Reden oder schreiben? Hier gehen die Meinungen auseinander

Heilbronn  Presseanfragen werden von Pressesprechern zunehmend schriftlich beantwortet. Was bedeutet das für die journalistische Berichterstattung?

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Ohne sie geht es nicht. Pressesprecher erfüllen wichtige Aufgaben. Angestellt bei einem Unternehmen, erteilen sie Auskünfte, die notwendig sind, damit in einem Artikel die wichtigsten Fragen zu einem Thema beantwortet sind. Sie vertreten ihren Arbeitgeber nach außen. Auch Behörden, Ämter oder Ministerien kommen ohne Pressesprecher nicht aus. Ein Griff zum Telefonhörer war noch vor zehn Jahren selbstverständlich, um Informationen zu erhalten.

Mehr und mehr pochen Pressesprecher auf schriftliche Anfragen. Diese erhält der Journalist in der Regel auch schriftlich beantwortet. Wie verändert das den Inhalt der Informationen? Wie wichtig ist es, die Stimme bei einem Gespräch zu hören? Und wie ist es, wenn es nur schwer möglich ist nachzufragen?

Keine Verzögerung

"Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass börsennotierte Unternehmen oder Ministerien schriftlich antworten", sagt Alexander von Schmettow (45), Pressesprecher beim Bund Deutscher Zeitungsverleger. Aussagen beeinflussten Aktienkurse. Für Journalisten sei eine schriftliche Antwort eine gute Absicherung. Es dürfe aber nicht dazu führen, dass sich die Berichterstattung verzögere oder erst gar nicht zustande komme.

Beim Deutschen Journalisten-Verband beobachte man einen leichten Trend hin zu schriftlichen Presseauskünften, erklärt Geschäftsführer Gregor Schwarz (41). Bei Antworten von Behörden bestehe die Gefahr, dass die öffentliche Verwaltung in die PR-Schiene gerate und es beliebig wird, was in Zeitungen stehe. Im Zweifel halte er das gesprochene Wort für das bessere.

Antworten seien unmissverständlich

Dieser Meinung ist auch Marco Vollmar (50). Er ist ehrenamtlicher Pressesprecher und Präsidiumsmitglied beim Bundesverband der Kommunikatoren, also Pressesprecher der Pressesprecher - mit 4500 Mitgliedern nach eigenen Angaben der größte Verband der Branche bundesweit. "Grundsätzlich ist das gesprochene Wort die erste Form. Es ist durch nichts zu ersetzen." Schriftlich beantwortete Anfragen seien hingegen oft konkreter, die Antwort dichter und zudem unmissverständlich.

Für die Entscheidung, schriftlich zu antworten, müsse man Verständnis aufbringen, erklärt Vollmar. Gerade bei komplexen Themen, wie Fragen rund um Covid sei es entscheidend, dass jede Silbe passt. Er schlägt vor, dass Presseanfragen schriftlich fixiert und danach mündlich erläutert werden.


Jürgen Kümmerle

Jürgen Kümmerle

Reporter

Jürgen Kümmerle ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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