Premium bei stimme.de - warum nachhaltiger Journalismus treue Abonnenten braucht

Region  Seit über einem Jahr sind viele regionale und lokale Artikel auf stimme.de nur noch für Abonnenten zu lesen. Das entzürnt viele Nutzer, weil sie es zuvor anders gewohnt waren. Wir erklären die Hintergründe und warum wir dieses Modell beibehalten und sogar ausbauen werden.

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Stellen Sie sich folgende Szene vor: Ein Kunde betritt eine Bäckerei, bestellt ein Brot, wird aber pampig, als er aufgefordert wird, das Brot auch zu bezahlen. Immerhin sei Brot lebensnotwendig für die Menschheit, rechtfertigt er seinen Ärger, die Bäckerei sei verpflichtet, deren Überleben zu sichern. Außerdem könne man das Brot zu Hause selbst backen, also sollte man es doch lieber gleich hier in der Bäckerei verschenken. Es sei sowieso eine Frechheit, dass die Bäckerei auf Facebook werbe und ihr Brot dort anpreise – denn Facebook sei ja eine kostenfreie Plattform, deswegen müsse alles dort Gepostete auch kostenfrei sein.

Zugegeben, das Beispiel ist überzogen. Aber nicht selten fühlt man sich als Redakteur der Heilbronner Stimme an eine solche kuriose Situation erinnert. Weil die Heilbronner Stimme eine Vielzahl ihrer lokalen und regionalen Berichterstattung online nur noch zahlenden Abonnenten zugänglich macht, ist der Ärger mancher Leser hoch. Und auch Gemeinderäte, Firmen oder Vereine ärgern sich oft darüber, wenn stimme.de ihre Berichte hinter einer Paywall platziert. Weil ihnen damit ein wichtiger Multiplikator-Kanal wegbricht.

Viel hilft nicht mehr viel

Tatsächlich galt in den Verlagen lange das Motto, online möglichst viel frei lesbar zu machen. Das lag an der Unwissenheit im Umgang mit dem Konkurrenzmedium Internet als auch an der Hoffnung, durch digitale Werbung Geld zu verdienen. Viel hilft viel war die Devise – je zahlreicher die Klicks, desto mehr sollte die Kasse klingeln. Doch nachhaltiger Journalismus kann auf Dauer so nicht finanziert werden. Die Online-Werbeeinnahmen sinken mit jedem Jahr, der Großteil der Werbetreibenden wirbt mittlerweile lieber direkt auf Google und sozialen Netzwerken als auf den Online-Seiten von Regional- oder Lokalzeitungen. Über 600 Mitarbeiter hat der Verlag, davon arbeiten 95 in der Redaktion für tägliche Nachrichten, Geschichten, Reportagen und Analysen, für die Heilbronner Stimme, Kraichgau Stimme und die Hohenloher Zeitung. Auch an Sonn- und Feiertagen. Leser und Journalisten müssen sich gleichsam an das Konzept gewöhnen, dass eine Zeitung nur dann beständig mit hoher Qualität produziert werden kann, wenn sie auf die Generierung von treuen Abonnenten setzt statt auf Reichweite– vor allem online.  

Direkt am Puls der Region

Damit entsteht aber auch ein viel direkterer Feedback-Kanal. Denn mit der Ausrichtung auf den digitalen Vertriebsweg erschließt sich unseren Redakteuren eine völlig neue Sicht auf Themen und Aufbereitung.  Wo man früher vielleicht gemurmelt hätte „das haben wir doch schon gemacht“, sehen wir heute schnell das Interesse der Leser an einem Thema und bohren weiter. Es wird weiter recherchiert, nochmals nachgehakt, eine neue Perspektive gesucht. So profitiert auch die gedruckte Zeitung vom digitalen Vertrieb, weil sie noch näher am Puls der Region ist.

Premium-Artikel auf allen Kanälen

Unsere digitalen Abonnenten kommen auf unterschiedlichsten Wegen zu uns. Viele besuchen uns täglich auf stimme.de, manche lesen gespannt unsere Newsletter. Viele finden aber auch in ihren Facebook-Feed interessante Artikel. Daher posten wir auch auf Facebook Premium-Artikel, die nur von Abonnenten gelesen werden können. Das provoziert gelegentlich Kommentare, die das Vorgehen in Frage stellen. Viele Facebook-Nutzer sind offenbar der Meinung, dass auf Facebook alles kostenlos sein müsse. Andere Nutzer hinterlassen unter Artikeln einfach ihre Meinung, ohne auch nur einmal den Inhalt angesehen zu haben – allein auf Basis der Überschrift. Auch das ist schade, denn qualitativ wirklich zur Diskussion beitragen kann in der Regel nur, wer alle Fakten kennt. Dabei kann jeder das Digital-Premium-Abo auf stimme.de einfach kostenlos testen. Einen Monat lang kann man alle Premium-Artikel lesen und muss sich dann erst entscheiden, ob man Abonnent bleibt oder nicht. Das Digital-Abo ist dabei nicht teurer als mancherorts ein Eiskaffee. 

Auch und gerade während Corona: Paywall ist wichtig

Oft genug brandet auch der Vorwurf auf, dass man während der Corona-Pandemie am besten alle Informationen vor die Paywall setzen sollte. Um das Verständnis in der Bevölkerung zu vergrößern und gegen Fake News vorzugehen. Selbst Moderatoren wie Jan Böhmermann stießen in dieses Horn. Tatsächlich bietet auch die Heilbronner Stimme viele essenzielle Informationen kostenlos an, seit über einem Jahr sogar einen kostenlosen Corona-Newsletter. Aber eben nicht alle.

Denn der wirtschaftliche Einbruch während der Pandemie hat auch vor Zeitungsverlagen nicht Halt gemacht. Ohne Veranstaltungen und Handel müssen auch keine Anzeigen geschaltet werden – der finanzielle Einbruch in diesem Sektor war enorm. Aber nur eine voll leistungsfähige und wirtschaftlich gesunde Redaktion kann die Informationen aufbereiten, die man von einer Zeitung erwartet. Dass vor allem langfristige und treue Abonnenten für eine Zeitung wichtig sind, wurde nochmals bestätigt

Wir setzen daher unsere ganze Arbeitskraft in unsere Abonnenten. Und wir werden weiterhin jeden Kanal nutzen, um diese mit allen wichtigen Nachrichten aus der Region zu versorgen. Testen Sie es doch einfach mal selber.

 

 


Christine Tantschinez

Leiterin Onlineredaktion

Christine Tantschinez ist seit Oktober 2020 als Leiterin der Online-Redaktion und stellvertretende Chefredakteurin bei der Heilbronner Stimme. Zuvor war sie in gleicher Position beim Zeitungsverlag Waiblingen. Mit drei Jahren durch die erste Atari-Konsole des älteren Bruders bereits digitalisiert, hat sie auch eine ausgeprägte analoge Seite: die Liebe zu Vinyl und Plattenspielern.

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