Mappus gegen Begrenzung von AKW-Laufzeiten

Neckarwestheim/Stuttgart - Nach der großen Demonstration für das Aus des Atomkraftwerks Neckarwestheim I hat sich Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) klar gegen eine Begrenzung der Laufzeiten von Reaktoren ausgesprochen.

Von Adrian Hoffmann
Email
Nach der großen Demonstration für das Aus des Atomkraftwerks Neckarwestheim I hat sich Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) klar gegen eine Begrenzung der Laufzeiten von Reaktoren ausgesprochen. „Ich bin für den Ausstieg aus dem Atomausstieg. Das heißt: Solange ein Atomkraftwerk sicher ist, muss man seine Laufzeit nicht begrenzen“, sagte Mappus der „Bild“-Zeitung (Montag). Am Sonntag hatten mehrere tausend Menschen in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) gefordert, den zweitältesten Meiler in Deutschland abzuschalten. Der Protest war unter anderem von Umweltverbänden und Grünen und SPD organisiert worden.

Mappus will sich im Gegensatz zu Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) nicht auf ein Datum festlegen, wann die Meiler vom Netz gehen sollen. „Standorte für Neubauten brauchen wir nicht in Deutschland“, sagte der Regierungschef. „Selbst das technisch beste Kraftwerk läuft aber nicht endlos. Irgendwann ist also Schluss. Nur lege ich mich nicht auf eine Jahreszahl fest.“ Er bekräftigte, dass mindestens 50 Prozent der Zusatzgewinne aus längeren AKW-Laufzeiten in den Ausbau erneuerbarer Energien fließen sollten.

Mehr Teilnehmer als erwartet

Mit so vielen Demonstranten vor dem Kernkraftwerk in Neckarwestheim hatten sie dann doch nicht zu rechnen gewagt. 4800 Menschen sind nach Angaben der Veranstalter − 35 Verbände, Initiativen, Stiftungen und Parteien − zu der Anti-Atom-Kundgebung am Sonntag gekommen. Im Vorfeld waren sie von mindestens 2000 ausgegangen. Die Polizei schätzt die Teilnehmerzahl auf 3500.

Vor den Toren des AKWs in Neckarwestheim sei das die größte Protestaktion seit 20 Jahren, sagt Franz Pöter, Koordinator der Demonstration und Landes-Umweltreferent des BUND. "Das ist ein deutliches Signal. Es zeigt: Die Leute haben jetzt einfach die Schnauze voll." Man wolle die Tricksereien um das Thema Laufzeitverlängerung nicht hinnehmen.



Viele Teilnehmer sind überzeugt davon, dass der Gang auf die Straße etwas bringt. "Je mehr Menschen sich bewusst machen, was für ein Unsinn hier getrieben wird, desto größer sind auch die Chancen auf einen Erfolg", sagt Bernhard Stolz, 73-jähriger Pensionär aus Stuttgart.

Pfeifkonzert für die EnBW

"Endlich abschalten!" lautet das Motto der Kundgebung − und so gibt es immer wieder Pfeifkonzerte für eine ungewöhnliche Reaktion der EnBW. Ein mehrere Meter hoher Kubus steht mitten auf der Veranstaltungsfläche, auf dem das Ernergieversorgungsunternehmen Kernkraft verteidigt. "Das zeigt die Nervosität der EnBW", sagt Franz Wagner vom Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn. Die Veranstalter hätten die Kundgebung für den gesamten Platz angemeldet. Kurz bevor der friedliche Protestzug aus dem nahe gelegenen Kirchheim vor den Werkstoren ankommt, verteilen sich Mitarbeiter der EnBW um den Kubus. Die Menschen aus dem Protestzug werden aufmerksam, versammeln sich dort und rufen "Abschalten, abschalten" im Chor.

Anti-Atom-Frühlingsfest Neckarwestheim
Um 13.30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug vom Kirchheimer Bahnhof bis zum GKN in Bewegung. Foto: lsw

"Wir stehen hier, weil wir den Dialog suchen", sagt EnBW-Pressesprecher Dirk Ommeln. Es handle sich ja um Firmengelände, und deshalb nehme man auch das Recht in Anspruch, die Argumente für die Kernkraft zu nennen.

"Eine Frechheit", findet Demonstrant Bernhard Stolz. "Die disqualifizieren sich doch selbst." Franz Wagner sagt wenige Minuten später auf der Bühne: "1000 Kubikmeter Luft ergeben noch keinen Inhalt." Die Menge stimmt ihm zu, während Aktivisten der Aktionsgemeinschaft Robin Wood den Kubus erklimmen und mit einem Banner überhängen: "Lächeln statt strahlen."



Das Ende der Kundgebung markiert das längste Anti-Atom-Banner der Welt, das die Demonstranten über 1500 Meter entlang des Werkzauns aufspannen. "Ich denke, die Anti-Atom-Bewegung ist jetzt richtig angepiekst", sagt Matthias Wiedenlübbert, der die einzelnen Teile des Banners angeliefert hat.

Die Grünen-Landesvorsitzenden Silke Krebs und Chris Kühn werteten den Protest als beeindruckendes Signal für ein schnelles Ende des "Uraltrektors Neckarwestheim". Nils Schmid, Landesvorsitzender der SPD, kommentierte: "Wir wollen die regenerative Energiewende jetzt und deshalb ist es Zeit, abzuschalten."

Die Atomkraftgegner betonten, der Meiler Neckarwestheim I sei nur unzureichend gegen terroristische Anschläge geschützt und habe eine katastrophale Störfall-Bilanz. Die Mehrheit der Baden-Württemberger sei gegen längere Laufzeiten von Atomkraftwerken.


Symbolisch drückten die Umweltaktivisten nach dem Gottesdienst im Heilbronner Stadtgarten den roten Notschalter, um das AKW Neckarwestheim vom Netz zu nehmen. Foto: Klöppel


 


Kommentar hinzufügen