Stadtsiedlung baut Kinderhaus im Neckarbogen

Heilbronn  Stuttgarter Büro Finkh gewinnt Architekturwettbewerb für Kita der besonderen Art

Von unserem Redakteur Kilian Krauth
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Stadtsiedlung baut Kinderhaus im Neckarbogen
Hanspeter Faas und Robert an der Brügge (rechts) bauen ein Kinderhaus in den Neckarbogen ein, vorerst nur im Modell. Das Gebäude und ein benachbartes Wohnhaus wurden von Chris und Thomas Finkh (links) entworfen.Foto: Mario Berger

Wichtiger als die Hülle ist der Inhalt", betont Direktor Robert an der Brügge. "Wir planen unsere Häuser von innen nach außen, nicht umgekehrt," erklärt der selbstbewusste Chef der Stadtsiedlung Heilbronn GmbH. Deshalb könne er "damit leben, dass wir eine Klatsche bekommen haben". Mit der Klatsche spielt er auf kritische Stimmen von Stadträten und Jurymitgliedern an, die "Nachbesserungen" für seinen Entwurf im Neckarbogen angemahnt hatten. Er sieht den Bau eines Wohnhauses und eines Kinderhauses vor.

Erst nachdem der Inhalt klar war, hat die Stadtsiedlung diesen Herbst fünf Büros zu einem kleinen Wettbewerb geladen. Am Donnerstag stellte sie den Sieger und seine Pläne vor: das Stuttgarter Architekturbüro Finkh Architekten. Der spannende Entwurf lasse "die Landschaft ins Gebäude reinwachsen", erklärt Projektbetreuer Wolf-Dieter Sprenger, nicht nur dies habe die Jury einmütig überzeugt.

Das "Spiel mit der Natur" nennt Chris Finkh als eine Grundidee, die andere sei ein Bauklötzchen-System. Er und sein Bruder Thomas stapeln tatsächlich hölzerne Quader auf fünf Ebenen. Glas, offene Decken und leichte Verschiebungen öffnen hohe Räume mit Loggien, Rutschen, Sitzinseln, ja sogar für einen kleinen Pool auf dem Dach.

Familienfreundlich

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Die Architekten sprechen von Bauklötzen, die sie auf fünf Ebenen stapeln. Dazwischen entstehen unterschiedliche Spielräume mit reizvollem Lichteinfall.

Für Buga-Chef Hanspeter Faas steht ein Kinderhaus, zumal in dieser Qualität, "für Leben im Quartier, für Nachhaltigkeit und für Urbanität". Es zeige, "das Wohnquartier ist nicht nur für Singles, sondern auch für Familien. Das haben wir hier optisch wunderschön dokumentiert."

Dass die kommunale Wohnbautochter zunächst kein ansprechendes Modell vorlegte, liegt keinesfalls daran, dass sie zu dem Investoren-Wettbewerb gesetzt war − und sich womöglich gar nicht anstrengen hätte müssen, sagt an der Brügge. Die Verzögerung sei vielmehr einem Zusammenspiel unglücklicher Umstände geschuldet: Ursprünglich wollte die Stadtsiedlung nicht nur die beiden Grundstücke H5 und H6 entwickeln, sondern den Großteil des nördlichen Blocks. "Doch der Partner ist uns abgesprungen." Weiteres Handicap: Das Grundstück H7 ist nicht im Besitz der Stadt, muss also bei der Planung des Block-Untergeschosses ausgespart bleiben. Vor allem eine praktikable Lösung für die Tiefgaragen-Zufahrt sei dadurch lange gebremst worden. Weil außerdem fünf Bauherren im Spiel seien, brauchte "der ganze Ringelreihen ziemlich Zeit".

Kuschelwohnungen

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Dasselbe gelte für Abstimmungsfragen mit der Stadt, die die Trägerschaft für den Kindergarten übernehmen will, den die Stadtsiedlung gerne selber betreut hätte: als Ergänzung zum keine 500 Meter entfernten Zukunftspark Wohlgelegen, so dass Arbeiten, Wohnen und Familien nah beieinander liegen. Aber dies sollte auch unter städtischer Trägerschaft möglich sein. Dem Rathaus schwebt ein "Kinderhaus der ganz neuen Art vor", wie an der Brügge erklärt. Eine Art Familienzentrum, in dem es sogar Übernachtungsmöglichkeiten für Eltern geben könnte: "Kuschelwohnungen". Neben reformpädagogischen Ansätzen gebe es Elemente wie Mehrsprachigkeit, Integration, Inklusion. Als Beraterin sei die renommierte Pädagogin Ilse Wehrmann mit im Boot, die für Unternehmen wie Daimler und RWE tätig ist.

Wohnhaus

Daneben plant die Stadtsiedlung ein Wohnhaus mit 20 bis 25 Mietwohnungen, zum Großteil öffentlich gefördert. "Schließlich soll der Neckarbogen möglichst bunt und ein Stadtteil für alle Bevölkerungsschichten werden", sagt an der Brügge, "also quasi nicht nur für Ärzte, sondern auch für Krankenschwestern" − und meint damit alle, denen weniger Geld zur Verfügung steht, als sie verdient hätten.


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