Ideen für weitere Renaturierung der Elsenz gesucht

Eppingen und Ittlingen  Damit die Elsenz auch für Fische und Kleinstlebewesen ein guter Lebensraum wird, sind weitere Renaturierungsmaßnahmen nötig. Für die Eppinger Gartenschau wird der Fluss teilweise naturnah gestaltet. An weiteren Schritten nach der Gartenschau ab 2022 können sich Bürger über eine Internetplattform einbringen.

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Die Elsenz in Eppingen. Für die Gartenschau wird ein kurvenförmiges Flussbett angelegt. Solche Maßnahme sind auch außerhalb des Siedlungsgebiet nötig, um das Gewässer für Wassertiere zu einem guten Lebensraum zu machen.

Foto: Jörg Kühl

Trotz der geplanten Renaturierungsmaßnahmen ist eine Durchwanderung des Flusses für Wasserlebewesen nicht vollständig möglich: "Fische und Kleinstlebewesen können die Lebensräume, aus denen sie zum Beispiel durch Starkregen herausgespült wurden, nicht wieder erreichen", erklärt Berthold Kappus vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RPK). Die Gartenschau sei aber ein großer Schritt, um weiteren Lebensraum zu schaffen.

Die Wasserqualität ist ein Problem

Auch die Wasserqualität ist weiter ein Problem. "In den Fließgewässern gibt es eine zu hohe Phosphorbelastung, im Grundwasserspiegel ist zu viel Nitrat", so Kappus. Urheber seien Landwirtschaft, städtische Abwasseranlagen und die Regenaufbereitung der Gemeinden.

Zu hoch sind die Werte an einer Messstelle zwischen Rohrbach und Eppingen, die sich gut für eine Renaturierung eigne. "Dort könnten Laichplätze oder ein Jungfischhabitat angelegt werden."

Ökopunkte können auf Eigenanteil angerechnet werden

Das Regierungspräsidium Karlsruhe erarbeitet als Flussgebietsbehörde in drei Zyklen Maßnahmenpläne zur Verbesserung der Wasserqualität. Zuständig für die Umsetzung sind die Kommunen. Vom Land können sie eine Förderung von bis zu 85 Prozent beantragen. Für aus dem Eigenanteil getätigte ökologische Maßnahmen erhalten die Gemeinden Ökopunkte. Diese können auch auf weitere Renaturierungsarbeiten gutgeschrieben werden. So sinkt der Eigenanteil an späteren Maßnahmen.

Auch die Stadt Eppingen führt ein solches Ökokonto. "Allerdings haben wir mit der Gartenschau bereits einen großen Schluck aus der Pulle genommen", sagt Pressesprecher Sönke Brenner.

Die einzige für nächstes Jahr noch ausstehende Renaturierungsmaßnahme sei die vom Gemeinderat beschlossene Verlegung des Elsenztalradweges, um so mehr Freiraum für den Fluss zu schaffen. Nötig sei auch eine Ausbaggerung des Bruchgrabensees. "Der verlandet zusehends", erklärt Brenner. Ein so massiver Eingriff in eine Naturschutzgebiet sei riskant.

Noch kein Ökokonto führt die Gemeinde Ittlingen. Bürgermeister Kai Kohlenberger befürchtet, dass die für die nächsten zwei Jahren geplanten Renaturierungen nicht bezahlt werden können.

Wohl kein Geld für weitere Renaturierung

Wegen der coronabedingten Wirtschaftkrise sinken auch die Steuereinnahmen der Gemeinde: "Wir sind auf Schlüsselzuweisungen aus der Einkommenssteuer angewiesen." Für Juni ist ein Nachtragshaushalt geplant. "Ich fürchte, da sind Maßnahmen an Gewässern nicht so hoch anzusiedeln", so Kohlenberger.

Auch in Ittlingen soll die Elsenz naturnah gestaltet werden. Geplant ist eine Umgestaltung der Stauwehranlage. "Dafür haben wir schon genaue Pläne." Diese seien dem Gemeinderat noch nicht vorgestellt worden.

Uferböschungen sollten neu angelegt und Verdohlungen geöffnet, sowie die Elsenz an manchen Stellen aus ihrem Betonbett befreit werden. Die Maßnahmen sollen 2021 umgesetzt werden. "Um eine Durchgängigkeit zu gewährleisten", so Kohlenberger. Für die Renaturierungsmaßnahmen sollten der Gemeinde aus einem Landesförderprogramm mehr als eine halbe Million Euro zufließen. Da die Gemeinde den Eigenanteil wohl nicht aufbringen kann, könnte diese nun wegfallen.

 

Bürgerbeteiligung bei Suche nach Renaturierungsmaßnahmen

Der dritte Zyklus der Gewässerbewirtschaftungspläne läuft von 2022 bis 2027. Auf der Internetplattform www.buergerbeteiligung.de können Bürger noch bis 31. Mai eigene Vorschläge für Renaturierungsmaßnahmen einbringen. Hierzu können sie durch einen Klick auf die Karte einen Flussabschnitt auswählen und ihren Vorschlag eintragen. Die Ideen werden genutzt um eine formelle Bürgerbeteiligung im Januar 2021 vorzubereiten.


Daub

André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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