Greenpeace-Protestaktion am GKN-Kühlturm

Neckarwestheim - Greenpeace-Aktivisten bestiegen am Montag den Kühlturm des Atomkraftwerks Neckarwestheim und entrollten ein 500 Quadratmeter großes Transparent. Die Polizei war mit 194 Mann im Einsatz.

Von Sara Furtwängler



Neckarwestheim - Was bleibt, ist ein schwarzer Schriftzug auf dem Kühlturm des Atomkraftwerks (AKW) in Neckarwestheim. "Atomkraft schadet dem Ländle", haben Greenpeace-Aktivisten hier gestern in dicken Buchstaben aufgemalt. Daneben prangt ein Totenkopf.

Schlauchboote

Es war eine Nacht- und Nebelaktion. Gegen 5.30 Uhr kommen rund 70 Greenpeace-Aktivisten mit Schlauchbooten über den Neckar, legen beim AKW an, und steigen mit einer Leiter über den dortigen Zaun. Ein Wachmann bemerkt die Eindringlinge, wird aber von den Aktivisten "überrannt und in ein Gebüsch gestoßen", berichtet Polizeisprecher Harald Schumacher. Dabei verletzt er sich leicht. Die Aktivisten besetzen den Kühlturm und ketten sich dort an. Im dichten Nebel sind sie lange Zeit gar nicht zu sehen. Transparente, Menschen, die an Seilen hängend den Kühlturm bemalen − alles liegt in einer undurchsichtigen Wolkenschicht, die sich erst gegen 11 Uhr langsam aufgelöst.

Greenpeace will auf "mangelhafte Atomaufsicht"aufmerksam machen. "Neckarwestheim 1 ist unsicher und veraltet. Über Jahre wurden notwendige Sicherheitsnachrüstungen verschleppt und entsprechende Anträge verheimlicht", sagt Greenpeace-Sprecher Tobias Riedl.

Auf dem Hubschrauberlandeplatz des AKW sammelt sich ab 8.30 Uhr ein Großaufgebot der Polizei. Die Hundestaffel, ein Hubschrauber, Polizisten der Region und Spezialeinsatzkräfte aus Göppingen, Böblingen und Lahr. Insgesamt 194 Beamte. Sie versuchen, mit den Aktivisten zu sprechen, doch der Versuch scheitert. "Keine Kooperation, kein Ansprechpartner, nichts", stellt Schumacher fest. Das sei man von Greenpeace nicht gewohnt.

Gegen 10 Uhr macht sich das Spezialeinsatzkommando (SEK) bereit, auf den Turm zu klettern. "Wenn die nicht freiwillig runter kommen, müssen wir sie holen", sagt Schumacher. In Fünfergruppen bringen SEK-Beamte die Demonstranten vom Kühlturm. Unten warten Polizeiwagen, die die Aktivisten auf das Heilbronner Revier fahren. Es werden 53 Personen festgenommen − wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Bei einer Personalkostenpauschale von 43 Euro pro Stunde kostet ein Polizeieinsatz dieser Größenordnung rund 25.000 Euro. Ob ein Gebührenbescheid für den Einsatz erlassen wird, will die Polizei prüfen.
 

Nachgefragt: "Ein Vordringen in die Reaktoranlage war nicht möglich"

Ist es zu einfach, auf das hochsensible Gelände zu kommen? Carsten Friese fragte bei EnBW-Sprecher Ulrich Schröder nach.

Bürger wundern sich, wie es sein kann, dass Protestler einfach ins Kernkraftwerk gelangen können.

Ulrich Schröder: Sie sind gewaltsam auf das normale Betriebsgelände vorgedrungen, von Land mit Leitern, vom Fluss aus mit Booten. Der Kühlturm liegt außerhalb der besonders geschützten Kraftwerksbereiche. Zum sicheren Betrieb der Anlage wird der Kühlturm nicht benötigt. Wichtig ist: Ein Vordringen in die Anlage war durch das gestaffelte Sicherungskonzept nicht möglich.

Wieso? Wie werden Reaktorblock und -kern denn zusätzlich geschützt?

Schröder: Es gibt neben dem Betriebsgelände einen äußeren und inneren Sicherungsbereich. Zu Details des Konzepts machen wir natürlich keine Angaben, um die Wirksamkeit nicht zu gefährden.

Ist es aber möglich, dass jemand mit einer Bombe weiter vordringt?

Schröder: Das ist unrealistisch. Auch gegen einen solchen Fall ist unser Sicherungskonzept ausgelegt.

Wie viele Objektmitarbeiter bewachen denn das Gelände? Und: Tragen sie Waffen?

Schröder: Zu Zahlen der Mitarbeiter und ihrer Ausrüstung geben wir im Detail keine Auskunft. Es ist nur dem umsichtigen Verhalten unserer Mitarbeiter der Objektsicherung zu verdanken, dass die Situation heute nicht eskalierte und nicht weitere Personen zu Schaden kamen. Sie haben die Situation rasch erkannt und besonnen reagiert. Von einer friedlichen Aktion von Greenpeace kann man dagegen beim besten Willen nicht sprechen.

 

 


 


Kommentar hinzufügen