So schmeckt Heimat

Hohenlohe  Was für den Schwarzwald der Schinken, das sind für Hohenlohe das Boeuf de Hohenlohe und das Schwäbisch-Hällische Landschwein.

Von Yvonne Tscherwitschke

Mit dem Boeuf de Hohenlohe stehen die Schwäbisch-Hällischen Schweine für die Region. Wegen ihrer typischen Zeichnung werden die Schweine auch Mohrenköpfle genannt. Foto: dpa

Für manche schmeckt Heimat nach dem Sauerbraten der Mutter. Andere werden beim Geruch von frisch gebackenem Hefezopf wehmütig und denken an gemeinsame Sonntage im Kreis der Familie. Und es gibt Produkte, die den Geschmack der Heimat in viele Küchen transportieren und eng mit der Gegend hier verbunden sind. Was für den Schwarzwald der Schinken ist, das sind für Hohenlohe das Boeuf de Hohenlohe und das Schwäbisch-Hällische Landschwein.

Dass das Hohenloher Rind und das liebevoll Mohrenköpfle genannte Schwein wieder einer breiteren Masse bekannt sind – und zwischenzeitlich auch über Manufaktum eingedost bundesweit verschickt werden – ist der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft um Rudolf Bühler zu verdanken. In den 1980er Jahren ging von ihm die Initiative aus, die alte, fast ausgestorbene Rasse wieder zu beleben. Zwischenzeitlich sind 15 Zuchtbetriebe in der Region gelistet. Dazu kommen die Ferkelerzeuger und die Mastbetriebe (insgesamt rund 100), die alle nach den strengen Kriterien der Erzeugergemeinschaft rund 5400 Tonnen Fleisch produzieren.

Kein Gift und keine Gentechnik auf dem Hof

Einziger Zuchtbetrieb im Hohenlohekreis ist der von Simone (47) und Rainer Franz (51) in Mulfingen-Ochsental.Vor 20 Jahren hat das Paar sich einen eigenen Hof aufgebaut. Seit neun Jahren züchtet die Familie Schwäbisch-Hällische Landschweine. „Wir wollten Qualität, nicht Quantität“, erklärt Simone Franz, weshalb sie Mitglied der Erzeugergemeinschaft wurden. Denn: „Wir leben, wie wir landwirtschaften.“ Die Umstellung hat sich bewährt: „So kamen wir raus aus dem Hamsterrad, immer größer werden zu müssen“, erklärt Rainer Franz. Er ist zwischenzeitlich der einzige Vollerwerbslandwirt in Ochsental.

Sophia Franz möchte Landwirtschaft und Soziale Arbeit studieren. Foto: Tscherwitschke

Bei Simone Franz kam „die Liebe zur Landwirtschaft mit der Liebe zu meinem Mann“. Gemeinsam mistet und füttert das Paar die 100 Mutterschweine, die 200 Mastschweine und die vielen Ferkel. Rainer Franz bewirtschaftet die 64 Hektar Ackerflächen und den Wald. Die gelernte Hauswirtschafterin kümmert sich um den Hofladen. Im Stall und auf den Feldern gilt: Es gibt kein Gift und keine Gentechnik. Franz verkauft seine Ferkel an andere Ferkelerzeuger und an Mastbetriebe. Nur auf etwas mehr als einem Dutzend Betriebe im Hohenlohekreis quieken die Schwäbisch-Hällischen Landschweine.

Wenige Metzger verkaufen das Fleisch

Und auch die Zahl der Metzger, bei denen das als besonders schmackhaft gelobte Fleisch zu bekommen ist, ist klein: In Öhringen ist es gerade einmal eine Metzgerei, dazu kommen einige wenige im Raum Heilbronn, die Erzeugergemeinschaft und die Markthalle in Schwäbisch Hall. So wundert es nicht, dass die Kunden sogar von Ludwigsburg nach Ochsental fahren. Sie schätzen das zarte, saftige Fleisch mit der natürlichen Speckauflage. Warum das so ist, können sie auf dem Hof sehen, wenn sie Rainer Franz zum Offenstall begleiten. Dort wühlen die bis zu 300 Kilo schweren Muttersauen mit der schwarzen Schnauze im Stroh.

„Man sagt zu den Mohrenköpfle auch Maskenschwein“, deutet Rainer Franz das faltige Gesicht der Sauen. Der Kindergarten ist nah beim Wohnhaus. Sophia Franz (19) ist gerade von der Schule, gekommen. Sie wechselt die Kleider, dann geht sie zu den 100 Ferkeln, die sogar Spielzeug im Stall haben. „Ich habe den Boden 25 Jahre in meiner Verantwortung, dann gebe ich ihn weiter. Und wenn ich möchte, dass die nächste Generation auch davon leben kann, muss ich das ordentlich tun“, sagt Franz. Sophia und ihre Schwester wissen, dass sie in der Landwirtschaft eine Zukunft haben.

Rasse

Das Schwäbisch-Hällische Landschwein geht auf König Wilhelm I. von Württemberg zurück. Er hat um 1820 der Landeszucht einige chinesische Maskenschweine zuführte. Die Mohrenköpfle sind robuste und stressresistente Tiere.