Leben und Arbeiten unter einem Dach

Heilbronn  Räume für Architekturbüro BKT und Dienstleister − Drei geförderte Wohnungen

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner
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Das Heilbronner Architekturbüro Bechler, Krummlauf, Teske (BKT) wird in das für Paulus Wohnbau geplante Gebäude auch selbst einziehen.Visualisierung: BKT

Erwin Paulus ist optimistisch, dass sich auf dem Baufeld J alles zum Guten wendet. Dort hatte sich zunächst die Wüstenrot Wohnbau zurückgezogen. Kurz vor Weihnachten haben sich die Kirchen vom geplanten ökumenischen Begegnungszentrum verabschiedet, das die Paulus Wohnbau aus Pleidelsheim als zweites Neckarbogen-Projekt realisieren will. Der Firmenchef geht davon aus, dass sich eine Lösung findet und das vom Heilbronner Architekturbüro Müller geplante Gebäude auch ohne die Kirchen gebaut werden kann.

Gewerbliche Nutzung

Im Baufeld J plant Paulus mit einem weiteren Heilbronner Architekturbüro: Bechler, Krummlauf, Teske (BKT). Die Architekten sind nicht nur Planer für das sechsstöckige Gebäude, sie wollen ihr Büro auch in den Neckarbogen verlagern. Damit werde man einem Anspruch der Modellquartier-Konzeption gerecht, auch gewerbliche Nutzung zu integrieren und Wohnen und Arbeiten unter einem Dach zu vereinen.

BKT wird das erste und zweite Stockwerk sowie das halbe Erdgeschoss nutzen. Die zweite Hälfte will Paulus der Buga als Ausstellungsraum während der Gartenschau anbieten. Danach kann sich das Unternehmen für die 75 Quadratmeter große Fläche Anbieter aus dem Bereich Friseur oder Kosmetik vorstellen: "Für solche Dienstleistungen sehen wir gute Chancen, dafür dürfte es in dem neuen Stadtteil eine Nachfrage geben."

Kleine Einheiten

Sieben Wohnungen sind für die drei weiteren Etagen geplant. Paulus setzt mit fünf Zwei-Zimmer- und zwei Drei-Zimmer-Wohnungen auf kleinere Einheiten. Wesentlich für das Projekt sind die drei auf 25 Jahre geförderten Wohnungen nach dem Landeswohnungsbauprogramm: Damit spreche man nicht nur finanzkräftiges Publikum als Bewohner für den neuen Stadtteil an: "Die soziale Mischung ist wichtig für die Quartiersentwicklung", sagt Paulus.

Leben und Arbeiten unter einem Dach

Einziehen kann man nur mit Wohnberechtigungsschein. "Auch eine Erzieherin wird im Neckarbogen eine Wohnung mieten können", betont Paulus. Man habe noch nicht entschieden, ob das Unternehmen die geförderten Wohnungen selbst vermietet oder an Investoren veräußert. Die vier ohne Förderung gebauten sollen jedoch als Eigentumswohnungen verkauft werden. Erwin Paulus geht von Quadratmeterpreisen von 3500 bis 4000 Euro aus.

Langlebigkeit

Bei der Ausstattung der Wohnungen soll Qualität und Langlebigkeit im Vordergrund stehen, zum Beispiel "ein vernünftiger Parkettboden", den man auch abschleifen kann. Die Dachterrasse wird, entgegen erster Pläne, nicht von den Bewohnern genutzt werden können, weil die Zeag die Fläche zur Realisierung ihres Energiekonzepts braucht. Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen werden auf dem Dach installiert. Die Investoren des Baufelds haben sich auf eine gemeinsame Lösung geeinigt, der regionale Energieversorger wird ein Blockheizkraftwerk bauen.

Bei der weiß verputzten Fassade soll der Wechsel zwischen großen und kleiner Fensteröffnungen für Spannung sorgen, auf der Seite zum Stadtsee hin sind Loggien geplant. Innovativ ist das monolithische Mauerwerk. Als Baustoff wird ein 40 Zentimeter dicker Ziegelstein verwendet, eine zusätzliche Dämmung, etwa aus Styropor, wird dadurch überflüssig. Der klassische Baustoff war im Geschosswohnungsbau zuletzt aus Schallschutzgründen nicht mehr verwendet worden. In der neuen Generation sind die Luftkammern verfüllt, der Ziegel entspricht nun sämtlichen Anforderungen. Für Erwin Paulus ist es ein Baustoff, der Zukunft hat: "Ziegel atmet, das ist positiv fürs Raumklima."


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