Trollinger-Marathon-Dauerläufer sind im Wartestand

Heilbronn  Der 20. Heilbronner Trollinger-Marathon fällt wegen der Corona-Krise aus. Für Läufer, die immer am Start stehen, ist das besonders hart. Nur 59 von insgesamt rund 99.000 Startern waren bei allen 19 Trollis dabei. Drei von ihnen berichten von dem ganz besonderen Flair, den nur dieser Lauf hat.

Von Helmut Buchholz

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Gönnt sich vor den letzten Kilometern einen Schluck: Ulrich Selmikat.

Foto: Veigel

Es ist ein erlauchter Kreis, der nicht mehr größer wird: Von den knapp 99.000 Läufern, die seit 2001 beim Trollinger-Marathon starteten, gibt es nur 59 Teilnehmer, die alle 19 Trollis absolviert haben - neun auf der Langdistanz, 50 beim Halbmarathon. Was bringt diese echten Dauerläufer dazu, dem Trollinger-Marathon so lange die Treue zu halten? Und wie enttäuscht sind sie, dass die Pandemie den 20. Start verhindert hat?

Ulrich Selmikat ist Mitglied beim TSV Talheim - Lauftreff/Leichtathletikabteilung. "Für uns gilt: Entweder man läuft beim Trolli, oder man hilft beim Organisieren mit", sagt der 48-Jährige. Er ist einer von drei "Laufkollegen" - zwei Frauen und zwei Männer - die bei allen 19. Trollis dabei waren. Natürlich seien sie jetzt über die Absage enttäuscht. "Wir wollten beim 20. Mal richtig feiern." Vielleicht machen sie am eigentlichen Starttag einen gemeinsamen Trainingslauf. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Ulrich Selmikat schaut aber aus Trotz schon weiter. "Dann machen wir eben die 25 voll." Für den Stammkunden ist der Trolli schon so etwas wie eine große Familie geworden. "Man kennt so viele Leute an der Strecke." Die Landschaft, die Regionalität, das ist es, was Ulrich Selmikat so gefällt. Sein schönstes Erlebnis: "Als ich 2006 als Zugläufer eine Gruppe erfolgreich ins Ziel gebracht habe."

Werner Broß lobt die Bombenstimmung

Trollinger-Marathon-Dauerläufer sind im Wartestand

So weit die Laufschuhe tragen: Werner Broß im Wintertraining.

Foto: Dennis Mugler

Werner Broß ist schon 80 Jahre alt. Ans Aufhören denkt der Gemminger aber nicht. Wie auch? Der Trolli - und zwar der ganze - war sozusagen seine läuferische Initialzündung. "Ich habe vor 20 Jahren mit der Rente wieder richtig laufen angefangen. Der erste Trolli war mein erster Marathon. Ins Ziel zu kommen, war ein tolles Erlebnis." In der Zwischenzeit hat Werner Broß schon 50 Marathons auf dem Buckel. Doch in Heilbronn dabei zu sein, ist für ihn immer noch eine Ehre, ein Muss, eine Selbstverständlichkeit.

Entsprechend enttäuscht war er über das Aus wegen Corona. Dabei hatte sich der 80-Jährige, der für den TSV Sinsheim startet, fest vorgenommen, den badischen Rekord in seiner Altersklasse zu brechen. Das Besondere am Trollinger-Marathon ist für Broß "die Bombenstimmung an der Strecke". Die sei so gut, dass man aufpassen müsse, in der Euphorie, in die einen die Zuschauer versetzen, nicht zu schnell zu laufen. Wer überdreht, hat später zu kämpfen.

Der Trolli als Familientradition

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Für ihn ist der Trolli eine Familientradition geworden: Ulrich Montigel.

Foto: privat

Für Dr. Ulrich Montigel begann alles mit einer "Spaßaktion". 2001 meldete sich eine Gruppe des Deutschen Alpenvereins beim ersten Trollinger-Marathon an. "Das waren so 20 Leute, viele sind wieder abgesprungen, ich bin dabei geblieben", sagt der 52-jährige Internist, der in Öhringen eine Praxis hat. Warum das so ist? "Für mich ist der Trolli eine Familientradition geworden."

Die 89-jährige Mutter feuert ihn als Fan an der Strecke an. Montigels Schwester kommt extra aus München und läuft mit. Die ganze Familie kommt zusammen, und am Schluss gibt es immer Träubleskuchen im Garten der Mutter.

Die Montigels sind traurig, dass der 20. Start ausfällt. "Vielleicht laufe ich mit meiner Schwester die Strecke trotzdem ab", sagt der Marathonike, der von sich sagt, kein expliziter Marathonläufer zu sein. Doch der Trolli sei eben "etwas Einzigartiges, ein Lauf durch die Heimat, der immer Spaß macht".

Trolli läuft am 17. Mai im Autokino

Ein Ersatz-Event des ausgefallenen Trollinger-Marathons findet am Sonntag, 17. Mai, im Heilbronner Autokino auf der Theresienwiese statt. Dort wird der Film "Sein letztes Rennen" gezeigt, plus Trolli-Beiprogramm. Tickets: www.popup-autokino.de.


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