Wie gewöhnlich ist Ihr Geburtstag?

Südwesten  Der 1. Februar ist seit 1980 der geburtenreichste Tag in Baden-Württemberg. Das ist außergewöhnlich, denn das Geburtenmuster im deutschsprachigen Raum sieht eigentlich anders aus. Wie verbreitet Ihr Geburtstag ist, können Sie in unserer interaktiven Grafik herausfinden.

Von David Hilzendegen, stimme.de
Email

Heute knallen ziemlich viele Korken - zumindest bei den Baden-Württembergern, die nach 1979 geboren wurden. Denn der 1. Februar ist der geburtenreichste Tag der letzten Jahrzehnte. 12.516 Kinder kamen an diesem Tag zur Welt, wie sich aus folgender Grafik ablesen lässt.

 

 

Die Heatmap zeigt die Gesamtzahl der Geburten pro Tag in Baden-Württemberg sortiert nach Rängen. Berücksichtigt wurden alle Tot- und Lebendgeburten im Zeitraum vom 1.1.1980 bis 31.12.2015. Sie zeigt vor allem eines: Baden-Württemberg ist in den meisten Bereichen sehr gewöhnlich – aber am 1. Februar extrem auffällig.

Der Septembergipfel

Es sei nicht so einfach, pauschale Aussagen zu treffen, aber „der Zeitraum Juli bis September ist heute im gesamten deutschsprachigen Raum die geburtenreichste Zeit“, sagt Sebastian Klüsener vom Max-Plank-Institut für demografische Forschung in Rostock. Gleiches gilt für die USA, wie ältere Zahlen der New York Times belegen.

In Baden-Württemberg sticht vor allem der September hervor. Woher das kommt, weiß die Wissenschaft bisher nicht sicher. Vermutlich handelt es sich um sogenannte sozio-kulturelle Einflüsse: Die Weihnachtszeit gehört in der Regel den Liebsten, zudem haben viele Arbeitnehmer im Dezember Urlaub. Stimmung und Zeit für die Zeugung sind also gegeben.

Der Gipfel im September war jedoch nicht immer charakteristisch. Ursprünglich unterscheidet die Wissenschaft zwischen dem amerikanischen Geburtenmuster mit Peak im September und dem europäischen Pendant. Europa hat sich mit der Zeit jedoch angepasst. In früheren Zeiten stieg die Geburtenrate im September zwar auch an, die meisten Kinder kamen jedoch im Frühling zur Welt.

Der Wandel sei eine Folge der verbesserten Versorgung, sagt Experte Klüsener. „Der historische Peak im Frühjahr hing mit den Erntezyklen zusammen. Anhand der Ernte konnten Eltern auch abschätzen, ob eventuell im nächsten Jahr Mangel drohte.“ Derlei Gedanken muss sich in unserer heutigen Gesellschaft niemand mehr machen.

Feiertagsflauten und Launen der Natur

Leichter zu erklären sind die geringen Geburtenzahlen an Feiertagen wie Weihnachten, Neujahr oder dem 1. Mai. Laut dem Statistischen Landesamt kommt jedes dritte bis vierte Kind im Land per Kaiserschnitt zur Welt. Solche Eingriffe wie auch geburtseinleitende Maßnahmen werden in den Krankenhäusern eher an normalen Werktagen durchgeführt als an Wochenenden oder Feiertagen – sofern die Natur solche Planungen zulässt.

Wenigstens ein großes Rätsel bleibt jedoch: Weshalb steigen die Geburtenzahlen zu Beginn eines Monats? Und wieso ist dabei insbesondere der 1. Februar so auffällig? Vor allem Anfang der 1980er wurden auffällig viele Kinder an diesem Tag geboren.

Das Statistische Landesamt schließt aus, dass es sich dabei um Messfehler handelt. Die meisten Ausreißer zu Beginn der Monate lassen sich statistisch schlicht durch Zufall erklären. Nur der 1. Februar sei rätselhaft, sagt Werner Brachat-Schwarz. Eine Erklärung hat der Statistiker aus Stuttgart dafür aber nicht. Auch der Experte aus Rostock kann nur spekulieren.

Es ist nun mal so: Eine Geburt ist eben immer noch ein Phänomen der Natur. Und die lässt sich bekanntlich nur bis zu einem gewissen Grad vom Menschen steuern.


Kommentar hinzufügen