Wird Neckarwestheim zum Endlager?

Serie: Noch Fragen  Die Castor-Transporte auf dem Neckar lassen den Konflikt um das Atommülll-Lager in Neckarwestheim wieder neu aufleben. Denn längst ist klar, die ausgedienten Brennstäbe dürften die Region mindestens auch noch in der kommenden Generation beschäftigen.

Von Reto Bosch und Janis Dietz

"Wird Neckarwestheim zum Atommüll-Endlader?" Diese Sorge dürfte viele Menschen umtreiben.  Günther Otto Preuß aus Lauffen hat sich mit dieser Frage an "Noch Fragen?" gewandt. In unserer Online-Serie gehen wir den besten Fragen unserer Leser nach

 

Warum gibt es Zwischenlager an den Standorten von Atomkraftwerken?

Die damalige Bundesregierung aus SPD und Grüne handelte im Jahr 2000 den sogenannten Atomkonsens aus. Dieser sah vor, dass die Reaktoren noch eine gewisse Reststrommenge produzieren dürfen und dann abgeschaltet werden müssen. Da die stark umstrittenen Castortransporte gestoppt werden sollten, wurde ebenfalls beschlossen, an den Kraftwerksstandorten Zwischenlager zu bauen. Bis dahin wurden die Castoren von Neckarwestheim in das zentrale Zwischenlager nach Gorleben oder in Wiederaufarbeitungsanlagen transportiert.

Wie reagierte die Gemeinde Neckarwestheim darauf?

Der Gemeinde Neckarwestheim war - wie den anderen Standortkommunen auch – zugesichert worden, dass die Belastung geteilt wird. Also: Stromproduktion an einem, Zwischen- und Endlagerung der hochradioaktiven Brennelemente an einem andern Ort. Die Gemeinde versuchte erfolglos, den Bau der beiden unterirdischen Stollen auf juristischem Weg zu verhindern.

Wie lange sollten die Zwischenlager ursprünglich in Betrieb sein?

Bei den Verhandlungen zum Atomkonsens gingen Bundesregierung und Kraftwerksbetreiber davon aus, dass in absehbarer Zeit ein Endlager zur Verfügung stehen wird. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Sowohl Lager als auch Castoren haben eine Betriebsgenehmigung für 40 Jahre. In Neckarwestheim wurde der erste Behälter im Jahr 2006 eingestellt. 2046 läuft also die erste Genehmigung aus. Derzeit prüfen die Behörden, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, damit die Zwischenlager darüber hinaus betrieben werden dürfen.

 

Zwei Reaktoren, Transporte und viele Proteste - eine Chronologie

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Wann geht ein Endlager in Betrieb?

Nachdem die Endlager-Frage viele Jahre politisch instrumentalisiert wurde und der Protest in Gorleben sehr groß war, wurde die Suche auf Null gestellt. Eine hochrangig besetzte Kommission erarbeitet ein Konzept, das sich daran orientiert, wie ein sicherer und gesellschaftlich akzeptierter Standort gefunden werden kann. In diesem Jahr wurde das Endlagergesetz vom Bundestag beschlossen. Es definiert die Rahmenbedingungen der Suche. Bis 2031 soll ein Standort gefunden sein, dann könnte das Lager gegen 2050 in Betrieb gehen. Doch damit rechnet kaum jemand. Experten haben ausgerechnet, dass vielleicht gegen Ende dieses Jahrhunderts ein Endlager zur Verfügung stehen könnte.

Wann könnte sich das Zwischenlager in Neckarwestheim leeren?

Das ist unklar. Sobald klar ist, wo das Endlager entstehen kann, soll dort ein zentrales Eingangslager gebaut werden. Dann könnten auch die Castoren aus Neckarwestheim abtransportiert werden, bevor das eigentliche Endlager fertig ist. Zweifelhaft ist allerdings, ob ein solches Eingangslager durchsetzbar ist. Es würde die Suche erschweren. Außerdem müsste es sehr viele ausgediente Brennelemente aufnehmen. Zwischen Betriebsbeginn und vollständiger Einlagerung aller Brennelemente werden viele Jahre vergehen.

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Wird Neckarwestheim also zum Endlager?
Rein rechtlich betrachtet darf das nicht passieren. Das Atomgesetz sieht vor, dass der Bund ein sicheres Endlager zur Verfügung stellen muss. Doch was geschieht, wenn der gesellschaftliche und politische Widerstand bei der Standortsuche zu groß wird? Klar ist: Für mindestens eine Generation sind die beiden Stollen ein Endlager. Bei ihrer Geburt waren die Tunnel bereits in Betrieb und bei ihrem Tod werden sie es noch sein.

Wer bezahlt für Zwischen- und Endlagerung?

Das Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung aus dem Jahr 2016 regelt die Verantwortlichkeiten für den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle neu. Die Betreiber, im Fall von GKN ist das die EnBW, bezahlen für Stilllegung, Rückbau und fachgerechte Verpackung der radioaktiven Abfälle. Zwischen- und Endlagerung hat der Bund zu finanzieren. Die Betreiber haben 24 Milliarden Euro in einen Fonds eingezahlt, aus dem die Ausgaben für die Lagerung bestritten werden sollen. Ob dieser Betrag ausreicht, ist unklar. 

 

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