Warum es im Supermarkt so wenige Tafeltrauben von hier gibt

Serie: Noch Fragen?  Bei Tafeltrauben überwiegen in Supermarktregalen die Früchte, die von weither stammen. Warum eigentlich? Schließlich kennt man sich in der Region doch bestens mit Trauben aus.

Von Kilian Krauth
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Wenn Roman Röser dieser Tage in der Zeitung immer wieder Bilder von der Traubenlese sieht, läuft ihm, so sagt er, "das Wasser im Mund zusammen". Sauer stößt dem Wüstenroter jedoch auf, dass er "im Supermarkt nur Früchte aus der Türkei oder sonst woher" kaufen kann. Drum fragte er bei der Heilbronner Stimme nach:

"Wird bei uns wirklich alles zu Wein gemacht, oder gibt es einen Weg, Trauben aus der Region zu kaufen?" Helmut Eberle aus Flein weiß weiter. Er ist nicht nur Weingärtner und Bauernverbands-Vize.

Tafeltrauben sollten dünnhäutig sein, lockeres Fruchtfleisch haben, süß schmecken und möglichst keine Kerne haben. Fotos: Veigel

Schon im Jahre 2002 hat Eberle als einer der ersten Landwirte der Region mit dem Anbau von Tafeltrauben begonnen: ganz einfach, um das Feld nicht Importeuren aus aller Welt zu überlassen, die bei der Produktion nicht unbedingt naturnah arbeiten und nicht zuletzt mit den langen Transportwegen per Flugzeug die Umwelt belasten - ganz abgesehen von geschmacklichen oder gar gesundheitlichen Mängeln durch Rückstände von Spritzmitteln und Konservierungsstoffen.

Wo man Tafeltrauben in der Region kaufen kann

Beim Verkauf einfach auf Württemberger Traditionssorten zu setzen, "greift zu kurz", sagt Eberle. "Die sind einfach für Wein gemacht, weniger zum Essen" und erfüllten dadurch in der Regel nicht die Erwartungen der Verbraucher: Tafeltrauben sollten dünnhäutig sein, lockeres Fruchtfleisch haben, süß schmecken und möglichst keine Kerne haben.

Deshalb setzt Eberle auf spezielle Züchtungen wie Nero, Muskat Bleu oder Fanny, die er - noch ein Vorteil gegenüber deutschen Traditionssorten - nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandeln muss. Eberle verkauft seine Trauben über Edeka. "Aber auch sonst gibt's im Heilbronner Land heute fast in jedem Weinbauort Hofläden oder Verkaufsstände, wo man Tafeltrauben kaufen kann."

Als Durchschnittspreis für heimische Ware nennt Eberle 3,50 Euro pro Kilogramm, während er in Lidl- oder Aldi-Reklamen gerade im Herbst "immer wieder Aktionsware zu Dumpingpreisen" entdecke: zuletzt 500 Gramm zu 89 Cent.

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Warum importierte Tafeltrauben nicht pauschal schlecht sind

Steffen Ueltzhöfer, der in der Region mehrere Edeka-Läden betreibt, hat oft "sieben, acht und noch mehr" verschiedene Sorten im Angebot, die je nach Qualität von "knapp einem bis zu 4,99 Euro pro Pfund" kosten. Als Händler, der in allen Bereichen stark auf Regionalität setzt, sind dabei "selbstverständlich" auch heimische Winzer vertreten: von Eberle aus Flein über Weiß aus Sontheim bis Winkler aus Brackenheim.

Importierte Tafeltrauben will Ueltzhöfer nicht pauschal verdammen. Erst dieser Tage machte er sich bei seinem Lieferanten San Luca im süditalienischen Bari ein Bild von der dortigen Produktionskette. "Vom Anbau über die fairen Arbeitsbedingungen bis zur Qualität hat mich das überzeugt."

Internationale Großproduzenten mit Standorten auf der Nord- und Südhalbkugel könnten das ganze Jahr über liefern und noch dazu in großen Mengen, was gerade für große Supermarktketten wichtig sei, gibt Marc Strelow von Rewe in Lauffen zu bedenken. Dennoch: "Mir ist es einfach ein Dorn im Auge, mitten in Württemberg lauter ausländische Trauben zu sehen." 

Wie heimische Bio-Tafeltrauben bei den Kunden ankommen

Christian Seybold mit Tafeltrauben
Für Christian Seybold aus Lauffen sind Tafeltrauben eine Ergänzung fürs Sortiment.

Deshalb kooperiert er neuerdings mit dem Lauffener Jungwinzer Christian Seybold, der ihm zwischen August und Oktober heimische Bio-Tafeltrauben liefere. Bei seiner Kundschaft käme dies "sehr gut an", so gut, dass der regionalbewusste Händler inzwischen auch Federweißen, also Süßen Wein aus Württemberg verkauft: drei Liter zu 9,50 Euro.

Für den innovationsfreudigen Bio-Winzer Christian Seybold, der mit der Familie auch einen Hofladen betreibt, ist der Anbau von 30 Ar Tafeltrauben "eine schöne Ergänzung des Sortiments".

Gleichzeitig setzt er mit ihnen beispielhaft sein Ideal einer nachhaltigen Produktionskette um: vom ökologischen Anbau über die regionale Vermarktung der Trauben, aber auch daraus gewonnener Sonderprodukte wie alkoholfreien Secco und Balsamico aus Trauben, die aus Qualitätsgründen ausgedünnt wurden. "Bei uns wird alles verschafft."

Es werden mehr und mehr Tafeltrauben angebaut

Im Jahr 2017 wurden in der Weinbaukartei für Württemberg genau 26,92 Hektar Fläche mit Tafeltrauben gemeldet. Im Jahre 2003 waren es nur 1,99 Hektar, 2010 immerhin 15,41 Hektar. Der Anbau steigt demnach kontinuierlich. Gleichwohl geht Magdalena Dreisiebner von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg davon aus, „dass wahrscheinlich mehr angebaut“, aber eben nicht gemeldet wird.

Tafeltrauben werden unter Obst geführt, nicht unter Wein. Im Vergleich zu den 11.300 Hektar Fläche, die für Weintrauben bewirtschaftet werden, ist die Anbaufläche sehr gering. Auch deshalb ist der Markt stark von Importware geprägt. Schließlich essen die Deutschen pro Kopf jährlich rund sieben Kilogramm Trauben. 

 


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