Fahrradtour auf den Spuren des Götz von Berlichingen

Hohenlohe  Eine schöne, vor allem auf dem Rückweg dann aber auch anstrengende Fahrradtour durchs Jagsttal. Eine geschichtsträchtige Gestalt, 1562 verstorben, begegnet einem dabei immer wieder: Götz von Berlichingen.

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Auf dem Radweg herrscht den ganzen Tag ordentlich Betrieb.

Mit dem Auto wären es 36 Minuten. Mit dem nicht-elektrifizierten Fahrrad sind es dagegen gut drei Stunden, lässt man es nicht allzu sportlich ehrgeizig, sondern eher gemütlich angehen, hält immer mal wieder an und genießt die Landschaft. Inklusive kleinerer Um- und Abwege kommen auf der Strecke von Jagsthausen nach Mulfingen rund 43 Kilometer zusammen.

Götzenburg und Wasserschloss

Start ist bei angenehmen 18 Grad am Morgen an der Götzenburg, einem der beiden möglichen Geburtsorte des "Ritters mit der eisernen Faust". Der andere kommt später mit dem Stammhaus der Familie in Berlichingen, dem ehemaligen Wasserschloss - bis heute streiten sich die Experten, wo der gefürchtete Raubritter denn nun 1480 das Licht der Welt erblickt hat. Zwischen den beiden Orten geht es zweimal über die Jagst, übers freie Feld und in sicherer Entfernung am Steinbruch vorbei - dort staubt es gewaltig, weil fleißig gearbeitet wird.

Auf den Spuren des Ritters

Ein alter Grenzposten zwischen Baden und Württemberg steht bei Klepsau.

In Berlichingen ist es dann ratsam, den Umleitungshinweis zur Sanierung der Jagstbrücke beim Kloster Schöntal genau zu studieren. Im Ort selbst schon nach Alternativen zu suchen, ist sinnlos. Auch die verlockend scheinende Mischung aus Grasweg und Trampelpfad, direkt an der Jagst entlang, endet leider im Nichts. Längst überwucherte Schienen erinnern an die seit 1988 nicht mehr betriebene Jagsttalbahn. Schienen, auf die man hinter Kloster Schöntal erneut trifft. Sämtliche Umleitungsüberlegungen entpuppen sich ohnehin als überflüssig, weil die Jagstbrücke problemlos passierbar ist. Ein genauer Blick auf die ehemalige Zisterzienserabtei mit ihren beiden barocken Türmen lohnt sich immer. Hier liegt übrigens auch Götz von Berlichingens letzte Ruhestätte.

Kleinere Steigungen

Hinter Bieringen gibt es die ersten, zum Glück nur mäßig schweißtreibenden Steigungen. In Westernhausen ist im örtlichen Gasthaus für viele Gäste im Freien bestuhlt, noch ist es aber nicht Mittagszeit. Winzenhofen lässt man links liegen, fährt zwischen Wald und Wiesen, umrahmt von den sanft ansteigenden Hügeln. Kurz vor Marlach tummeln sich einige Störche auf dem Feld, die sich allerdings kamerascheu geben und vor dem Paparazzi das Weite suchen. In Marlach ist fast schon die 20-Kilometer-Marke erreicht. Dass Schöntal die Gemeinde mit der größten Fläche im Hohenlohekreis ist - über 80 Quadratkilometer groß -, wird einem hier beim Blick aufs Ortsschild bewusst.

Auf den Spuren des Ritters

Startpunkt der Fahrradtour: die Götzenburg in Jagsthausen, in deren Hof in normalen Zeiten die Burgfestspiele stattfinden.

Es geht wieder leicht bergauf, Gommersdorf wird vom Radweg knapp verfehlt, in Altkrautheim gibt es dann beste Sicht auf die um das Jahr 1200 herum erbaute, imposante Burganlage. Krautheim selbst begrüßt den Besucher als die "Stadt des Götzenspruchs" - hier hat von Berlichingen 1516 dem in der Burg sitzenden Kurmainzer Amtmann Max Stumpf seine Meinung unmissverständlich mitgeteilt.

In Klepsau sind die Weinberge nicht zu übersehen, die auf badischem Boden liegen. Wer genau hinschaut, entdeckt auch alte Grenzsteine, die einst Württemberg und Baden teilten. In Dörzbach wird dann auf die querterrassierten Weinberge auf dem Altenberg hingewiesen, dank der auch auf den Steilhängen eine Bewirtschaftung mit Maschinen möglich ist. Vor dem Teilort Hohebach lädt dann unterhalb des Radwegs die vor über 500 Jahren erbaute Wallfahrtskapelle St. Wendel am Stein zum Besuch ein - zu ihr führt einer der zahlreichen "Pfade der Stille", die es überall im Jagsttal gibt.

Kräftigender Gesundbrunnen

Vorbei an Ailringen mit seinem denkmalgeschützten Friedhof, dessen Besonderheit die einfachen weißen und braunen Holzkreuze sind, ist schon von Weitem Mulfingen zu erspähen. Ist der Ort dann erreicht, kann der St. Anna-Kapelle ein Besuch abgestattet werden. Sie ist 1510 neben einem sogenannten "Gesundbrunnen" erbaut worden, dem schon zu altgermanischen Zeiten Heilkräfte zugesprochen worden sein sollen. Die könnten für den langen Rückweg hilfreich sein.

Auf den Spuren des Ritters
Der Streckenverlauf. Foto: HSt-Grafik

Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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