Warum Blutspenden so wichtig sind

Region  Aus einer Blutspende entstehen viele verschiedene Produkte, die nicht nur frei von Krankheitserregern sein müssen.

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Gestern gab"s zum Essen Bratwurst? Dann können Sie"s gleich vergessen. Zum Frühstück Nussnougatcreme? Ein Rausschmeißer schlechthin. Aber auch vermeintlich gesunde Sachen wie Omelette oder Avocado, Nüsse oder Oliven verbauen kurzfristig den Karrierestart als Blutspender. Und eine Allerwelts-Schmerztablette mit dem Wirkstoff Ibuprofen geht gar nicht. So ist es also nicht leicht, alle Bedingungen zu erfüllen, um als Spender akzeptiert zu werden. Die Latte liegt hoch − aus gutem Grund. "Sobald Blut gebraucht wird, wird das Thema brisant", weiß Dr. Astrid Stäps. Betroffene und Angehörige treibt die Sorge um, ob das benötigte Präparat auch in Ordnung ist. "Das müssen wir bereits bei der Herstellung sicherstellen, indem wir das Restrisiko so gering wie möglich halten", betont Stäps: "Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes eine sichere Bank."

Versorgung vor Ort

Seit rund 20 Jahren leitet die Fachärztin die Abteilung für Transfusionsmedizin und die hauseigene Blutbank der SLK Kliniken in Heilbronn. "Unser primärer Auftrag ist die Patientenversorgung hier in der Einrichtung", erklärt die Blutbank-Chefin. Was vor Ort gespendet wird, landet in der Ausgabestelle der Blutbank zwei Etagen höher.

Alles rund um die Blutspende ist deutschlandweit verbindlich geregelt. "Wir unterliegen dem Transfusions- und dem Arzneimittelgesetz", betont Stäps. Nach einer ausführlichen Anamnese lässt sich der potenzielle Spender eine Probe seines Lebenssafts abzapfen. Die wird im Labor gecheckt: Eine Infektion mit dem Aids-Virus HIV, mit Hepatitis B, C und E, Syphilis und Westnilvirus soll so ausgeschlossen werden. Aber: "Das Coronavirus wird nicht getestet." Denn nach derzeitigem Wissenstand erfolgt keine Übertragung, wenn der Spender symptomfrei ist.

9500 Blutprodukte hat die Heilbronner Blutbank im vergangenen Jahr erzeugt, der Bedarf aller SLK Kliniken liegt bei rund 15?000 jährlich. "Die 100-prozentige Versorgung schaffen wir nicht", bedauert die Transfusionsmedizinerin. "Aber wir wollen vor allem die Spezialpräparate selbst herstellen." Denn das Spenderblut ist der Rohstoff für viele verschiedene Produkte. Die Blutgruppe spielt dabei keine Rolle: "Jeder Pott hat seinen Deckel", sagt Stäps, "wir brauchen wirklich jede Blutgruppe."

Im Körper eines Erwachsenen zirkulieren rund fünf Liter Blut. Rund ein Zehntel davon − etwa 500 Milliliter − wird bei einer klassischen Spende aus der Armbeuge entnommen und danach in seine einzelnen Bestandteile aufgeteilt, getestet und freigegeben. Außerdem gibt es die sogenannte Apheresespende, bei der spezielle Blutzellen entnommen werden. "Was wir nicht brauchen, bekommt der Spender zurück", erläutert die Ärztin das System.

Rote Blutkörperchen: Größte Zellgruppe sind die Erythrozyten. Rund fünf Millionen von ihnen tummeln sich in einem Kubikmillimeter Blut. Sie werden auch Rote Blutkörperchen genannt. Der rote Farbstoff, das Hämoglobin, wird mithilfe von Eisen gebildet. Hämoglobin bindet Sauerstoff, so können die Roten Blutkörperchen auf ihrem Weg auch durch allerkleinste Gefäße den kompletten Körper damit versorgen und das Abfallprodukt Kohlenstoff zum Entsorgen in die Lunge verfrachten.

Weiße Blutkörperchen: Die sogenannten Leukozyten spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem, weil sie körpereigene von fremden Substanzen unterscheiden können. Sie werden in der Thymusdrüse und dem Knochenmark gebildet. Von der Gedächtnis- über die Killer- bis zur Fresszelle: Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Leukozyten-Klassen. Lymphozyten, Dendritische Zellen, Granulozyten oder Makrophagen haben jeweils eigene Aufgaben im Kampf gegen Viren oder Bakterien. Bei einem gesunden Erwachsenen enthält ein Kubikmillimeter Blut etwa 4000 bis 10?000 Leukozyten. Im Fall eines Infekts oder einer Entzündung erhöht sich ihre Anzahl, damit der Erreger effektiv bekämpft werden kann.

Blutplättchen: Rund 150?000 bis 400?000 Thrombozyten finden sich in einem Kubikmillimeter Blut. Sie spielen eine bedeutende Rolle bei der Blutgerinnung. Als körpereigenes Pflaster verschließen sie kleine Risse in den Gefäßwänden oder Wunden.

Plasma: Zu 55 Prozent besteht Blut aus einer klaren, gelblichen Flüssigkeit: Das Plasma setzt sich zusammen aus 91 Prozent Wasser, neun Prozent Nährstoffen, Hormonen, Mineralien und mindestens 120 verschiedenen Eiweißstoffen. Diese Proteine sind lebenswichtig etwa zur Blutgerinnung und zur Abwehr von Infektionen. Darüber hinaus können aus mehr als einem Viertel der Proteine lebensrettende Medikamente hergestellt werden.

"Ziel ist es, alle Produkte zu verwenden", sagt Stäps. "Wir wollen ja nichts verfallen lassen." Benötigt werden die Blutprodukte hauptsächlich in drei Bereichen: in der Onkologie, etwa wenn nach der Chemotherapie das Knochenmark noch nicht genügend Blutzellen produzieren kann. Bei geplanten Operationen, "obwohl wir sehr blutsparend operieren". Und drittens, wenn Patienten Mehrfachverletzungen bei Unfällen erlitten haben.

Spätestens da kommt die Bratwurst wieder ins Spiel: "Das Plasma, das sonst klar ist, sieht nach fettigem Essen aus wie Kaffeesahne", erklärt Stäps. "Das können Sie keinem Menschen geben." Und das Schmerzmittel Ibuprofen? "Das wirkt auf die Blutplättchen", sagt die Transfusionsmedizinerin. Man stelle sich vor, ein Frühchen in der Neonatologie bekäme das Präparat mit den geschädigten Blutzellen − undenkbar.

Ein Blutprodukt ist etwa sieben Wochen haltbar, lediglich Plasma kann schockgefrostet und bei minus 40 Grad Celsius zwei Jahre gelagert werden. Weil es also immer Nachschub braucht, sind Spender in der Blutbank immer willkommen: "Der Begriff ,dringend" gilt das ganze Jahr", sagt Stäps.

Kontakt: Telefon 07131?4946480, E-Mail: blutbank@ slk-kliniken.de

Warum Blutspenden so wichtig sind

Dilchert

Renate Dilchert

Autorin

Renate Dilchert ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme und arbeitet als Redakteurin im Ressort Leben und Freizeit.

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