Radtour durchs Kochertal am Fluss entlang

Hohenlohe  Unser Tipp: Radeln Sie von Möglingen bis Künzelsau, gut 30 Kilometer, familienfreundlich auf überwiegend flachen Strecken.

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Treuer Wegbegleiter auf der Tour: der Kocher, hier bei Weißbach, der von Kanuten und anderen Wassersportlern frequentiert wird.

Im Corona-Jahr verbringen viele Menschen ihren Urlaub vor der eigenen Haustür. Grund genug für die HZ-Redaktion, sich aufs Fahrrad zu schwingen und die Region per Radtour zu erkunden, um vielleicht auch den einen oder anderen Tipp zu geben. Als erste von vier ganz unterschiedlichen Touren steht heute eine Fahrt durchs mittlere Kochertal auf dem Plan.

Tour von Möglingen bis Künzelsau

Radtour durchs Kochertal

1993 fuhr hier der letzte Zug: Die alte Bahnbrücke zwischen Möglingen und Ohrnberg gehört seit 2004 zum Radweg durchs Kochertal.

Von Möglingen bis Künzelsau, gut 30 Kilometer, familienfreundlich auf überwiegend flachen Strecken. Beim Start um 10 Uhr hat es angenehme 19 Grad, so dürfte es gerne bleiben. Später wird das Thermometer aber nahe an die 30-Grad-Marke klettern, gefühlt sogar darüber. Los geht es in Möglingen. Der Platz am ehemaligen Bahnhof ist bewusst symbolträchtig als Startpunkt gewählt, erinnert er doch an die ehemalige Untere Kochertalbahn, auf deren Trasse heute der Radweg verläuft.

Auch die alte Bahnbrücke Möglingen/Ohrnberg, über die es über den Kocher geht, lässt daran zurückdenken: 1913 erbaut, 1945 zerstört und nach dem Krieg wieder errichtet, ist 1993 der letzte Zug über sie gefahren, 2004 wurde sie zur Radwegbrücke umgebaut. In Ohrnberg gibt"s mehr Eisenbahn-Nostalgie: Zwei Schautafeln erinnern an den "Entenmörder".

Der Radfahrer muss jetzt kurz auf die Straße, über den Kocher und in Richtung Sportanlage wieder auf den Radweg nach Sindringen. Hier geht es an der alten Stadtmühle vorbei, dann heißt es, sich zu entscheiden: Fährt man durch den Ort, um einen Blick auf die Heilig-Kreuz-Kirche und den Schlossturm zu werfen? Oder lieber auf dem schattigen Turnhallenweg am Kocher entlang?

Radtour durchs Kochertal

Blick von oben auf das Kochertal, hier zwischen Ingelfingen und Criesbach: Die HZ-Sommer-Radtour führt entlang des Flusses zu vielen sehenswerten Zielen.

Fotos: Armin Rößler

Der Kocher ist nur einen Steinwurf vom Radweg entfernt

Hinter Sindringen ist der Kocher einen Steinwurf vom Radweg entfernt, hinter Bäumen verborgen, Maisfelder schieben sich dazwischen, verschwinden rasch wieder. Am Ernsbacher Ortseingang liegt die Firma Arnold, eines von vielen Beispielen für das Nebeneinander, das das Kocherteil prägt: weltweit agierendes Gewerbe, bodenständige Winzer und Landwirte, viele Anlaufpunkte für den Touristen. Die sind heute zahlreich per Drahtesel unterwegs, zücken öfter Smartphone oder Kamera: schwer bepackte Familien, gut gelaunte Senioren, sportlich flotte Radler - das E-Bike ist übrigens klar in der Überzahl.

In Ernsbach geht's an der Baustelle Marktplatz und der alten Fabrik vorbei, man stößt auf den "Hohenloher Mundartweg". Forchtenberg mit seiner markanten historischen Kulisse lockt durchs Würzburger Tor, 1604 erbaut, ins Städtchen, in dem vor 99 Jahren Sophie Scholl geboren wurde. Man radelt jetzt rechts vom Kocher, den hier Kanuten und Stand-up-Paddler nutzen. Dankenswerterweise radelt man im Schatten, erst kurz vor Weißbach brennt wieder die Sonne herab. Hier grüßen die nicht zu übersehenden Schornsteine.

Radtour durchs Kochertal

Einer von vielen historischen Zeitzeugen: das Götzenhaus in Niedernhall.

Bis zum Ingelfinger Fass hochstrampeln? 

Niedernhalls Stadtmauer mit Wehrgang und Türmen lässt an lange zurückliegende Zeiten denken, aus dem Heute stammt ein riesiges Sonnenblumenfeld. Im historischen Stadtkern gibt es unter anderem das Götzenhaus zu sehen, in dem der "Ritter mit der eisernen Faust" einst die Schulbank drückte.

In Criesbach ist es Zeit, mal den offiziellen Radweg zu verlassen. Hinter der historischen Kelter kommen bis zur Oberen Gasse ein paar Höhenmeter zusammen, ohne dass man deshalb gleich bis zum Ingelfinger Fass hochstrampeln muss - so viel Ehrgeiz (und Puste) haben wir heute nicht. Es geht durch die Weinberge Richtung Ingelfingen, das geradezu Historie atmet: Schlösser, Kirche und vieles mehr sind einen Blick wert.

Radtour durchs Kochertal

Top motiviert: der HZ-Redakteur.

Mit ein paar Schlenkern ist die Tour rund 34 Kilometer lang

Zurück auf dem Radweg geht es rechts vom Kocher weiter, dann ist das Ziel erreicht, Künzelsau. Hier lockt das muntere Treiben in den Wertwiesen mit dem Kocherfreibad, dessen Eingang gerade eine Gruppe kichernder Jugendlicher passiert. In der Innenstadt ist in den Geschäften, Cafés und Eisdielen einiges los. Leider lässt sich die gute Idee der Kollegin, mit der Bergbahn noch in luftige Höhen zu entschwinden, nicht verwirklichen - bis 15. August ist Betriebspause.

Knapp 34 Kilometer sind es am Ende dank diverser Schlenker geworden, drei Stunden hat die gemütliche Fahrt gedauert, auch weil unterwegs Fotos und Notizen gemacht werden mussten. Pannen? Zum Glück Fehlanzeige. Natürlich hat es Spaß gemacht, der Kochertalradweg ist definitiv eine Reise wert. Auf dem Rückweg geht es dann sportlicher zu und fast doppelt so schnell.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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