Diese 10 Erfindungen stammen aus Heilbronn

Serie: Noch Fragen?  Ob es die gute Luft am Neckar oder doch der Heilbronner Wein ist, der die Menschen hier besonders kreativ macht? Für „Noch Fragen?“ haben wir 10 weltbewegende und kuriose Erfindungen mit Verbindung zu Heilbronn zusammengestellt.

Von Janis Dietz
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Wer in den Archiven nach Erfindungen aus Heilbronn stöbert, wird schnell fündig. Die Industriestadt am Neckar war vor allem im 19. Jahrhundert ein Innovationsmotor. Hier sind zehn Erfindungen aus den letzten 200 Jahren, die einen Bezug zu Heilbronn haben. Manche davon waren bahnbrechend, andere eher kurios. Die Reihenfolge ist eher zufällig.
  1. Ein Hausmittel gegen Kopfschmerzen und Entzündungen

    Foto: Bayer AG, Corporate History & Archives

    Pyramidon durfte Anfang des 20. Jahrhunderts in keiner Hausapotheke fehlen. Es muss sich um ein wahres Allheilmittel gehandelt haben. Das Medikament war einsetzbar gegen Fieber, Entzündungen, aber auch Kopfschmerzen. Bereits 1893 hatte der in Heilbronn geborene Friedrich Stolz Pyramidon entwickelt. Der Apothekersohn Stolz kam in der Region herum. Er machte seine Apothekerlehre in Kupferzell, und arbeitete danach als Gehilfe in Weinsberg und in der Sicherer‘schen Apotheke in Heilbronn. Statt Apotheker wurde Stolz dann allerdings Chemiker. 1906 gelang es ihm als erstem Adrenalin künstlich herzustellen. Warum man das Wundermittel Pyramidon heute nicht mehr kennt, hat einen einfachen Grund: 1978 wurde die Produktion eingestellt, weil es Hinweise gab, dass das Medikament krebserregend ist.

  2. Eine Maus, die man mit dem Kopf steuern kann

    Foto: Archiv/Seliger

    Als Computer für viele Menschen wirklich noch Neuland waren, gehörte ein Heilbronner zu den großen Tüftlern. Seit 1993 entwickelt Raimund Bickelmann Bedienhilfen für Menschen mit Behinderungen. Eine seiner Erfindungen: eine Computer-Steuerung ganz ohne Hände. Seine Kopf-Maus war für Menschen mit Querschnittslähmung gedacht. Mit einem Reflektor auf der Stirn des Nutzers konnte der Nutzer die Mausbewegung mit dem Kopf steuern. Auch die Tastatur ließ sich mit dieser Methode nutzen. Heute gibt es eine etwas leichtere Lösung für das Problem. Mit einer speziellen Kamera kann die Maus direkt per Pupille gesteuert werden. Auch mit dieser neueren Technik befasst sich der heute in Eberstadt lebende Bickelmann.

  3. Steckverbindung für die Nachrichtentechnik

    Foto: By Bastler; CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

    Die Erfindung eines weiteren Heilbronners fand sogar Eingang in den Großen Brockhaus. Als Tuchel-Kontakt war dort eine Steckverbindung geführt, die vor allem bei Tonverbindungen zum Einsatz kam. Ulrich Tuchel hatte die Verbindung 1936 entwickelt, doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Heilbronn. 1949 gründete er die Tuchel Kontakt AG und vermarktete seine vor dem Krieg angemeldeten Patente. Seine Studiotechnik fand reißenden Absatz im aufblühenden Rundfunk, so dass Tuchels Unternehmen bis zu 650 Menschen beschäftigte. 1966 verkaufte er die Firma nach Amerika. Und auch der Tuchelstecker ist mittlerweile von XLR-Steckern abgelöst worden.

  4. Eine Maschine, die Papier herstellt

    Foto: Theodor Rausche aus Heilbronn. Geschichte und Leben einer Stadt; via Wikimedia Commons

    Die erste Maschine zur Herstellung von endlosem Papier wurde 1820 in England entwickelt. Ein Exemplar dieser Maschine landete dann in Heilbronn. Als hier Ersatzteile fehlten, wurde der Heilbronner Mechaniker Johann Jakob Widmann engagiert. Widmann erfüllte nicht nur diese Aufgabe zur großen Zufriedenheit seiner Auftraggeber, sondern entwickelte im stillen Kämmerlein auch noch seine eigene Papiermaschine. Die erste Endlos-Papiermaschine Deutschlands stand in der Papierfabrik Johann Jakob Widmann in Heilbronn-Neckargartach.

  5. Der fliegende Liegestuhl

    Foto: HDP, via Wikimedia Commons

    Der Grafiker Gustav Adolf Baumm zieht 1953 nach Heilbronn. Der 33-Jährige soll für die Neckarsulmer Motorenwerke ein stromlinienförmiges Kraftrad entwickeln. In dem „fliegenden Liegestuhl“ liegt der Fahrer auf dem Rücken. Die zwei von Baumm entwickelten Versionen erreichten in den 1950er Jahren Weltrekorde in unterschiedlichen Motorgrößen. Das kleine Geschoss mit dem nur 125-ccm-großen Motor fuhr fast 220 Stundenkilometer schnell. Dem in Heilbronn lebenden aber in Neckarsulm arbeitenden Erfinder wurde der Geschwindigkeitsrausch zum Verhängnis. Er starb 1955 bei einer Testfahrt auf dem Nürburgring. Das besondere Kraftrad ist noch heute im NSU-Museum in Neckarsulm zu sehen.

  6. Ein Auto, keine Kutsche

    Foto: Daimler AG

    1889 baute Wilhelm Maybach den Stahlradwagen. Das besondere: Es handelte sich um das erste wirkliche Auto, das nicht nur eine motorisierte Kutsche war. Maybach ist in der Heilbronner Altstadt geboren. Später zog es die Familie nach Stuttgart. Obwohl Maybach den Otto-Motor erst richtig nutzbar machte und auch den ersten Mercedes entwickelte, blieb er lange im Schatten von Gottlieb Daimler. In den 1920er Jahren machte sich der Automobil-Pionier selbstständig und produzierte Luxusautos. 2000 griff Daimler die Marke wieder auf.

  7. Eine Suppe in Wurstform

    Foto: Rainer Zenz; CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Die Erbswurst gehört vielleicht zu den Erfindungen, die Heilbronn an stärksten geprägt haben. Dabei stammt das Fertiggericht gar nicht wirklich aus Heilbronn. Erfunden hat die Erbswurst der Koch Johann Heinrich Grüneberg aus Berlin. Doch in den 1890er Jahren wurde der Vorgänger der heutigen Tütensuppen der erste Verkaufsschlager der damals noch jungen Firma Knorr. Dieser „gekauften“ Erfindung folgten viele selbst einwickelte Fertigsuppen und -gerichte. Noch immer werden bei Knorr neue Produkte getestet und bestehende weiterentwickelt, auch wenn das Unternehmen längst zum Unilever-Konzern gehört.

  8. Das Leibgericht der Heilbronner

    Foto: Tobias Wieland

    Was tut man, wenn man einen Heilbronner so richtig kulinarisch verwöhnen will? Man stellt einen Teller zusammen, auf dem alle lokalen Leckereien zu finden sind. Zu einem „Heilbronner Leibgericht“ gehören Schweinemedaillons, Pilzsoße, Maultaschen, Buabaspitz, hausgemachte Spätzle und ein kleiner Salatteller. Erfinder dieses umfangreichen Gerichts ist laut Heilbronner Stadtarchiv der Koch und Hotelkaufmann Heinrich Götz. 1982 entwickelte er das „Heilbronner Leibgericht“. Heute kann man das Gericht in vielen Heilbronner Gaststätten finden, natürlich auch in dem von Heinrich Götz geführten Restaurant „Der Götz“.

  9. Ein Riese mit Flügeln

    Ein Riesenflugzeug aus dem Jahre 1918. Themenfoto: Unbekannt, via Wikimedia Commons

    Größer, länger, breiter – so lautete wohl das Motto der Flugzeugkonstrukteure in den 1910er Jahren. Einer der Vorreiter bei der Entwicklung dieser Riesen-Flugzeuge war der in Heilbronn geborene Konstrukteur Alexander Baumann. Baumann unterrichtete Flugzeugbau in Zwickau, Berlin und Stuttgart, bis er sich 1914 mit dem Bau eines neuen Fluggerätes begann. Der Doppeldecker VGO I war 42 Meter lang und die Flügel fast ebenso breit. Ursprünglich sollte der Riese zivilen Zwecken dienen, doch angesichts des aufkommenden ersten Weltkrieges, wurde er für den Transport von Bomben verwendet.

  10. Eine Wunderwaffe für die Feldarbeit

    Foto: Archiv/Eisenmenger

    Das „Dreschwunder von Heilbronn“ ist vielleicht die mysteriöseste der Heilbronner Erfindungen, in den Archiven war wenig über die Erfindung des Landmaschinenkaufmanns Fritz Schneider zu erfahren. Das Dreschwunder sei eine Revolution gewesen, mit der ein Bauer die Ernte alleine bewerkstelligen konnte. Alfred Fischer von der Hochschule Heidelberg bringt Licht ins Dunkle: Per Mail erklärt er, wie das auch Häckseldrescher genannte Gerät funktioniert. "Die Garben werden über einen Häcksler per Gebläse der Dreschmaschine die im oberen Bereich der Scheune aufgestellt ist, zugeführt. Über eine Stiftentrommel gelangen Stroh, Spreu und Körner auf rotierende Siebe die das Ganze trennen.Körner, Stroh und Spreu werden dann wieder mittels Gebläse, welches auf der Welle der Dreschtrommel aufgesetzt ist, weitertransportiert." Dass das Dreschwunder, anders als vorhergesagt, keine goldene Zukunft hatte, lag an der Erfindung des Mähdreschers, die schon bald danach aufkam und die Kornverarbeitung noch einmal erleichterte.

 


Der Fragesteller

Angestoßen hat die Suche nach den Heilbronner Erfindungen Jürgen Zechmann. Der 68-Jährige ist eigentlich selbst einer von Heilbronns Erfindern. Für Bosch hat er jahrelang in Skandinavien an der Entwicklung des ABS getüftelt, mittlerweile wohnt er wieder in Heilbronn-Sontheim. Mit seiner Frage hat sich Zechmann an unsere Serie "Noch Fragen?" gewandt. Er wünscht sich, dass die Industriegeschichte der Stadt besser zur Geltung kommt. „Heilbronn hat so viel industrielle Geschichte, aber man erfährt so wenig darüber.“

Haben wir noch eine Erfindung aus Heilbronn vergessen? Schreiben Sie uns an nochfragen@stimme.de.

 

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