Instagramer Niklas Kiesling - Die Natur vor der Kamera

Heilbronn  Nach der Schule startete Niklas Kiesling aus Kirchhausen seinen Instagram-Account @imperfec1ion. Heute hat er fast 80.000 Follower auf der ganzen Welt. Mit so viel Erfolg hat er am Anfang nicht gerechnet.

Von Agnes Hilger

 Alles begann mit dem Fahrradfahren

 

Let's see where the road will lead me... ?

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„Let´s see where the road will lead me…“, unterschrieb Niklas Kiesling 2014 sein erstes Instagram-Foto. Es zeigt eine Straße. Fluchtpunkt. Wohin sie führt, ist nicht zu sehen. Sie liegt nicht weit weg von Kirchhausen, wo Niklas aufgewachsen ist.

„Das Foto stammt aus meiner Fahrrad-Fahr-Zeit“, sagt er. Nach dem Abi begann er ein freiwilliges soziales Jahr in der Klinik in Weinsberg. Fahrrad-Fahren und Fotos schießen in der Heimat wurden der Ausgleich zum Klinik-Alltag und sind es geblieben. Jetzt ist Niklas 21 und macht in der Klinik eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Wenn er frei hat, fährt er in den Schwarzwald, nach Bayern, nach Südtirol oder Österreich, um zu fotografieren. Fast 80.000 Menschen folgen ihm inzwischen auf Instagram, um diese Fotos zu sehen.

Der Weg zum Stil

 

The tunnel is on fire ????? (something different today)

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Den Fluchtpunkt haben viele Bilder über die Jahre behalten, während der Stil sich laufend verändert. Niklas hat vieles ausprobiert, viele Ideen wieder verworfen. „Manchmal schaut man ein Bild nach einer Woche an und denkt nur: Was habe ich da gemacht? Aber man findet seinen persönlichen Stil.“ 

Manche Bilder tanzen vollständig aus der Reihe. Wie eines, das den Heilbronner Lerchenbergtunnel in feurigem Licht zeigt. Ein Freund hat einen mit brennender Stahlwolle versehenen Schneebesen durch den Tunnel gedreht. Niklas stand an der Kamera, hat das Foto für ein paar Sekunden belichtet, damit der besondere Lichteffekt entsteht. „Das wirkt im Tunnel ganz gut, aber in der freien Natur geht das natürlich nicht. Außerdem reicht es, wenn man das einmal gesehen hat.“ 

„Man begreift plötzlich, wie klein man ist"

 

We don't grow when things are easy, we grow when we face challenges. w/ @patheight

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Andere Ideen finden sich in seinen Fotos immer wieder und werden zu Leitmotiven. Er erklärt, dass es ihn fasziniert, einen Menschen vor der Kulisse einer riesigen Natur zu zeigen. „Man begreift plötzlich, wie klein man ist, wie nichtig die eigenen Probleme sind, im Vergleich zu der Natur, die einen umgibt.“ 

Seine Idee setzt Kiesling systematisch um. Ungefähr jedes zweite Bild zeigt einen Menschen. Das gehört zu seinem Stil, den er über die Jahre entwickelt hat. Dazu gehört auch, dass die Menschen selten ihr Gesicht in die Kamera halten.

Stattdessen schaut man anderen Instagramern wie @patheight über die Schulter auf die Zugspitze. Es gehört zu Niklas` Lieblingsbildern. Nicht nur wegen der Idee dahinter, sondern auch, weil es ein Beispiel für die Freundschaften ist, die er über die App gefunden hat. 

#communityfirst

 

Our fingerprints don't fade from the lives we've touched. #wwim13_BlackForest #LifeOnEarthWWIM13 #UnsereErdeWWIM13

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Man lernt sich kennen über die Kommentare unter einem Bild, manchmal über direkte Nachrichten und manchmal über Instameets. „Das war mein erster großer Trip“, sagt Niklas über ein Treffen mit vielen Gleichgesinnten im Harz. Ein Wochenende lang kennenlernen, wandern und natürlich fotografieren. Die Veranstalter planen vorher einzelne Spots, so kommt sich niemand in die Quere. 

Im vergangenen April hat Niklas dann selbst, zusammen mit dem Freund Fabian Müller ein solches Treffen organisiert, im Schwarzwald, wo Niklas ständig ist und sich gut auskennt. 16 Naturbegeisterte nahmen daran teil.

Auf dem Weg zum letzten Spot lag der Nebel auf dem Schwarzwald. Niklas und Fabian ließen das Auto stehen, um das Motiv kurz einzufangen - genauso wie die anderen 14.  „Das ist der Moment, in dem du begreifst, dass die anderen genauso denken wie du“, schwärmt Niklas.

Ein bezahltes Hobby

 

Run and find yourself. w/ @keeneurope

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Damit solche Treffen möglich werden, suchen sich die Veranstalter oft einen Sponsor. Das Treffen im Schwarzwald war zu spontan geplant, so gab es keinen Sponsor. Die Kosten für das Treffen im Harz übernahm aber zum Teil ein amerikanischer Konzern.

Der Kontakt mit Unternehmen gehört inzwischen zu Niklas` Hobby. Manche Konzerne schreiben ihn an, manche schreibt er an. Wie es dann weitergeht, ist ganz unterschiedlich. Meistens bekommt er ein Produkt, das er in seinen Bildern in Szene setzen soll. Diese teilt er dann selbst oder überlässt sie dem Konzern. Dafür bekommt er Produkte oder Geld, zum Beispiel von Firmen wie Audi, Canon, O2 oder Deuter. Der Verdienst sei jedes Mal anders.

Eine Absage bekommt Niklas selten, wenn dann ist er derjenige, der absagt. Er legt Wert darauf, dass das Foto selbst das Wichtigste bleibt. Das Produkt soll nicht im Mittelpunkt stehen. Auf einem Foto, das er für die Firma „KEEN Footwear“ geschossen hat, sind die Schuhe kaum zu sehen, sind nicht einmal im Zentrum des Bildes. Der Konzern findet sich nur in der Bildunterschrift. Niklas betont, dass sich sein Hobby nicht um das Geldverdienen dreht. Es gehe ihm um die Natur und vor allem um die Menschen, mit denen die App ihn verbindet. 

Hobby bleibt Hobby

Darüber, die Fotografie zum Beruf zu machen und später von ihr zu leben, denkt Niklas im Moment ohnehin nicht nach. Nach der Ausbildung will er Medizin studieren. In der Klinik hat er lange versucht, sein erfolgreiches Hobby geheim zu halten, damit er nicht ständig darauf angesprochen wird. Eineinhalb Jahre hat er es geschafft. Dann hat es eine ehemalige Mitschülerin zufällig mitbekommen. Jetzt wissen es alle.

Nur auf einem Bild im Feed zeigt Niklas sein Gesicht. Es ist ein Geburtstagsgeschenk des digitalen Zeitalters: Er hat es an seinem 21. Geburtstag hochgeladen. Die Bildunterschrift wie immer auf Englisch. Ein Großteil seiner Follower stammt aus den USA. Den Text an sich überlegt er sich im Normalfall zuhause am Computer. Dann wählt er ein passendes Zitat oder schreibt selbst etwas.

Let´s see where the road will lead me...“, steht noch immer unter seinem ersten Bild. Dass sein Account ihn so weit führen würde, hat Niklas Kiesling nicht erwartet. 


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