Von Buckeln und richtigen Bergen in Hohenlohe

Hohenlohe  In unserer Serie "Mit Dem Rad durch die Region" geht es heute bergauf und bergab: Wer die anstrengenden Höhenmeter nicht scheut, der wird in Waldenburg mit einem grandiosem Ausblick belohnt.

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Die Tour hat es in sich. Foto: HSt-Grafik

Eines ist sicher: Es kann kein Radfahrer gewesen sein, der der Hohenloher Ebene den Namen gegeben hat. Von wegen eben. Man muss nicht zwingend nach Waldenburg hochstrampeln, um ins Schwitzen zu kommen und den einen oder anderen netten Anstieg zu bewältigen. Diese Routen haben oft harmlose Namen wie "Schiefe Ebene" oder "Buckelestour". Heute aber soll es tatsächlich mal auf den Balkon Hohenlohes gehen. Wenn schon Buckel, dann richtig Buckel.

Start in Bitzfeld

Start ist am Sportplatz in Bitzfeld. So gibt es schon gleich die ersten Höhenmeter durch das Bitzfelder Wohngebiet Richtung Verrenberg. Unterhalb vom Golberg ist es am Morgen noch herrlich kühl. Fern am Horizont ist der Katzenbuckel zu sehen. Dicke Wolken steigen kerzengrade über dem Kraftwerk auf. Nach Tagen voller Sonnenschein schiebt sich heute die eine oder andere Wolke davor. Wir werden noch froh darum sein.

Steige ist eine Verharmlosung von sausteilem Anstieg

Von Buckeln und richtigen Bergen in Hohenlohe

Die Gegenseite vom Höhenrandweg ist nicht weniger schön. Hier geht der Blick an den Häusern entlang bergab.

Um vielleicht doch etwas gemäßigter auf den Balkon Hohenlohes zu kommen und weil es Richtung Steinbacher Tal so hübsch aussieht, radeln wir von Verrenberg über Feldwege Richtung Öhringen, Pfedelbach, Baierbach und peilen dann eigentlich Untersteinbach an, um dann mit einem mächtig steilen Berg am Talende nach Waldenburg zu kommen. Doch die Verlockung ist zu groß, einfach den Radwegschildern zu folgen, und so fahren wir plötzlich einen Haken und nähern uns Michelbach. Hier lernen wir: Das Wörtchen "Steige" ist eine Verharmlosung von "sausteilem Anstieg". Wie wir die Neuensteiner Steige hinter uns und den Blick auf Obersöllbach, Eschelbach und die Weinberge vor uns haben, ahnen wir, was noch auf uns zukommt.

Von Buckeln und richtigen Bergen in Hohenlohe

Von dem Turm am Stadteingang hat man einen tollen Blick auf die bewältigten Höhenmeter.

Fotos: Yvonne Tscherwitschke

Ob die Höhenmeter gleich im Anschluss vernichtet werden und es Richtung Eichberg ganz oben in den Weinbergen geht? Nein, erst geht es nochmal bergab. Tatsächlich. Und über asphaltierte und gekieste Wege geht es Richtung Lindich, unterhalb von Waldenburg. Das tatsächlich mörderische Stück ist nicht der letzte steile Anstieg hoch zum Höhenrandweg. Es sind die zwei, drei Kilometer, die man auf der neuen Straße, die von Kesselfeld Richtung Waldenburg führt, fahren muss. Lastwagen samt Anhänger überholen so rücksichtslos, dass der Fahrtwind fast das Rad ansaugt und der Gegenverkehr in den Graben ausweichen muss. Autofahrer fahren mit weniger als einem Meter Abstand ohne langsamer zu werden an uns vorbei. Herzlichen Dank. Die Polizei sollte nur einen Tag per Rad unterwegs sein und Strafzettel schreiben. Die Behördenkasse wäre gefüllt.

Tasse Kaffee und Nusszopf

Schön, dass die letzten steilen Meter weg von der Straße hoch zum Bergstädtchen führen. Der Ausblick ist fantastisch. Rechts ist ein Gehege mit hellen Hirschen. Links wachsen Äpfel, erste reife Zwetschgen. Und die Einkehrmöglichkeiten am Höhenrandweg erinnern daran, dass zu einer schönen Radtour auch eine schöne Tasse Kaffee gehört. In Waldenburg gibt es einen Blick über die, richtig, Hohenloher Ebene, gratis dazu.

Von Buckeln und richtigen Bergen in Hohenlohe

Man kann die Brücken von oben und von unten betrachten. Beide Perspektiven sind spannend, Waldenburg fühlt sich ein bisschen an wie die Provence.

Wenn ich jetzt sage, dass es ein Donnerstag war und es leckeren Nusszopf zum Kaffee gab, dann erraten wenigstens die Einheimischen sofort, wo der Ausblick genossen wurde, ehe es über den Höhenrandweg weiter zur Theresienberghütte und dem dortigen Aussichtspunkt geht. Herrlich frisch ist es im Wald. Und jetzt, wo wir oben sind, klart auch der Himmel auf und schickt wunderschöne Sommersonne nach Waldenburg, das sich anfühlt wie ein Bergstädtchen in der Provence. Hübsche runde Türme, prächtig bepflanzte Blumenkästen, schöne Häuser und vor allem das Ensemble aus Stadtkirche und Schloss sind wunderschöne Fotomotive. Zeit zum Fotografieren ist genug. Schließlich geht der Heimweg über weite Strecken bergab.

Foto-Stopp am Schloss

Vorsichtig bremsen muss man vor allem am ersten Stück vom Bergfried Richtung Lindich. Wir halten uns links, fahren durch den Wald. Trotzdem kommt noch für einige Herzinfarkt-Minuten die stark befahrene Straße nach Kesselfeld, aber auch wunderschöne Abschnitte auf idyllischen Radwegen entlang an Bachläufen und bunten Blühstreifen, ehe es durch Untereppach nach Neuenstein geht. Auch hier ist das Schloss ein schöner Foto-Stopp.

Und wer keine Lust auf die restlichen 17 Kilometer hätte, der könnte jetzt in die Bahn einsteigen.

Könnte man. Wir radeln weiter am Sportplatz vorbei Richtung Bernhardsmühle, nach Cappel, über das Landesgartenschaugelände und den Hofgarten nach Öhringen und gleich den Berg hoch Richtung Moschee: nur noch ein Buckel, kein Vergleich zu Waldenburg, aber eben doch noch ein Anstieg, ehe es zurück geht nach Bitzfeld.


Yvonne Tscherwitschke

Yvonne Tscherwitschke

stv. Redaktionsleiterin Hohenloher Zeitung

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

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