Frost und Schmutz: Wann die Autowaschanlage "Nein" sagt

Serie: Noch Fragen  Im Winter ist Autopflege besonders wichtig. Aber gibt es Autos, die zu schmutzig sind für die Waschanlage? Wir haben im Auftrag eines Lesers nachgefragt.

Von Torsten Büchele

Bei Frost bleibt die Waschstraße zu

In der Waschanlage geht es sparsamer, umweltschonender und schneller, als das Auto von Hand zu waschen. Eventuell ist Handwäsche etwas schonender zum Lack als die Maschine. Aber Autowaschen im Freien ist vielerorts verboten. Fotos: Torsten Büchele

 

Ein schwarzer Mercedes fährt vor. Das ist aber nur am Dach zu erkennen. Kotflügel und Türen sind eher grau bis braun, verstaubt, verdreckt, verschlammt. Im Winter leiden Autos ganz besonders unter Schmutz und Frost. Streusalz greift den Lack an. Deshalb sollten Autos in der kalten Jahreszeit gut gewaschen werden. 

„Wie schmutzig darf ein Auto für die Waschstraße sein?“ fragte uns Jürgen Schoske. Mit seiner Frage wandte sich der 54-jährige Neckarsulmer an „Noch Fragen?“. In der Online-Serie gehen wir guten Themenideen unserer Leser nach.

Bevor das Auto in die Waschanlage von Gundolf Weeber fährt, greift der Chef zum Hochdruckreiniger, hält ihn gezielt gegen die Felgen und geht einmal gemächlichen Schrittes ums Auto. Dieses Vorspiel löst schon mal die extremsten Verschmutzungen ab vom Mercedes. Grobe Verunreinigungen und Sand könnten unter den rotierenden Bürsten zu Kratzern im Lack führen. Jetzt ist das Auto fast schon wieder schwarz wie die Nacht. „Die Vorwäsche ist das allerwichtigste“, erklärt Gundolf Weeber.

Die Waschstraße kriegt nicht jeden Dreck weg

Weeber betreibt die Waschstraße hinter der Shell-Tankstelle in der Öhringer Austraße. Nach der Vorwäsche von Meisterhand wird das Auto über ein Förderband durch den Tunnel gezogen, in dem Bürsten rotieren. Der Fahrer verbleibt im Auto und genießt das dreiminütige rauschende und spritzende Wasserspiel im Trockenen.

Der Betreiber garantiert: „Ich wasche jedes Auto.“ Zum Waschwasser kommt zusätzlich Aktivschaum, der auch mit festsitzenden Verschmutzungen fertig wird. Nur gegen Teer, Farbe, Gips oder Beton ist er machtlos. Vogelkot sollte man immer sofort selbst entfernen, weil der ätzende Kot den Lack angreift.

Große Dreckklumpen darf man selbst entfernen

An Fälle, in denen die Autowäsche misslang, erinnert Weeber sich nicht. „Aber Leute, die im Wald fahren, machen mir die Arbeit schwer.“ Insbesondere an Jäger und Förster adressiert er die Bitte, große Dreckklumpen in den Radkästen vorher zu entfernen, denn: „Schlammentsorgung ist sehr teuer.“

 

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Das Waschwasser wird nach jedem Durchgang biologisch aufbereitet, durchläuft also eine eingebaute Kläranlage. So können auch austretende Betriebsstoffe wie Öl aufgefangen werden. „Ansonsten würde die Autowäsche das Doppelte oder Dreifache kosten“, rechnet Weeber vor. Im Winter wird mehr Frischwasser zugesetzt, da oft Streusalz an den Autos klebt.

Diese Autowäsche ist verboten

In der Waschanlage geht es sparsamer, umweltschonender und schneller, als das Auto von Hand zu waschen. Eventuell ist Handwäsche etwas schonender zum Lack als die Maschine. Aber Autowaschen im Freien ist vielerorts verboten. Die Umweltgefahr ist zu groß, wenn das Reinigungsmittel ohne Nachbehandlung in Grundwasser oder Kanalisation gelangt.

Bei Frost stehen Kunden vor verschlossenen Türen

Bis zu 200 Kunden besuchen Weeber am Tag. Bei kaltem Wetter wie diese Woche sind es deutlich weniger. Manchmal kommt auch keiner. Oder Weeber ist nicht da, denn: „Bei minus drei Grad mache ich zu.“ Autowaschen bei Frost ist nicht ratsam. „Das ist für die Türschlösser schlecht“, erklärt Automechanikerin Doris Neumann-Simpfendörfer aus Öhringen-Unterohrn. Türen und Fenster können zufrieren, Dichtungsgummis reißen.

Die Angst, Wasser könne in den Motorraum eindringen, ist unbegründet. Wie bei starkem Regen gelte: „Solange man die Motorhaube zulässt, wird das Wasser im Wasserkasten aufgefangen und nach außen abgeleitet“, beschreibt Simpfendörfer.

Freie Fahrt genießt der schwarze Mercedes. Gundolf Weeber empfiehlt, die letzten Tropfen mit einem Ledertuch abzuwischen. Doch die Fahrerin tritt aufs Gas und ist fort.

Zuhause putzen

Viele Fahrzeughalter waschen ihr Auto zuhause. Legal ist das oft nicht. Laut Wasserhaushaltsgesetz ist Autowaschen auf unbefestigtem Grund verboten. Auf versiegeltem Boden entscheiden die Gemeinden. In der Polizeiverordnung verbietet Öhringen die Autowäsche auf der Straße. Auf Privatgrund ist es nicht verboten - wenn man laut örtlicher Abwassersatzung einen Ölabscheider einbaut.

 

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