Die Wiege des Heilbronner Trollinger-Marathons steht bei Bordeaux

Heilbronn  Das Erfolgsrezept des Heilbronner Trollinger-Marathons trägt auch noch nach 20 Jahren. Doch wer hat das Riesenevent aus der Taufe gehoben? Vorbild für die mutigen Trolli-Pioniere war der Médoc-Läufer-Karneval in Frankreich.

Von Helmut Buchholz

Email

Das gab"s nur einmal: Bei der Premiere 2001 mussten die Marathonläufer beim Trolli vor einer Bahnschranke stoppen.

Foto: Archiv/Veigel

Was hat Tarzan mit dem ersten Trollinger-Marathon zu tun? Die Lendenschurz-Legende aus dem Dschungel spielt in gewisser Weise eine Nebenrolle in der Entstehungsgeschichte des heute größten Breitensportereignisses in der Region, das dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfällt.

Am Anfang steht die Freundschaft zweier Männer

Am Anfang des Trollis steht die Freundschaft zweier Männer, beide passionierte Brackenheimer Marathonläufer: Eberhard Häcker von der Handwerkskammer und Rolf Kieser (67), Ex-Bürgermeister der Heuss-Stadt. Der frühere Schultes erinnert sich heute noch gut daran, wie er und Häcker die Idee zum Event hatten: "Wir nahmen vor mehr als 20 Jahren an dem Médoc-Marathon in der Nähe von Bordeaux in Frankreich teil. Bei Kilometer 38 gab es Austern an der Verpflegungsstation und Weißwein. Bei km 40 Entrecôte und Rotwein, bei km 41 Fromage und Rosé."

Das hat Häcker und Kieser schwer beeindruckt. Der Médoc-Lauf gilt bis heute als Läufer-Karneval. Viele sind kostümiert auf der Strecke. Kieser weiß noch genau, als was er sich verkleidet hatte: "Tarzan."

Der Genusslauf in der berühmten französischen Weinregion wurde zum Vorbild für den Trolli. Kieser: "Wir dachten uns, wir sind doch eine Weinregion. Wieso sollten wir das nicht auch bei uns machen?" Die Brackenheimer hätten dann die Heilbronner ins Boot geholt: Zum Beispiel Karl Seiter (WG Heilbronn), Rudolf Senghaas, damals Leiter des Heilbronner Sportamtes, und Bernhard Winkler, Chef der Heilbronn Marketing GmbH.

Winkler wurde zu einer der zentralen Figuren. "Es gab damals viele Skeptiker", denkt der 69-Jährige zurück. Fest stand, dass das Heilbronn-Zabergäu-Projekt "kein Sauflauf" werden sollte. Doch sollte wie bei der Médoc-Vorlage Wein für Läufer ausgeschenkt werden. Auch die Kostümierung übernahmen die Initiatoren. "Kerngedanke war, einen Landschaftslauf zu etablieren, wobei klar war, dass die Topographie nicht für Rekordzeiten geeignet ist", berichtet Winkler. Dazu gibt es einfach zu viele Anstiege.

 

Der Trolli sollte sich von anderen Läufen abheben

"Es sollte der Idealismus im Vordergrund stehen, nichts Kommerzielles", so Winkler. Er lehnte es auch ab, mit Startgeldern und Prämien gute Läufer einzukaufen, "um das Ding attraktiv zu machen", so wie es bei vielen anderen Veranstaltern damals üblich war. Natürlich fragten sich die Organisatoren, wie sie ihr Kind nennen wollten. Etliche Namen waren im Gespräch, zum Beispiel Lemberger-Marathon. "Wir einigten uns auf Trollinger-Marathon, das klang geschmeidiger", unterstreicht Kieser süffisant.

Beim ersten Start 2001 war noch eine Agentur engagiert. Der Halbmarathon startete in Brackenheim. Die Marathonläufer stoppten vor einer geschlossenen Bahnschranke. Alles Vergangenheit. Heute sind die Geburtshelfer stolz darauf, wie sich ihr Trolli entwickelt hat. "Der Marathon ist identitätsstiftend, bringt die Menschen in der Region zusammen", sagt Rudolf Senghaas. Winkler ist froh, "dass der Lauf von mehr als tausend Helfern getragen wird und seinen Namen nie an einen Sponsor verkauft hat". Auch Kieser zieht eine positive Bilanz. Allerdings sei es nicht geglückt, das Ursprungsziel zu erreichen: Weinbau und Tourismus wie in Médoc zu verbinden und zu stärken. "Das ist ein bissle schade."


Als Ersatz läuft der Trolli im Autokino

Ein Ersatz-Event für den ausgefallenen Trollinger-Marathon findet am Sonntag, 17. Mai, im Heilbronner Autokino auf der Theresienwiese statt. Dort wird der Film „Sein letztes Rennen“ gezeigt, plus Trolli-Beiprogramm. Tickets: www.popup-autokino.de

 


Kommentar hinzufügen