Was Besitzer von Eisdielen im Winter machen

Serie: Noch Fragen?  "Wir sind dann mal im warmen Süden": So stellen sich viele Menschen die Wintermonate derjenigen vor, die in typischen Sommerberufen arbeiten. Doch was ist dran an diesem Klischee? Wir haben bei Freibad-Bademeistern, Biergarten-Betreibern und Eisdielen-Besitzern nachgefragt.

Von Janis Dietz

"Wir sind dann mal weg" - nicht alle Eiscafés machen es wie die Familie Gaicomel. Foto: Dietz

Ein anonymer Fragesteller wollte von „Noch Fragen?“ wissen, was Bademeister und Besitzer von Biergärten oder Eisdielen im Winter machen.  In unserer Serie recherchieren wir zu Themenideen von Lesern.  Wir haben in der Region nachgefragt.

Flucht in den Süden

Das Gelatone ist in der Heilbronner Fußgängerzone im Sommer ein beliebter Anlaufpunkt. Seit ein paar Wochen ist der Laden geschlossen. Am Fenster hängt ein handgeschriebener Zettel.

Darauf steht „Ab Freitag, 10.11.2017: Winterpause“  im Februar 2018 sei man wieder zurück. Und die Abwesenheitsnachricht endet mit einem Gruß der Inhaberfamilie Giacomel „CIAO A TUTTI“. Sind die Betreiber also in den wärmeren Süden geflüchtet? Zumindest sind sie für Stimme.de nicht zu erreichen.

Im Eiscafé Presutti gibt es im Winter Lebkuchen zu kaufen. Foto: Dietz

Im Winter gibt es statt Eis eben Lebkuchen

Anders ist das bei Patrick Zorzit, dem Juniorchef der Eisdiele Presutti am Heilbronner Marktplatz. „Im Winter arbeiten wir nebenan in der Bar“, erklärt Zorzit. Dort gibt es sogar im Dezember noch ein paar Eissorten. Zusätzlich verkauft die Familie in ihrem Geschäft in den Wintermonaten Lebkuchen.

Zorzits Großvater hat die Eisdiele einst gegründet. Damals war es noch üblich, im Winter dichtzumachen und in den Urlaub zu fahren. Jetzt musst sich der Juniorchef bewusst Tage frei nehmen: „Im Januar mache ich zwölf Tage Urlaub.“

Biergarten dicht, die Arbeit geht weiter

Auch für Biergärtenbesitzer bleibt der monatelange Urlaub ein Wunschtraum. „Wenn ich nur ein halbes Jahr arbeiten müsste, könnte ich gut damit leben“, sagt Benjamin Horn. „Aber das ist finanziell nicht machbar.“ Gemeinsam mit einem Geschäftspartner betreibt er seit 2013 den Biergarten Saline in Bad Friedrichshall. Weil die Fixkosten weiterlaufen, öffnen die beiden in den Wintermonaten ihren „Wintergarten“.

Ein weiterer Vorteil: Der 33-Jährige kann viele seiner Angestellten weiter beschäftigen und muss nicht ständig neue Mitarbeiter suchen. Aber wann bleibt dann Zeit für Urlaub? „Im Herbst und im Frühjahr ist es ein bisschen ruhiger“, sagt Horn. 

Auch interessant: Welche "Noch Fragen?"-Geschichte hat Ihnen 2017 am besten gefallen?

Von wegen Winterpause: Für Silvia Söllner ist das Weihnachtsgeschäft genau so stressig wie der Biergartensommer. Foto: Dietz

Silvia Söllner wird oft gefragt, was Sie denn so im Winter macht. „Winterschlaf“ antwortet dann die Besitzerin des Biergarten Schozach Bahnhöfle mit einem Augenzwinkern. Doch an Schlaf ist nicht wirklich zu denken, auch wenn der Biergarten auf dem Radweg zwischen Talheim und Ilsfeld geschlossen ist.

Zum Jahresende stehen für den Familienbetrieb die Weihnachtsmärkte an. Auf dem Heilbronner Weihnachtsmarkt verkauft sie Wurst und Glühwein. „Früher bin ich im Januar oft weggefahren“, sagt die 62-Jährige. Da ist sie jetzt aber auf dem Glühweinmarkt in Bad Rappenau. Fürs Durchatmen ist dann im Februar etwas Zeit. Im Zweifelsfall springt die Tochter für ein paar Tage ein.

Vom Bademeister zur Bauhof-Aushilfe

Im Sommer schaut so manches Kind neidisch auf die Männer und Frauen in weiß: Den ganzen Tag dürfen Bademeister im Freibad verbringen. Und im Winter? Was wird aus den braungebrannten Lebensrettern vom Beckenrand?

Insgesamt zehn Bademeister arbeiten zur Saison in den drei Freibädern in Kirchhausen, in der Neckarhalde und am Gesundbrunnen. Wer nicht gerade Überstunden abbaut, kommt im Winter im Innendienst zum Einsatz. Entweder am Hallen-Beckenrand oder um die Technik auf den neusten Stand zu bringen, berichtet Ursula Stiefken, Chefin der Heilbronner Bäder.

Der Traum vom monatelangen Urlaub

Anders sieht das in den kleineren Kommunen aus, die nur ein Freibad betreiben. Nachdem die Becken winterfest gemacht sind, gibt es eigentlich nichts mehr zu tun. Doch weil die Bäder in kommunaler Hand sind, werden Bademeister – wenn Urlaub und Überstunden abgebaut sind – in anderer Funktion weiterbeschäftigt.

In Gemmingen hilft der Bademeister beispielsweise im Bauhof aus. Es kann aber auch passieren, dass eine Anfrage aus Heilbronn kommt: „Als wir beim Personal einen Engpass hatten, haben wir spontan beim Bademeister aus Lauffen nachgefragt – und er hat ausgeholfen.“

Doch für manchen Bademeister wird der Traum vom monatelangen Urlaub Realität, wie Stiefken sagt:  „Wir haben ein, zwei Kollegen, die so viele Überstunden haben, dass sie von November bis Februar Urlaub machen."   


Zuletzt bei "Noch Fragen?": Wolfgang Kynast wollte wissen: "Was passiert mit dem Heilbronner Müll?"

 

Auch Sie können uns eine Frage stellen: