Zwei echte Originale des Heilbronner Trollinger-Marathons

Region  Sie gehören zum Heilbronner Trollinger-Marathon einfach dazu: Alphornbläser Wolfgang Meerwart und Motivationskünstler Siegfried Reichert. Ohne sie wäre der Trolli nicht derselbe.

Von Helmut Buchholz

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Von 8 bis 11.30 Uhr bläst Wolfgang Meerwart beim Trollinger-Marathon ins Alphorn, um den Läufern am Haigern Beine zu machen. Auch für den Musiker ist das extrem anstrengend. "Da spürt man hinterher seine Lippen nicht mehr und fühlt sich brotfertig."

Foto: Archiv/Veigel

Der Trollinger-Marathon ist ein besonderes Rennen mit einem ganz eigenen Charakter. Das liegt nicht nur an der Kombination aus Stadt- und Landschaftslauf in den Weinbergen. Es sind immer auch die Menschen, die das größte Breitensportereignis in der Region zu etwas Einmaligen machen.

Zwei von diesen stilprägenden Trolli-Originalen sind der Alphornbläser Wolfgang Meerwart und der Lauftrainer beziehungsweise Motivationskünstler Siegfried Reichert. Beide stehen Jahr für Jahr am Haigern zwischen Flein und Talheim, dem steilsten, längsten und höchsten Anstieg auf der Strecke, um müde Läufer wieder flott zu kriegen. Ohne sie wäre der Trolli irgendwie nicht mehr derselbe.

Aus der Übungseinheit wurde eine wunderbare Liaison

Wolfgang Meerwart fungiert als akustischer Turbolader am Haigern. "Ich blase den Leuten den Marsch", sagt der 67-jährige Fleiner. Und das schon seit 2012, als er nur mal so am Rande der Strecke stand, um mit seinem imposanten Instrument zu üben. Doch aus der Trainingseinheit wurde eine wunderbare Liaison mit dem Trolli, die bis heute anhält und nur durch gesundheitliche Probleme, die Wolfgang Meerwart zwischendurch hatte, unterbrochen wurde.

Klar ist der Musiker deshalb enttäuscht, dass die Corona-Pandemie ihm den 20. Jubiläumsauftritt vermasselt hat. "Wir haben uns so sehr darauf gefreut wie die Läufer." Wir heißt, Wolfgang Meerwart wollte am 17. Mai mit zwei Mann Verstärkung von befreundeten Alphornbläsern aus der Pfalz einen sonoren Soundteppich hinlegen, auf dem die Läufer wie auf einer Wolke gen Berggipfel schweben. "Es geschehen eben Dinge, die kann man nicht beeinflussen", sagt der Trolli-Routinier, für den jeder Lauf ein ganz anderes, neues Erlebnis ist. In der Corona-Krise hat er auch schon vor Altenheimen gespielt. Und auch da spendete der urwüchsige Klang seines Instruments Trost. "Die Leute freuen sich, klatschen Beifall. Was will man mehr verlangen. Das kann man mit Geld nicht aufwiegen."

Zwei echte Originale des Heilbronner Trollinger-Marathons

Siegfried Reichert hat immer einen lockeren Spruch parat.

Foto: privat

Dass Wolfgang Meerwart so eine Tiefenwirkung bei den Läufern und anderen Zuhörern erzielt, liegt nicht nur an dem Klang des Horns, der durch Mark und Bein geht, oder etwa an seiner stilechten Tracht, in der er am Streckenrand steht. Der 67-Jährige hatte 1982 begonnen, Alphorn zu spielen, in einer Lebenskrise, in die er nach einem schweren Autounfall gefallen war. Doch statt Trübsal zu blasen, fing er an, das Instrument zu spielen. Das hat ihn wieder aufgerichtet. Darum kann er jetzt auch mit so viel Überzeugungskraft anderen helfen - so wie beim Trolli den leidgeprüften Läufern.

Kurz vor dem Gipfel am Haigern steht Siegfried Reichert auf einer kleinen Bühne mit einem Mikro in der Hand. Der Ort ist wohl gewählt. Denn hier oben überschreiten die Läufer die Zehn-Kilometer-Marke, die höchste Stelle des Trolli, auch "Kotzgrenze" genannt.

Reichert ist zwar 80 Jahre alt, sieht aber immer noch aus, wie ein knackiger Ultraläufer. Ist er auch. Rund 70 Marathons und Extremrennen hat der Lauftrainer und sportliche Leiter im Bereich Leichtathletik des TSV Talheim schon auf dem persönlichen Konto. Klar, dass so einer weiß, was malträtierte Läuferbeine brauchen, wenn die Wade vor Anstrengung zwickt: Motivation. "Ich hab da so Sprüche, wie: Es ist nicht mehr weit. Oder: Der Rest ist nur noch Spaß." Reichert kennt auch viele Teilnehmer, spricht sie mit Namen an. Logisch. Er hat die "Kotzgrenze" schon 18 Mal moderiert. Auch für Siegfried Reichert war die Trolli-Absage eine Enttäuschung. "Der Lauf gehört einfach zum Jahresprogramm dazu."


Als Ersatz läuft der Trolli im Autokino

Ein Ersatz-Event für den ausgefallenen Trollinger-Marathon findet am Sonntag, 17. Mai, im Heilbronner Autokino auf der Theresienwiese statt. Dort wird der Film „Sein letztes Rennen“ gezeigt, plus Trolli-Beiprogramm. Tickets: www.popup-autokino.de. Die Stimme sucht bei einem Gewinnspiel die schönsten Fotos vom Trolli, Einsendeschluss ist der 13. Mai. Die Bilder sollten per E-Mail an redaktionsmarketing@stimme.de geschickt werden. Als Preise winken zwei Starterpakete (jeweils ein Freistart 2021 und zwei Vip-Tickets). Alle Teile der Stimme-Serie „20 Jahre Trolli“ findet man unter www.stimme.de/trolli-im-autokino.


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