Hier finden Studenten ein Dach über dem Kopf

Region  Wohnheime schießen wie Pilze aus dem Boden. Das ist auch dringend nötig: 7000 Studierende hat Heilbronn in diesem Herbst.

Von Gertrud Schubert und Tamara Kühner

 

Höchstens 250 Euro und am besten alles inklusive: Dafür lässt sich mit viel Glück in Künzelsau ein Studentenzimmer ergattern. Aber in Heilbronn? Mit der Zahl der Studierenden sind auch die Mieten in die Höhe geklettert. Doch im Vergleich zu großen Studentenstädten scheint das Angebot an Wohnraum noch immer ausreichend. Wohnheime schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Neuen unter ihnen gelten allerdings als Preistreiber auf dem Wohnungsmarkt. Denn die privaten Vermieter orientieren sich an dem, was die Wohnheime verlangen.

Wartelisten

7000 Studierende hat Heilbronn in diesem Herbst. Und es werden immer mehr. Darauf reagierten private Bauträger und das Studierendenwerk − sie bauten und planen Wohnheime. Puro und Roberta sind in diesem Jahr eröffnet worden, 170 Apartments kamen so neu auf den Markt. Im Juli stellte Susanne Krueger von Böhringer Creativbau die Sontheimer Roberta-Zimmer ins Internet und konnte sich vor Anfragen kaum retten. "Tiefgaragenstellplätze haben wir noch", sagt sie, und Wartelisten: 80 Namen stehen darauf, genauso viele Studierende hoffen auch, dass sie in der Paula in der Nordstadt unterkommen. Weder das Rauchverbot im Haus, noch die stattlichen Preise zwischen 306 und 580 Euro pro Monat schrecken die Interessenten ab.

"Man muss sich schon wundern, wie viele Studierende sich das leisten können", Birgit Englert vom studentischen Servicebüro der Hochschule Heilbronn staunt da immer wieder. Viele jobben dafür, ahnt sie. Wie viele standen seufzend an ihrer Theke und gestanden, dass das Familienbudget 200 Euro fürs Wohnen vorsieht. Damit kommt man in Heilbronn nicht weit. Kalt und superklein und weitab vom Schuss ist so eine Bude. Doch vor allem wenn die Preise überzogen sind, bittet Birgit Englert bisweilen die privaten Vermieter ihre Forderung zu überdenken. Sie steht für die Studierenden ein: "Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum."

Stuwo-Sanierung

Als ausgesprochen sozial versteht Rainer Weyand vom Studierendenwerk Heidelberg die Zimmerpreise der drei Studentenwohnheime (Stuwo) ab 193 Euro. Doch rechnet auch er damit, mehr zu verlangen, wenn voraussichtlich zum Wintersemester 2016 die Generalsanierung des ältesten Heilbronner Wohnheims in der Max-Planck-Straße 27 abgeschlossen ist. 70 der 255 Zimmer stehen schon seit einem halben Jahr leer, nach der Bestandsaufnahme ist klar, dass die Bauarbeiten drei bis vier Millionen Euro verschlingen werden. Im Januar 2015 wird ein Treppenturm errichtet. Dann können die Bauarbeiten beginnen.

"Alles wird neu", Weyand verspricht neue Decken, Beleuchtung, Leitungen, Brandschutz, der seinen Namen verdient, neuen Internetanschluss, neue Möbel. Nahtlos soll im kommenden Herbst der Umzug über die Bühne gehen, die hohe Fluktuation von 50 bis 60 Prozent mache das möglich. Die Hausbewohner wechseln in die renovierten Zimmer und in Zimmer, die bis dahin leer werden.

Pläne

Und es wird weiter gebaut. Noch in diesem Jahr soll das Ringhotel in der Unteren Neckarstraße von 75 Studierenden bezogen werden. Der Umbau läuft zurzeit auf Hochtouren. In der Heilbronner Innenstadt liebäugelt das Studierendenwerk mit einem Grundstück in der Cäcilienstraße, die Verhandlungen laufen bereits. Hier soll ein Neubau für 80 bis 90 junge Leute entstehen. Mit Blick auf den neuen Stadtteil Neckarbogen schließt Susanne Krueger ein weiteres Engagement von Böhringer Creativbau nicht aus. Denn noch immer laufen täglich neue Mietanfragen für ihre Wohnheime ein.

Wohnraumsharing

Eine raffinierte Dauernutzung der Zimmer ermöglicht die Duale Hochschule Baden-Württemberg ihren Studierenden in Heilbronn. Schließlich wechseln sich für die "Dualen" Studium und Praxis vierteljährlich ab. Entsprechend zyklisch beginnen die Kurse. Wenn der A-Kurs in die Firma geht, kommt der B-Kurs nach Heilbronn. Die Studierendenvertretung vermittelt das Wohnraumsharing. Und alle freuen sich, immer wieder ein Vierteljahr Miete zu sparen.

In Künzelsau Keine große Auswahl haben Studierende in Künzelsau bei der Wohnungssuche. Aber sie werden fündig, obwohl hier inzwischen 1585 junge Leute studieren. Das Studierendenwerk hat angekündigt, möglichst direkt auf dem Campus ein Wohnheim mit 260 Plätzen zu bauen. Standort und Baubeginn stehen aber noch nicht fest. Unterdessen gibt es privates Engagement. In der Mühle Morsbach entstehen 15 Gehminuten vom Campus entfernt zurzeit drei Wohnungen mit zwölf Zimmern für Studierende. Die Warmmiete wird wohl bei 320 Euro pro Kopf liegen.


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