Deutsch lernen und arbeiten, am besten gleichzeitig

Arbeit ist der Schlüssel zur Integration. Wie reagieren die zuständigen Behörden derzeit auf die vielen Flüchtlinge? Wir haben einige der wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Von Daniel Stahl und Christian Gleichauf

Wie viele Asylbewerber arbeiten in der Region Heilbronn?

Die Arbeitsagentur in Heilbronn kümmert sich seit Anfang des Jahres mit einem eigenen Team und zwei eigens geschaffenen Stellen um die Asylbewerber. 20 Flüchtlinge haben seitdem eine Stelle gefunden, weiteren 20 bis 30 wurde ein Praktikumsplatz vermittelt, erklärt der Leiter der Arbeitsagentur, Jürgen Czupalla. Das Jobcenter für den Landkreis Heilbronn betreut Asylbewerber bisher mit den vorhandenen Kräften mit. Derzeit sei man für knapp 300 anerkannte Asylbewerber zuständig, sagt Geschäftsführer Ottmar Wörz. Monatlich kämen etwa 20 Menschen dazu. Nur einen kleinen Teil der Menschen habe man bisher vermittelt, sagt Wörz. Und: Den großen Ansturm an Asylbewerbern erwarten die Arbeitsagenturen erst 2016.

Arbeit
Flüchtling Jamshid Habilbi arbeitet bei Fließenleger Armin Marschall in Oberheinriet.

Können Arbeitsagenturen und Jobcenter die vielen Asylbewerber überhaupt betreuen?

Für das kommende Jahr hat Frank-Jürgen Weise, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, bis zu 3000 neue Stellen angekündigt. „Wenn wir genügend Personal haben, schaffen wir das auch“, kommentiert Jobcenter-Chef Wörz. Wie viele der Stellen in der Region besetzt werden dürfen, ist aber noch nicht bekannt. Agenturchef Czupalla erklärt, man sei auch ohne konkrete Zusagen schon in die Rekrutierung neuer Kräfte eingestiegen, um keine Zeit zu verlieren.

Sind die Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt in Deutschland ausreichend qualifiziert?

Die Region sucht händeringend Fachkräfte. „Da können die Asylbewerber nur zu einem geringen Teil beitragen“, sagt Ottmar Wörz. Viele der Zuwanderer würden als Lageristen oder Zeitarbeiter in den Arbeitsmarkt einsteigen. In der Vergangenheit war das Bildungsniveau von Einwanderern zwar höher als das des Durchschnitts der deutschen Bevölkerung, so das Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Viele Bürgerkriegsflüchtlinge sind demnach aber schlechter ausgebildet. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das Fachkräftepotenzial erheblich abhängt von Investitionen in Bildung. Vor allem die vielen jungen Asylbewerber könnten mit der richtigen Ausbildung gute Chancen haben auf Jobs.

Wie schnell können Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt einsteigen?

„Da muss man kleine Brötchen backen“, sagt Wörz. Das Signal aus der Wirtschaft sei aber: Wenn die Zuwanderer gut Deutsch sprechen, „dann nehmen sie die Leute auch.“ Der Jobcenter-Chef rechnet dennoch damit, dass es Jahre brauchen wird, bis viele der Flüchtlinge eine Stelle finden. Die Voraussetzungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt sind heute allerdings besser als in der Vergangenheit.

Wie wichtig sind Deutschkenntnisse?

Beim Jobcenter Landkreis Heilbronn lautet das Motto: „Sprache, Sprache, Sprache“, sagt Ottmar Wörz. „Sobald die Leute Deutsch können, ist auch Arbeit da.“ Gut zwei Drittel der Neuankömmlinge sprechen kaum oder zu wenig Deutsch. Als Soforthilfe bezahlt die Bundesagentur für Arbeit nun bis Ende des Jahres Sprachkurse für bis zu 100 000 Teilnehmer. „Erstmals können wir diese Förderung mit anderen Qualifizierungsmaßnahmen verbinden“, sagt Jürgen Czupalla. Im nächsten Jahr werde das Bundesamt für Flüchtlinge und Migration (BAMF) diese Aufgabe übernehmen.

Gibt es ein neues Instrumentarium für die Vermittlung?

„Grundsätzlich zeigt Deutschland derzeit seine Stärke, indem es flexibel auf die Herausforderungen reagiert“, sagt Czupalla. Das Standardinstrumentarium passe insgesamt auch für die Asylbewerber. Ein mögliches neues Modell sehe beispielsweise so aus, dass parallel zur Arbeit oder zur Ausbildung ein Sprachkurs gefördert wird: 30 Stunden Arbeit, zehn Stunden Sprache. „Die Details müssen wir noch klären.“

Sind die bisher Arbeitslose die Verlierer der Flüchtlingskrise?

Nein, sagt das IAB in seiner Studie. Asylbewerber stehen demnach auf dem Arbeitsmarkt kaum in Konkurrenz zu Deutschen oder anderen Ausländern. Denn Flüchtlinge kämen vor allem im Gastgewerbe oder bei anderen Dienstleistungen unter.


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