtlinge aufgenommen worden."

 


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