Nationalität in Presseberichten nennen - ja oder nein?

Heilbronn  Die Nennung oder Nicht-Nennung der Nationalität sorgt regelmäßig für Diskussionen. Bringt sie Klarheit oder befördert sie Vorurteile?

Von Alexander Klug

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Foto: Mikhaylovskiy/stock.adobe.com

In regelmäßigen Abständen erreichen die Redaktion Zuschriften, in denen Leser die Nennung der Nationalität fordern oder monieren - vor allem, wenn es um Meldungen rund um Kriminalität geht. Das sorgt ebenso regelmäßig für Gespräche und Diskussionen, sowohl unter Journalisten als auch mit Lesern. Doch worum geht es beim Thema Nationalität? Wer nennt sie oder nennt sie nicht und warum?

Anfragen, die sich auf die Nennung der Nationalität im Kontext von Polizeiarbeit beziehen, sehen zum Beispiel so aus wie die von Ende März. "[...] Warum werden bei illegalen Welpentransporten nicht "Ross und Reiter" - die Nationalität der Kriminellen genannt!? Das Kfz-Kennzeichen war bestimmt eindeutig. Mit dieser "Political Correctness" wird auch die Stimme nicht dazu beitragen, dass der Welpenhandel aus dem "Osten" auf den Parkplätzen der Autobahnraststätten endlich zumindest eingedämmt wird. Ich bin der Meinung, dass ihren Lesern sehr wohl öfter bei kriminellen Handlungen die Nationalität genannt gehört."

Hätte in die Meldung zu den Welpenschmugglern die Nationalität gehört, so sie den Behörden oder uns bekannt ist? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Der Deutsche Presserat widmet dem Thema Nationalität die Richtlinie 12.1 zum Pressekodex. "Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse", führt die Richtlinie aus. In der Berichterstattung über Straftaten sei darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. "Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

Verboten sei die Nennung der Zugehörigkeit von Straftätern und Verdächtigen zu Minderheiten nicht, die Redaktion muss gewichten und "in jedem einzelnen Fall verantwortungsbewusst (zu) entscheiden, ob für die Nennung einer Gruppenzugehörigkeit ein begründetes öffentliches Interesse vorliegt oder die Gefahr der diskriminierenden Verallgemeinerung überwiegt." Kein geeigneter Bewertungsmaßstab sei Neugier - abzuwägen sei auch, wenn andere, etwa Behörden oder Polizei, derartige Informationen veröffentlichen oder es nur Vermutungen hinsichtlich des Zusammenhangs aus Herkunft und Tat gebe.

Man veröffentliche die Nationalität oder Herkunft nicht, wenn sie für das Verständnis des Sachverhalts nicht relevant ist, sagt der Sprecher des Heilbronner Polizeipräsidiums, Carsten Diemer. Das ist regelmäßig bei einfacher Kriminalität, Massen- und Verkehrsdelikten der Fall. "Wenn ein betrunkener Autofahrer einen Unfall verursacht, spielt es keine Rolle, welcher Bevölkerungsgruppe er angehört."

Ziel sei, neutral und objektiv zu berichten, sagt Diemer. Dazu gehöre die Nennung der Staatsangehörigkeit nur, wenn im Einzelfall ein sachlich begründetes öffentliches Interesse daran bestehe - etwa, wenn es um regionale Brennpunkte geht. "Wenn diese Information bereits öffentlich ist, halten wir sie zudem nicht gegenüber einzelnen Anfragenden zurück", führt der Beamte aus. Warum das verschiedene Dienststellen teils unterschiedlich handhaben, könne er nicht sagen.

 


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